Benedikt XVI. kommt im Mai nach Polen: Wohlwollender Empfang durch Katholiken

Aber: "Es gibt keinen besseren als Johannes Paul II."

Man könnte leicht vermuten, dass Benedikt XVI. als Nachfolger des charismatischen Johannes Paul II. in dessen polnischer Heimat mit einem gewissen Argwohn betrachtet wird. Ausgerechnet ein deutscher Papst nach Karol Wojtyla, der für seine Landsleute der größte Pole aller Zeiten war und ist! Doch Tatsache ist: Die Polen fiebern dem "Neuen" entgegen, der am 25. Mai mit seine Besuch in Polen zu seiner ersten "richtigen" Auslandsreise nach dem Kölner Weltjugendtag aufbricht.

Der viertägige Besuch konnte längst nicht alle Wünsche und Einladungen berücksichtigen. "Komm zu uns an das Fenster und sprich zu uns!" hatten polnische Studenten bereits am Tag der Papstwahl gebeten. Das legendäre Fenster des Krakauer Bischofspalastes, von dem aus Johannes Paul II. stets zu den jungen Menschen gesprochen hatte, soll auch für Benedikt XVI. ein Ort der Begegnung mit jenen Jugendlichen werden, die sich nun als "Generation JPII" bezeichnen.

Die Zuneigung, die dem deutschen Papst in Polen entgegen gebracht wird, führt nicht zuletzt auf Johannes Paul II. zurück: War der deutsche Kurienkardinal Josef Ratzinger nicht die "rechte Hand" des geliebten Papstes? Wurde er nicht auch dadurch als Freund ausgezeichnet, dass er zwei Mal vom sterbenden Johannes Paul II. Abschied nahm? Die persönlichen Worte Ratzingers bei der Beerdigung seines Vorgängers gingen vielen Polen zu Herzen. "Man merkt, dass sie wirklich Freunde waren", war damals häufig zu hören.

Für viele polnische Katholiken erschien daher die Wahl des Deutschen zum Papst wie eine von Johannes Paul II. selbst geleitete Fügung, die Fortsetzung des Erbes Karol Wojtylas. Mit seinen konservativen Moralvorstellungen muss Benedikt XVI. nicht fürchten, die Gläubigen in Polen zu verstören - befolgen werden die meisten die kirchliche Morallehre allerdings ebenso wenig wie bereits unter seinem Vorgänger. Von einem sind die Polen dennoch überzeugt, trotz aller Zuneigung zum "Nachfolger": "Es gibt keinen besseren als Johannes Paul II."
(apa/red)