Bereits über 20.000 Hooligans in Italien:
Neuer gemeinsamer "Feind" ist die Polizei

Rechtsextremismus bei 63 Ultras-Organisationen Ausschreitungen mit "fast militärischer Präzision"

Nach dem Tod eines Lazio-Fans, der auf einer Autobahnraststätte in der Toskana von einem Polizisten erschossen worden ist, wächst die Beunruhigung wegen der zunehmenden Zahl von Hooligans in Italien. Laut einer Studie des italienischen Innenministeriums werden in Italien über 20.000 Hooligans gezählt. Im Stiefelstaat sind 63 Ultras-Organisationen mit Verbindungen zu rechtsextremen Kreisen aktiv, die 14.630 Mitglieder zählen.

35 Ultras-Gruppen sind mit linksextremen oder anarchistischen Kreisen verknüpft und haben 5.275 Anhängern. Die gefährlichsten Hooligans sind laut Studie Anhänger des Erstligisten SSC Napoli, dem Club des ÖFB-Teamspielers György Garics, sowie der Zweitligisten Hellas Verona und Salernitana Calcio. Als gefährlich werden auch die Ultras von Brescia, Atalanta, Genua und Catania eingestuft.

"Es ist offensichtlich, dass die Hooligans Propaganda für eine gewalttätige Opposition zum institutionellen System machen", hieß es im Bericht des Innenministeriums. Viele Hooligans hätten nach dem Tod des Lazio-Fans einen neuen gemeinsamen "Feind" gefunden - die Polizei. "Quer durch die Parteien droht sich eine neue politische Kraft herauszubilden, die nach dem Tod des Lazio-Fans eine neue Geschlossenheit gefunden hat", kommentierte die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera".

Bei den Krawallen in Rom sei es zu einer Allianz von Hooligans der Stadtrivalen AS Roma und Lazio Rom gegen die Polizei gekommen. Wegen der politischen Verstrickungen der Hooligans wurde vier wegen ihres Angriffes auf eine Polizeikaserne in Rom festgenommenen Ultras terrorismus-ähnliches Handeln vorgeworfen, was das Strafmaß erheblich erhöhen könnte. Nach ersten Aufklärungsergebnissen seien die Angriffe der Rowdys auf die Ordnungskräfte mit fast militärischer Präzision durchgeführt worden, mit einer offensichtlich einstudierten Strategie, vermutlich unterstützt von einer gemeinsamen Ideologie und rechtsextremistischen Slogans, teilte die Polizei mit.

Inzwischen wächst die Zahl der wegen der Krawallen verhafteten Tifosi. In der süditalienischen Stadt Taranto wurden fünf Personen festgenommen. In Rimini wurden fünf mit Stöcken bewaffneten Tifosi identifiziert, die Krawalle beim Derby gegen den Zweitligisten Cesena verursacht haben sollen. In Bergamo wurden acht Personen wegen Krawallen am Rande des Serie A-Spiels Atalanta-AC Milan festgenommen, das wegen der Ausschreitungen abgebrochen wurde.
(apa/red)