Benni Raich deklassiert die Ski-Konkurrenz:
Überlegener Sieg beim Weltcup-Start in Levi

Slalom: 2. Larsson, 3. Rocca - Rang 5 für Schönfelder Schweden stark - Miller nicht für 2. Lauf qualifiziert

Österreichs Ski-Teams ist ein Traumstart in den Winter gelungen. Einen Tag nach dem Dreifachsieg der ÖSV-Damen gab es in Levi auch bei den Herren durch Benjamin Raich einen rot-weiß-roten Slalom-Sieg. 24 Stunden nach dem überlegenen Triumph von Marlies Schild lieferte auch der Doppel-Olympiasieger aus Tirol vor den Augen seiner Salzburger Freundin eine Machtdemonstration ab und gewann 0,62 Sekunden vor dem Schweden Markus Larsson und 0,77 vor dem italienischen Spezial-Weltcupsieger Giorgio Rocca.

Benni Raich deklassiert die Ski-Konkurrenz:
Überlegener Sieg beim Weltcup-Start in Levi

Damit hat der 28-jährige Pitztaler erstmals in seiner so erfolgreichen Karriere gleich das erste Saisonrennen gewonnen und hält nun bei 24 Weltcupsiegen, davon 11 im Slalom. Er tat es in verblüffendem Gleichklang zu Schild. Wie seine im Ziel mitzitternde Lebensgefährtin erzielte er trotz Unsicherheiten im ersten Lauf ("Da hat das Timing nicht gepasst") auf dem pickelharten Eishang Bestzeit in beiden Durchgängen.

Am Ende ließ der Allrounder aus Tirol auch die Spezialisten klar hinter sich, die tausende von Slalom-Toren mehr trainieren. "Der zweite Lauf war dann perfekt. Es hat richtig Spaß gemacht", strahlte Raich.

Der Sieg gleich im ersten Saison-Slalom freue ihn auch deshalb so besonders, "weil ich ja speziell in Abfahrt und Super G weiterkommen will, aber in den technischen Disziplinen nichts verlieren darf. Der Sieg beweist, dass es nach wie vor passt", nahm der extrem austrainiert wirkende Weltcup-Titelverteidiger zufrieden seine Frühform zur Kenntnis. Mit zwei WM- und zwei Olympia-Goldmedaillen und der großen Kristallkugel in der Tasche hat sich Raich bekanntlich neue Ziele im Speed-Bereich gesetzt, um wie die Top-Allrounder Pirmin Zurbriggen (SUI), Marc Girardelli (LUX), Kjetil-Andre Aamodt (NOR), Günther Mader (AUT) und Bode Miller (USA) irgendwann ebenfalls in allen fünf Weltcup-Disziplinen gewonnen zu haben.

Bode Miller verpasst Quali für 2. Lauf
Raich vollendete damit beim Saisonstart das erhoffte Wintermärchen in Rot-Weiß-Rot, mit dem sich Österreich gleich beim Saisonstart als stärkste Ski-Nation der Welt bestätigte. Es war auch ein perfektes Wochenende für das neue Ski-Traumpaar Raich und Schild, das nicht nur privat, sondern nun auch sportlich im Gleichklang schwingt.

Raichs Triumph war auch eine klare Botschaft an Bode Miller. Nach Serien-Bestzeiten im Training verpasste der US-Star, der im kommenden Winter einen neuen Sieg-Rekord aufstellen will, mit zwei Sekunden Rückstand auf Raich die Qualifikation als 39. ebenso klar wie Ted Ligety. "Was Bode sagt, lässt mich kalt. Auch ich will so viele Rennen wie möglich gewinnen. Es ist okay, wenn wir uns damit gegenseitig anspornen", blieb Raich cool.

Als "Sieger" durften sich dafür einige andere fühlen. Etwa Rainer Schönfelder, der trotz Adduktorenzerrung und Schmerztabletten im Slalom Fünfter wurde. "Dass ich mich so überwinden konnte, freut mich sehr", meinte der Kärntner. Erleichtert gab sich auch Manfred Pranger, der nach einem wahren "Seuchenjahr" dank neuer Technik und deutlich schmälerer Ski-Führung als Neunter auf die Erfolgsspur zurückkehrte. Auch der Ärger über den kurzfristig unauffindbaren Ehering konnte seinen erhofften Top-10-Platz nicht verhindern. "Die neue Fahrweise macht mich sicherer", ist Pranger überzeugt.

