Berufs-WM von

Wir sind Meister

Österreichs Fachkräfte räumen bei den Berufsweltmeisterschaften „WorldSkills“ ab

Unsere Teilnehmer haben gezeigt, dass siedem Druck gewachsen sind. © Bild: Rudolf Laresser/www.LARESSER.com

Bei den Berufsweltmeisterschaften „WorldSkills“ holten Österreichs junge Fachkräfte insgesamt elf Medaillen. Das Team landete unter den Top 10 und belegte unter den EU-Staaten sogar den ersten Platz. Einmal mehr zeigt sich also: Die rot-weiß-rote Lehrlingsausbildung ist top!

Das kennt man ja höchstens vom Wintersport: Fünfmal Gold, zweimal Silber und viermal Bronze erkämpfte sich das Team Österreich bei den 42. Berufsweltmeisterschaften „WorldSkills“. Vier Tage lang wurde in der Leipziger Messe vor 200.000 Zuschauern gebohrt, gehämmert, genäht, programmiert, gezeichnet, es wurden Mauern aufgebaut, Möbel gezimmert, Fliesen verlegt und Blumen gesteckt, ganze Gärten angelegt, Wände aufgezogen, Speisen gekocht und Drinks serviert. In den einzelnen Disziplinen ging es um Schnelligkeit und Genauigkeit im Ausführen der Arbeit bzw. der gestellten Aufgaben nach internationalen Standards. Am Ende entschieden Feinheiten über Sieg oder Niederlage. Wie Leistungssportler wurden die 29 Lehrlinge (25 Burschen und vier Mädchen) auf den Wettbewerb, der seit 1950 alle zwei Jahre durchgeführt wird und an dem Österreich seit 1961 regelmäßig teilnimmt, vorbereitet. Sogar ein Mentaltrainer wurde den heimischen „Champs“ zur Seite gestellt, damit sie im Match gegen die rund tausend anderen Nachwuchskräfte aus 67 Nationen in 46 Wettbewerbsberufen bestehen können.

Lob für die „Athleten“. Das Training hat sich vor allem für die Goldmedaillengewinner Herbert Gabauer (Heizungs- und Sanitärinstallateur), Thomas Liebenauer (Fliesenleger), Kevin Micheli (Koch), Christina Peinthor (Malerin und Dekorateurin) und Robert Schnöll (Steinmetz) bezahlt gemacht. Österreich reüssierte in Deutschland als bestes Land der EU auf dem 6. Platz. Die Stockerlplätze sicherten sich Korea, die Schweiz und Taiwan. Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, bringt dem gesamten Team höchste Wertschätzung entgegen: „Unsere jugendlichen Teilnehmer haben einmal mehr bewiesen, dass sie dem Druck gewachsen sind. Ihre Chancen haben sie optimal genutzt, ihre hervorragenden Fähigkeiten vor internationalem Publikum und weltweiter Konkurrenz erfolgreich eingesetzt.“

Vorbild Österreich. „Unser duales Ausbildungssystem ist Weltklasse“, attestiert Leitl. Klar, dass sich zahlreiche europäische Länder derzeit für das System Lehre nach österreichischem Vorbild interessieren. Auch EU-Präsident José Manuel Barroso erklärte bei seinem letzten Wien-Besuch, Österreich könne als „Best-Practice“-Modell für andere Länder gelten. Trotzdem stimmen die Sozialpartner überein: Die Lehre braucht ein besseres Image. Dazu braucht es innovative Arbeitgeber wie die Drogeriekette dm. Die Ausbildung stützt sich auf das pädagogische Konzept „Lernen an Aufgaben“: Durch eine besondere Ausbildungskultur soll die Entwicklung jedes Einzelnen individuell gefördert werden. Derzeit werden bei dm etwa 800 Lehrlinge in sieben verschiedenen Lehrberufen ausgebildet. „Die Lehrenden geben ihre Fähigkeiten mit Freude und Begeisterung weiter und trauen den Lehrlingen viel zu. Sie ermöglichen eine Potenzialentfaltung der Lernenden, indem sie sie einladen, ermutigen und inspirieren“, konkretisiert Geschäftsführerin Petra Mathi-Kogelnik.

Technik hinkt. Dringenden Handlungsbedarf sehen Experten außerdem in der Ausbildung von modernen, technischen Disziplinen. Das Ergebnis der „WorldSkills“ bestätigt diese Forderung. Während in den Handwerksberufen und der Gastronomie gute Ergebnisse eingefahren wurden, hatten die österreichischen Vertreter bei den technischen Berufen (Mechatronik, Informationsnetzwerktechnik, Produktionstechnik, etc.) leider keine Chance. Bei einigen technischen Bewerben ging erst gar kein heimischer Vertreter an den Start. Hier dominierten Jugendliche aus Korea, Japan oder Singapur. Einer Umfrage der Industriellen Vereinigung (IV) zu Folge haben acht von zehn Unternehmen große Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal in den „Zukunftsbereichen“ Technik, Produktion, Forschung und Entwicklung zu finden. Vor allem junge Frauen müssten mehr für technische Berufe begeistert werden. „Viele Mädchen, die KFZ-Mechanikerin werden wollen, sind in der Überbetrieblichen Ausbildung, weil die Betriebe sie nicht nehmen. Häufig, weil es keine Damentoiletten gibt“, kritisiert Michael Trinko, Bundessekretär der ÖGJ (Österreichische Gewerkschaftsjugend) mangelndes Bewusstsein seitens der Wirtschaft. Und auch in anderen technischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen wird es Frauen nicht immer leicht gemacht, Fuß zu fassen. Doch genau hier sind die Jobs zu haben: Bis zu 30.000 neue Arbeitsplätze sollen in den Berufsgruppen Informatik, Physik, Chemie, Ingenieurwesen und Biowissenschaften sowie verwandte Disziplinen bis 2016 in Österreich entstehen, prognostiziert das Arbeitsmarktservice (AMS).

Neue Chance. Als positives Beispiel in der Technikförderung von Frauen gilt das Österreichische Bundesheer. Mädchen können hier eine Lehrlingsausbildung abseits der klassischen Frauenberufe absolvieren und sich beispielsweise als Luftfahrzeugtechnikerin oder Lagerlogistikerin ausbilden lassen. Gut möglich, dass neben Heeressportlern auch Bundesheer-Lehrlinge für Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften sorgen. 2015 hätten sie bei den „WorldSkills“ in Sao Paulo die Chance, es Kevin, Christina & Co. gleichzutun.

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