Berlusconi kämpft mit allen Mitteln: Wegen Verletzung des Werbeverbots in der Kritik

SMS sowie Anzeige in der "Gazzetta dello Sport"

Silvio Berlusconi ist wegen Verletzung des Werbeverbots an den Wahltagen unter Beschuss geraten. Tausende Handy-Besitzer erhielten eine SMS mit folgendem Slogan: "Wenn du nicht wählst, unterstützt du Prodi. Wenn er gewinnt, verlierst DU: Steuern auf deine Ersparnisse und deine Wohnung."

Auch die italienische Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport" geriet wegen Wahlpropaganda für Berlusconi unter Druck. In der "Gazzetta dello Sport", Italiens meistgelesener Zeitung, kaufte der Medienzar am Wahlsonntag die gesamte Seite 4. Dort stand in großen Lettern "Der Präsident Italiens in der Welt". Darunter ein riesiges Farbfoto von Berlusconi auf den Schultern seiner Milan-Fußballer, mit einem Siegespokal in Händen. Mit der Werbung feierte AC Mailand das 20. Jubiläum seit seinem Erwerb des Fußballklubs durch Berlusconi.

Die Reaktion der Mailänder Sporttageszeitung wurde von Protestmails erzürnter Leser überflutet. "Ich bin empört, dass meine liebste Tageszeitung am Tag der Wahlen so offen Position für Berlusconi nimmt. Ich bin total entrüstet", schrieb ein Wähler. "Ich finde es geschmacklos, dass der reiche Berlusconi sich am Tag der Wahlen eine ganze Seite zu Zwecken der Wahlpropaganda kauft", so ein weiterer Leser.

Die Chefredaktion der Tageszeitung erklärte, dass Berlusconi, Ehrenpräsident von AC Mailand, schon vor Wochen die Werbung bestellt hatte. "Berlusconi ist Chef von AC Mailand seit 20 Jahren. Er hat mit dem Klub viel gewonnen und es ist richtig, dass ihn der Verein feiert", hieß es in einem am Montag veröffentlichten Schreiben der Chefredaktion. Die Tageszeitung bestritt, den Politiker Berlusconi am Wahlsonntag begünstigen zu wollen. "Wir begreifen, dass die Werbung von AC Mailand für Polemik sorgt. Wir entschuldigen uns deswegen", hieß es im Schreiben.

Eine Wählerin, die mit der linksliberalen Tageszeitung "La Repubblica" ein römisches Wahllokal betreten wollte, musste das Blatt vor dem Eingang liegen lassen. Die Tageszeitung führt seit Jahren eine heftige Kampagne gegen Berlusconi. "Die Tageszeitung kann als Wahlpropaganda betrachtet werden. Sie dürfen das Wahllokal nicht mit dem Blatt betreten", sagte der Verantwortliche des Wahllokals. "So etwas ist mit bisher noch nie passiert", kommentierte die Frau empört.

(apa)