Berlinale 2012 von

Ex-Buhlschaft als Bärenanwärterin

Nina Hoss' Film "Barbara" zählt zu den Favoriten von Kritikern und Publikum

Berlinale 2012 - Ex-Buhlschaft als Bärenanwärterin © Bild: TV-MEDIA

Er ist der bislang stillste Film der diesjährigen Berlinale – und zählt doch zum Favoriten von Kritikern und Publikum: „Barbara“. In dem stilistisch reduziertem und dennoch bewegendem Drama des Berliner Regisseurs Christian Petzold („Yella“, „Jerichow“) wird die Ostberliner Kinderchirurgin Barbara in der DDR der 1980er Jahre in ein Provinzkrankenhaus versetzt, nachdem sie erfolglos einen Ausreiseantrag gestellt hat. Dort wird sie nicht nur von der Stasi, sondern auch von ihrem Vorgesetztem systematisch überwacht, lebt ein Leben, das von Arbeit und Alltagstristesse geprägt ist. Doch als Barbaras westdeutscher Freund ihre Flucht in die BRD vorbereitet, beginnt die Frau sich mit ihrem Schicksal zu arrangieren und an dem Entschluss ihre Heimat zu verlassen zu zweifeln.

In der Hauptrolle von „Barbara“ (der einer von drei deutschen Filmen im Wettbewerb ist): Nina Hoss. Einst umjubelte Buhlschaft Jedermanns bei den Salzburger Festspielen, wird die 36-Jährige jetzt schon als Favoritin für den Silbernen Bären als beste Darstellerin (den sie bereits 2005 für ihre Rolle in „Yella“ erhielt) gehandelt. In bereits fünf Filmen hat die kühle Blonde mit den bestechenden blauen Augen mit Petzold zusammengearbeitet. Eine besondere Beziehung? „Es ist ein großes Glück, wenn man jemanden findet, mit dem man immer wieder neue Ideen entwickeln kann. Das passiert in unserer Branche nicht so oft,“ so Hoss, die als eine der arriviertesten Theaterschauspielerinnen Deutschlands gilt.

Petzold selbst kann mit dem Begriff Muse wenig anfangen: „Muse klingt so nach nackt. Und nach Österreich. Sagen wir lieber Medium.“ Dass der Regisseur nicht nur ein erfolgreicher Filmer ist, sondern auch über Selbstironie verfügt, zeigte sich bei der Pressekonferenz zu „Barbara“. Als ein amerikanischer Journalist eine Frage auf Englisch stellte, stammelte der sichtlich nervöse Regisseur: „My English is not so good...“. Erst, als seine Hauptdarstellerin ihn darauf aufmerksam machte, dass Simultanübersetzer im Raum sind entspannte sich Petzold. Erleichterter Nachsatz: „Mann, dann war die ganze Panik ja umsonst...“