Benimm-Tipps für hässliche Amerikaner:
Ein "Weltenbürger"-Heftchen fürs Ausland

10.000 Ratgeber-Exemplare sind bereits im Umlauf Jedem neuen Reisepass soll die Fibel beigelegt werde

Benimm-Tipps für hässliche Amerikaner:
Ein "Weltenbürger"-Heftchen fürs Ausland

Die Liste der Vorwürfe ist lang: "Wir werden als laut, großspurig, besserwisserisch und ignorant angesehen", zählt der US-Unternehmer Keith Reinhard auf. Zudem seien sie als materialistisch und arrogant verschrien, fügt der Chef der weltweiten Werbeagentur DDB dem Bild vom "hässlichen Amerikaner" hinzu. Die neueste Waffe des in San Francisco ansässigen Verbandes (BDA) ist der "World Citizens Guide", ein "Weltenbürger"-Heftchen mit 16 Tipps für amerikanische Geschäftsreisende, die im Ausland einen besseren Eindruck machen sollen.

Mit der Vorgabe "Höre mindestens so lange anderen zu, wie du selber sprichst" soll der Redefluss gebremst werden. "Sprich leiser und langsamer" und "gib Dich kleiner, auch wenn du Dich für den Größten hältst", ist ein weiterer Dämpfer für das amerikanische Ego. Komme nicht mit Belehrungen daher und halte deinen Stolz in Schach, empfiehlt das Heft. Um peinliche Fehler zu vermeiden, sollte man vor der Reise auf die Landkarte schauen, rät die Fibel. "Es ist einfach erschreckend, wie viele Amerikaner immer noch "Austria" (Österreich) mit "Australia" (Australien) verwechseln", klagt Reinhard.

Botschafter des eigenen Landes
10.000 Ratgeber-Exemplare sind bereits im Umlauf, weitere 30.000 hat der Verband für Geschäftsreisende in Auftrag gegeben. Reinhard und sein Team haben auch das Außenministerium in Washington im Visier. Jedem neuen Reisepass sollte die Benimm-Fibel beigelegt werde, schlagen sie vor. Etwa 60 Millionen Amerikaner reisen jährlich ins Ausland. Reinhard sieht in jedem einen "möglichen Botschafter, der das Ansehen verbessern kann". Und das sei dringend notwendig. Der Werbe-Guru verweist auf jüngste Umfragen, bei denen Amerikaner aus europäischer Sicht immer schlechter abschneiden. Waren vor Beginn des Irak-Kriegs noch 58 Prozent der Deutschen den US-Bürgern wohl gesonnen, so ist diese Zahl jetzt auf 39 Prozent geschrumpft.

Leiser sprechen!
Umfrageteilnehmer in aller Welt konnten ihrem Frust über amerikanische Sitten- und Unsitten freien Lauf lassen. "Wie können sie sich zu Weltführern aufspielen, wenn sie kaum etwas über die Welt wissen?", beschwerte sich eine Frau aus Deutschland bei den Meinungsforschern. "Wenn die Amis schon nicht den Mund halten können, sollten sie wenigsten etwas leiser sprechen", frotzelte ein Mann aus Neuseeland. Ein anderer erteilte US-Bürgern den "Rat": "Bleibt doch zu Hause." Das täte ihrem Ruf am besten.
(red)