Berger Studie: Elektronische Probleme sollen Kundenwünschen angepasst werden

Abstimmung auf Kundenbedürfnisse wünschenswert Trend: Wachsende Qualitätsprobleme zu bewältigen

Fahrzeughersteller setzen bei Verbesserungen von Komfort und Sicherheit zunehmend auf elektronische Lösungen. Schon in naher Zukunft werden 90 Prozent aller Innovationen elektronischer Natur sein. Paradoxerweise führt aber gerade der steigende Elektronikanteil in Personenkraftwagen zu einer markant sinkenden Kundenzufriedenheit. Hauptgrund dafür ist, dass viele Produzenten ihre Geschäftsprozesse und -strukturen noch nicht an die geänderten Rahmenbedingungen angepasst haben. Zu diesem Ergebnis kommt die Trend-Studie "How to master the electronic challenge" von Roland Berger Strategy Consultants.

"Viele Produzenten können mit dem grundlegenden Wandel von der mechanischen zur elektronischen Steuerung eines Fahrzeuges noch nicht richtig umgehen", erklärt Rupert Petry, Partner und Automotive-Experte im Wiener Büro von Roland Berger. Dabei erhöht sich der Hightech-Anteil in Personenkraftfahrzeugen weiter rapide: Lag der finanzielle Wert der Elektronik in einem Auto 1995 noch bei durchschnittlich 1.338 Euro, waren es 2005 bereits 2.561 Euro. Für 2015 wird ein Anstieg auf 3.756 Euro erwartet.

Multimedia-Car
Hohes Wachstumspotenzial sieht der Berater noch bei der Vereinfachung von Instrumentenanzeigen und bei Schnittstellen zu den elektronischen Geräten der Passagiere. "Es wird bald nur noch einen Display geben, in den auch das Handy oder der Handheld eingebunden sind." Wireless-Anwendungen, die die Kommunikation zwischen Fahrzeugen sowie Datentransaktionen (z.B. auf Tankstellen) ermöglichen, sind ab 2010 zu erwarten. Ein weiteres Wachstumsfeld ist der Multimedia-Bereich: "Hier können sich Automarken deutlich voneinander abgrenzen und Kunden an die Marke binden. Vor allem bei Navigationssystemen haben die europäischen Hersteller in den letzten Jahren gegenüber den Japanern stark aufgeholt; sie werden sich hier emanzipieren. Im Bereich Unterhaltungselektronik ist generell eine starke Qualitätsverbesserung bemerkbar, die sich weiter fortsetzen wird", so Petry.

Aktive Sicherheit
Einen Mega-Trend erkennt die Studie beim Thema Sicherheit: Weg von der passiven - der Reduktion des Verletzungsrisikos bei Unfällen - hin zur aktiven Sicherheit, der Verhinderung von Unfällen. "Allerdings fehlt hier noch die Akzeptanz der Konsumenten, da die Elektronik aktiv in das Fahrverhalten eingreift. Das Innovationspotenzial im Bereich passive Sicherheit ist jedoch mehr oder minder ausgereizt, Weiterentwicklungen sind nur mehr bei aktiven Sicherheitsmaßnahmen zu erwarten", meint der Automotive-Experte.

Mehr Elektronik - unzufriedene Kunden
Der rasch wachsende Elektronikanteil stellt immer mehr Fahrzeughersteller vor große Herausforderungen. So hatten laut Hansen Report 2003 bereits 4,9 Prozent aller Mercedes, 4 Prozent aller BMW und 2,9 Prozent aller VW Elektronik-Probleme. "Dabei ist eine eindeutig negative Korrelation zwischen der Gesamtqualität des Fahrzeugs und der Zahl der elektronischen Komponenten nachweisbar", erklärt der Berater. Generell liegen bei Qualität und Verlässlichkeit meist japanische Fahrzeuge im Spitzenfeld. "Hier ist der Elektronikanteil geringer und außerdem werden ausgereiftere und erprobtere Technologien verwendet. Interessant ist, dass die Kundenzufriedenheit bei einem sehr hohem Elektronikanteil auf das Niveau von sehr einfachen Fahrzeugen mit geringem Anteil sinkt."

Elektronik Kundenwünschen anpassen
"Wachsende Qualitätsprobleme zu bewältigen und dem Kunden einen klaren Nutzen zu bieten, das sind die zentralen Herausforderungen der nächsten zehn Jahre", sagt Petry. Dementsprechend wird auch der Anteil an Elektronikspezialisten in den F&E-Abteilungen der Fahrzeughersteller von derzeit 5 Prozent auf 20 bis 22 Prozent im Jahr 2015 steigen. Der erwartete Komplexitätsanstieg ist jedoch nur dann erfolgreich zu bewältigen, wenn sich die Produzenten stärker an den Wünschen und Bedürfnissen ihrer Kunden orientieren und ihre Prozesse anpassen. Denn damit gibt es die meisten Probleme. (apa/red)