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Shades of Grey und die Mutter des SM-Filmes Charlotte Rampling

Sandra Wobrazek exklusiv für NEWS.AT über das Geschehen in Berlin

Charlotte Rampling © Bild: Reuters/Loos

Der am meisten diskutierte Film der 65. Berlinale war einer, der nichts mit Arthouse-Kunst zu tun hat, ja nicht einmal im Wettbewerb läuft: „50 Shades of Grey“, der an der Spree Mittwochabend seine Weltpremiere feierte. Das cleane SM-Märchen ist dabei genauso harmlos wie erwartet: Bis auf einen nackten Busen und ein ebensolches Gesäß von Dakota Johnson zeigen sich die Hauptfiguren züchtig.

Und die sadomasochistischen Szenen? Die hören (wie vermutet) mit ein paar Bondage-Spielchen und Gesäßklatschern da auf, wo der Genreklassiker „Die Geschichte der O.“ (oder jeder Ulrich Seidl Film) erst anfängt. Dennoch: Im Vergleich zur unerträglich seichten Buchvorlage ist der Film rund um den Millionär Christian Grey (Jamie Dornan), der die unerfahrene Studentin Ana (Dakota Johnson, überzeugend und weit selbstbewusster als im Buch) in die Künste der BDSM-Liebe einführt, erstaunlich unpeinlich und mitunter sogar witzig gelungen.

Die Aufregung rund um auf Zelluloid gebannten Sadomaso, um ein paar Gerten und Seile – all das ringt einer Besucherin der Berlinale nur ein mildes Lächeln ab. Kein Wunder, sind solche Inhalt für Charlotte Rampling, die an der Spree ihr höchst sehenswertes Ehedrama „45 Years“ präsentiert, nichts neues, sorgte sie doch bereits anno 1974 für einen Skandal: In „Der Nachtportier“ spielte die heute 69-Jährige eine ehemalige KZ-Insassin, die eine SM-Beziehung mit einem ihrer einstigen Wärter eingeht. NEWS.AT hat die Britin mit dem noblen Äußeren in Berlin zum Interview getroffen und sie gefragt was sie über den „Shades“-Hype denkt:

NEWS.AT: Sie haben mit provokativen Filmen wie „Der Nachtportier“ in den 70er Jahren für Skandale gesorgt. Was sagen Sie zu „Shades of Grey“?
Charlotte Rampling: Es war nur ein Film dieser Art den ich gemacht habe, Karriere habe ich in diesem Genre keine gehabt. Ich denke, dass „Shades of Grey“ seine Berechtigung hat. Allerdings nur, wenn es ein Film ist, der gut gemacht ist und unterhalten kann.

NEWS.AT: Aber letztendlich geht es ja nur um Eines.
Rampling: Ja, um Sex. Aber da ist ja nichts dabei, oder? Jeder mag Sex. Deshalb bin ich mir sicher, egal ob der Film gut oder schlecht ist, dass viele ihn sich anschauen werden. Immerhin haben Millionen Menschen die Bücher gelesen.

NEWS.AT: Wie erklären Sie sich, dass so viele Frauen unterschiedlichen Alters Fans der Romane sind?
Rampling: Ich denke, dass die Thematik eben viele Frauen anspricht. Und der Film kann durchaus unterhaltend sein. Ich finde auch nichts dabei, wenn man diese Dinge mag die da in dem Film vorkommen.

NEWS.AT: Würden Sie in so einen Film Ihren Partner mitnehmen oder lieber alleine im Kino sitzen?
Rampling: Ich so eine Art von Film geht man doch eher alleine würde ich sagen. Wobei: wenn beide Partner darauf stehen kann man ja durchaus auch zu zweit gehen – und das auf der Leinwand Gesehene daheim ausprobieren.

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