Beraterfirma weist auf Missstände hin: Bis zu 20% könnten Krankenhäuser sparen

Berater: Lücke bis 2010 mehr als 1 Milliarde Euro

Im österreichischen Gesundheitswesen wird die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben im Jahr 2010 ohne Kursänderung auf mehr als eine Milliarde Euro angewachsen sein. Das sagte Roland Falb von der Beraterfirma "Roland Berger Strategy Consultants" bei einem Business-Frühstück in Wien. In Krankenhäusern könne man mit mehr Effizienz in den Bereichen Pflege und Einkauf bis zu 20 Prozent einsparen, so der Berater.

Ein Viertel der Kosten in österreichischen Spitälern fallen laut dem Unternehmen für das Pflege-Personal an. Der Vorschlag der Gesundheits-Strategen sieht vor, Bereichspfleger mit flexiblen Dienstzeiten einzusetzen, die für mehrere Abteilungen zuständig sind. So könne man Überstunden reduzieren und besser auf die Auslastungsspitzen in Krankenhäuser eingehen, erklärte Joachim Kartte, verantwortlich für "Healthcare" bei "Roland Berger". Auch die Zusammenarbeit von Ärzten und Pflegern etwa bei der Terminplanung von Visiten könne optimiert werden. "Zirka zehn Prozent sind hier möglich an Kostenreduktion", sagte der Strategie-Experte.

Potenzial gebe es auch beim Einkauf von Geräten oder Büromaterial. Zwei Drittel aller Einsparungen seien durch den Einkauf gleichartiger Produkte wie Implantate, Handschuhe oder Nahtmaterial zu holen, so Kartte. In Deutschland habe man beispielsweise ein Krankenhaus analysiert, das Waren von 1.200 Lieferanten bezieht. 80 Prozent davon wurden bei 120 Partnern eingekauft. Besser sei es, sich auf wenige Lieferanten festzulegen und bestmögliche Konditionen auszuhandeln, meinte der Berater.

Um nicht gänzlich auf öffentliche Gelder angewiesen zu sein, können sich Spitäler private Partner ins Boot holen. Von einer Baufirma ein Klinik-Gebäude bauen und betreiben zu lassen und das Objekt nach einiger Zeit ins Eigentum des Krankenhauses zu übernehmen, könne effizienter sein als einen Kredit aufzunehmen, so Kartte. Zusätzlich sollten sich Spitäler die Frage stellen, welche Leistungen weiterhin im Haus erbracht werden sollen und bei welchen (etwa Labor-Diagnostik oder IT) es sich auszahlen würde, sie auszulagern. Auch über den Verkauf einzelner Klinikbereiche könne man Mittel für Investitionen lukrieren. Zudem sei das Zukaufen von Know-how empfehlenswert, so der Strategieberater.
(APA/red)