Berthod beendet Schweizer Sieglosigkeit: Sensations-Sieger beim Slalom in Adelboden

Erster Erfolg nach über 100 Rennen für Eidgenossen Raich in Adelboden 2., Matt auf dem dritten Platz

Adelboden ist Kopf gestanden, die Schweizer Ski-Herren haben nach 103 Rennen ohne Sieg im Slalom von Adelboden einen sensationellen Heimerfolg bejubeln dürfen. Marc Berthod, der mit Startnummer 60 ins Rennen gegangen war, feierte nach Platz 27 im ersten Durchgang mit einem völlig entfesselten zweiten Lauf seinen ersten Weltcup-Sieg.

Am nächsten kamen dem 23-jährigen Sensationsmann vor 10.000 jubelnden Fans zwei Tiroler. Benjamin Raich wurde nach seinem Sieg im Riesentorlauf Zweiter (+0,26 Sekunden), Mario Matt kehrte mit Rang drei (0,38) endlich wieder in die Slalom-Weltspitze zurück. Die ÖSV-Herren haben damit eine eindrucksvolle Reaktion auf das Debakel von Alta Badia hingelegt, am 18. Dezember war kein Österreicher in den Top-30 gelandet.

"Unglaublich, das war ein echter Traumlauf. Das ist wirklich cool", konnte Berthod sein Glück gar nicht fassen. "Als ich am Vormittag mit Nummer 60 gestartet bin, habe ich keine Sekunde an den Sieg gedacht", so der Zweitplatzierte der Super-Kombi im November 2006 in Beaver Creek. "Ich mag den Berg, hier läuft es auch im Training immer gut für mich." Wie unglaublich die Fahrt von Berthod im zweiten Lauf war, zeigt die Tatsache, dass er 1,53 Sekunden schneller als der zweitschnellste Manfred Mölgg (ITA) war.

Berthod gelang die beeindruckendste Slalom-Aufholjagd der Weltcup-Geschichte, er löste damit Raich als bisherigen Weltrekordhalter in dieser Kategorie ab. Raich war im Jänner 1999 im Nachtslalom von Schladming nach Platz 23 im ersten Lauf zu seinem ersten Weltcup-Erfolg gerast. Punkto Startnummer ist es kein Weltcup-Weltrekord, denn Markus Foser (LIE) hatte 1993 die Gröden-Abfahrt mit Nummer 66 gewonnen.

Zahlreiche Top-Leute sahen bei weicher Piste und schwierigen Bedingungen - zunächst Regen, dann Sonne, dann Nebel - nicht das Ziel. Gesamt-Weltcup-Leader Aksel Lund Svindal (NOR) schied im ersten Durchgang im 18. Saisonrennen erstmals aus, ebenfalls bereits im ersten Lauf verabschiedeten sich Manfred Pranger (AUT), Ted Ligety (USA), Andre Myhrer (SWE) und Ivica Kostelic (CRO). Im zweiten Durchgang folgten auch Rainer Schönfelder (AUT) und Bode Miller (USA).

Auch Raich freute sich mit Berthod mit. "Toll für ihn und fürs Schweizer Publikum", meinte der hoch zufriedene Pitztaler, der in Adelboden 180 Punkte hamsterte und den Rückstand auf Svindal auf 181 Zähler verkürzte. "Im ersten Durchgang hatten wir eine bessere Piste, im zweiten Durchgang eben andere. Das gleicht sich alles aus." Mit einem weiteren Sieg hätte Raich an Weltcup-Siegen mit dem großen Franz Klammer (26 Erfolge) gleichgezogen.

Matt feierte sein ersten Weltcup-Stockerlergebnis seit seinem Slalom-Triumph in Lenzerheide am 13. März 2005. "Es ging darum, endlich meine Trainingsleistungen im Rennen umzusetzen. Denn da bin ich fast immer bei den Schnellsten. Das ist mir heute gelungen", jubelte der Ex-Weltmeister aus Flirsch erleichtert. Matt hatte zuletzt mit der Abstimmung herumgebastelt, vor allem im Schuhbereich. "Mühsam, aber es hat sich ausgezahlt."

Ausgeschieden bereits im ersten Lauf ist Manfred Pranger. Den Tiroler erwischte es so wie Svindal im steilen Zielhang. "Eigentlich war es eine dosierte Fahrt. Dass ich trotzdem nicht das Ziel gesehen habe, ist doppelt bitter. Aber irgendwie hatte ich schon vor dem Rennen ein ungutes Gefühl. Ich muss jetzt wieder Sicherheit kriegen", so Pranger vor den Slalom-Klassikern in Wengen, Kitzbühel und Schladming.

Weiterhin alles andere als fit ist Rainer Schönfelder nach seinem am Mittwoch bei einem Trainingssturz erlittenen schweren Schleudertrauma. "Das Problem ist gleich bleibend. Ich muss eben geduldig sein", erklärte der Kärntner, der auch nach wie vor auch Leistenprobleme hat. "Momentan bin ich nicht wirklich glücklich."

Der Weltcup-Tross bleibt jetzt in der Schweiz. Die Punktejagd geht am kommenden Wochenende in Wengen weiter, am Freitag steht die Super-Kombi, am Samstag die Abfahrt und am Sonntag der Slalom auf dem Programm. Abzuwarten bleibt jedoch, wie das anhaltende Warmwetter im Berner Oberland dem Lauberhorn zusetzt.

Endstand
1. Marc Berthod SUI 1:47,42 Min.
2. Benjamin Raich AUT 1:47,68 +0,26
3. Mario Matt AUT 1:47,80 +0,38
4. Kalle Palander FIN 1:47,82 +0,40
5. Markus Larsson SWE 1:47,97 +0,55
6. Giorgio Rocca ITA 1:48,10 +0,68
7. Manfred Mölgg ITA 1:48,11 +0,69
8. Jens Byggmark SWE 1:48,24 +0,82
9. Michael Janyk CAN 1:48,40 +0,98
10. Daniel Albrecht SUI 1:48,67 +1,25
11. Ondrej Bank CZE 1:48,70 +1,28
12. Julien Lizeroux FRA 1:48,82 +1,40
13. Jean-Baptiste Grange FRA 1:48,99 +1,57
14. Akira Sasaki JPN 1:49,04 +1,62
15. Kurt Engl AUT 1:49,25 +1,83
16. Cristian Deville ITA 1:49,29 +1,87
17. Mitja Dragsic SLO 1:49,34 +1,92
18. Felix Neureuther GER 1:49,50 +2,08
19. Anton Lahdenperä SWE 1:49,52 +2,10
20. Mattias Hargin SWE 1:49,66 +2,24
21. Romed Baumann AUT 1:49,72 +2,30
22. Mitja Valencic SLO 1:50,00 +2,58
23. Marc Gini SUI 1:50,69 +3,27

Ausgeschieden:
Im 2. Durchgang:
Rainer Schönfelder (AUT), Bode Miller (USA), Pierrick Bourgeat, Gaetan Llorach (beide FRA), Patrick Thaler (ITA)
Im 1. Durchgang, u.a.:
Manfred Pranger (AUT), Aksel Lund Svindal (NOR), Andre Myhrer (SWE), Ivica Kostelic (CRO), Jimmy Cochran (USA), Johan Brolenius (SWE), Martin Hansson (SWE), Ted Ligety (USA), Thomas Grandi (CAN)

Disqualifiziert nach 2. Durchgang:
Alois Vogl (GER), Steve Missillier (FRA/beide haben "eingefädelt")

(apa/red)