Romed Baumann von 0 auf Platz 14
Die heimliche Sensation des Tages aber war Romed Baumann. Der 20-jährige Allrounder aus der Biathlon-Hochburg Hochfilzen wurde trotz Startnummer 51 und einiger Pannen 14. Bei der Zwischenzeit des ersten Laufs war Baumann sogar schneller gewesen als Raich, dann verlor er durch einen groben Steher aber rund eine halbe Sekunde und bekam im zweiten Lauf auch noch eine Torstange mitten ins Gesicht, weil er seinen Kinnbügel vergessen hatte.

Platz 14 im erst dritten Weltcup-Slalom für den ehemaligen Junioren-Weltmeister in der Abfahrt, der in dieser Disziplin auch einen Weltcup-Fixplatz hat, war aber dennoch sensationell. "Im Slalom habe ich eben am meisten trainiert", blieb Baumann, der behutsam zum kommenden Weltcup-Gesamtsieger aufgebaut werden soll, bescheiden.

Als "Siegerin" durfte sich in Levi auch Christine Sponring fühlen. Der 23-jährigen Tirolerin, deren Stern 2001 bei der WM in St. Anton mit Kombi-Silber aufgegangen war, die nach fünf Operationen aber vergangenes Frühjahr beinahe das Handtuch geworfen hatte, war als Slalom-17. das beste Ergebnis seit zwei Jahren gelungen. Was einen Unternehmer sofort zum Telefon greifen ließ. Damit hat "Sponi" nun nicht nur einen Slalom-Fixplatz in Aspen, sondern ab sofort auch einen Kopfsponsor (Grizzly Gas).

Endstand des Slaloms in Levi:
1. Benjamin Raich AUT 1:42,13 Min. ------ 51,47 50,66 Sek.
2. Markus Larsson SWE 1:42,75 +0,62 51,73 51,02
3. Giorgio Rocca ITA 1:42,90 +0,77 51,50 51,40
4. Stephane Tissot FRA 1:43,25 +1,12 51,79 51,46
5. Rainer Schönfelder AUT 1:43,45 +1,32 52,07 51,38
6. Jens Byggmark SWE 1:43,47 +1,34 52,65 50,82
7. Michael Janyk CAN 1:43,57 +1,44 52,32 51,25
8. Thomas Grandi CAN 1:43,58 +1,45 52,36 51,22
9. Manfred Pranger AUT 1:43,63 +1,50 52,18 51,45
10. Silvan Zurbriggen SUI 1:43,69 +1,56 52,57 51,12
11. Kalle Palander FIN 1:43,77 +1,64 52,91 50,86
12. Mario Matt AUT 1:43,86 +1,73 52,68 51,18
13. Kentaro Minagawa JPN 1:43,87 +1,74 52,32 51,55
14. Romed Baumann AUT 1:43,93 +1,80 52,55 51,38
15. Jimmy Cochran USA 1:44,08 +1,95 53,03 51,05
16. Martin Hansson SWE 1:44,12 +1,99 52,99 51,13
17. Jukka Leino FIN 1:44,20 +2,07 52,69 51,51
18. Felix Neureuther GER 1:44,25 +2,12 52,46 51,79
19. Patrick Biggs CAN 1:44,35 +2,22 52,88 51,47
20. Aksel Lund Svindal NOR 1:44,39 +2,26 52,39 52,00
21. Alois Vogl GER 1:44,49 +2,36 52,08 52,41
22. Pierrick Bourgeat FRA 1:44,59 +2,46 53,18 51,41
23. Cristian Deville ITA 1:44,66 +2,53 52,84 51,82
24. Bernard Vajdic SLO 1:44,83 +2,70 52,87 51,96
25. Steve Missillier FRA 1:44,87 +2,74 52,83 52,04
26. Hans-Petter Buraas NOR 1:45,14 +3,01 52,67 52,47
27. Ales Gorza SLO 1:45,36 +3,23 53,11 52,25
28. Manfred Mölgg ITA 1:51,31 +9,18 52,94 58,37

Ausgeschieden:
Im zweiten Lauf: Andre Myhrer (SWE) , Marc Berthod (SUI)
Im ersten Lauf, u.a.: Christoph Dreier, Kurt Engl (beide AUT), Akira Sasaki (JPN), Ivica Kostelic (CRO), Truls Ove Karlsen (NOR)

Nicht für den die Entscheidung der Top 30 qualifiziert, u.a.:
Alexander Koll (37.), Andreas Omminger (45./beide AUT)

(apa/red)