"Ben-Hur-Kampf" und der arabische Basar:
FIS-Direktor Kasper zur alpinen Ski-Zukunft

NEWS: "Fußballpause" beim Slalom wünschenswert ÖSV-Streit: "Österreicher glauben an fliegende Klinik"

"Ben-Hur-Kampf" und der arabische Basar:
FIS-Direktor Kasper zur alpinen Ski-Zukunft © Bild: APA/EPA

Gern kehrt Gian Franco Kasper in seine Engadiner Heimat St. Moritz zurück. Und sei es nur auf Kurzbesuch vor der WM. Im NEWS-Interview verrät der FIS-Präsident seine Ideen für den Rennsport neu. Dazu zählt der Slalom mit „Fußballpause“, dazu zählt der „Ben-Hur-Kampf“, für den er Hermann Maier gewinnen will. Im Drama Lanzinger weist Kasper Herzlosigkeit zurück …

NEWS: Die WM in Val d’Isère läuft, bleiben wir trotzdem beim Herzstück des Rennsports, beim Weltcup. Was müsste erneuert werden?
Kasper: Slalom und Riesenslalom dauern zu lang. Drei Stunden sind zu viel. Man müsste den zweiten Lauf gleich nach dem ersten starten. Eine Viertelstunde Pause, wie im Fußball, reicht.

NEWS: Die Amerikaner haben bekanntlich wenig für Skirennen nach dem Zeitfahr-Modus übrig. Aus ihrem Sportverständnis lieben sie den direkten Kampf Mann gegen Mann. Dem kommt das neue Skicross entgegen, das erstmals in Vancouver olympisch sein wird.
Kasper: Diese neue Disziplin haben wir dem attraktiven Snowboard-Cross abgeschaut. Ich nenne es „Ben-Hur-Kampf“, angelehnt an die antiken Wagenrennen. Es ist die Konzession an die neue Generation. Und warum sollte der Abfahrts-Olympiasieger von Vancouver nicht zum Abschluss sein Glück im Skicross versuchen? Hermann Maier oder Michael Walchhofer im „Ben-Hur-Kampf“, das wär prima.

NEWS: Europäische Kernländer wollen mehr Dezemberrennen, um den Tourismus anzukurbeln. Die US-Rennen vor leeren Tribünen sind kontraproduktiv. Noch dazu werden sie von europäischen Sponsoren finanziert. Der ÖSV akzeptiert das Weltcupprogramm 2009/2010 nicht.
Kasper: Ich weiß, dass ÖSV-Präsident Schröcksnadel darauf drängt, früher in Amerika zu beginnen und schon Anfang Dezember in Europa zu fahren. Das wäre tatsächlich ideal, auch für die Industrie; aber wer garantiert uns, dass es im November in Übersee Schnee gibt? Außerdem sind die Sponsoren mit den USA-Terminen zufrieden, weil die Rennen um 18 Uhr europäischer Zeit gute Einschaltquoten haben.

NEWS: Die Städterennen in Moskau und Zagreb haben Zehntausende angelockt. Ein Fingerzeig für die Zukunft?
Kasper: Ich könnte mir vorstellen, dass Wien einen VIP-Prolog knapp vor Kitzbühel veranstaltet. Warum nicht?

NEWS: Wohl deshalb nicht, weil Österreich als Publikumsmagnet Nr. 1 echte Weltcuprennen will. Nicht Juxbewerbe.
Kasper: Die Wünsche sind schwer erfüllbar. Unsere Aufgabe ist es, den Skisport auf neue Länder auszudehnen. Heuer ist schon Bulgarien an der Reihe, Russland steht bereit, auch Tschechien, die Slowakei, Kasachstan. Der Osten wartet. Auf unserer Kalenderkonferenz geht es schon zu wie auf einem arabischen Basar.

NEWS: Im Fall Matthias Lanzinger vermissten wir in Ihrer ersten Reaktion Worte des Bedauerns.
Kasper: Sehr wohl habe ich mein Bedauern ausgesprochen. Das betreffende TV-Interview hat drei Minuten gedauert, gesendet wurden zehn Sekunden.

NEWS: Lanzingers Klage gegen die FIS beläuft sich auf mehrere 100.000 Euro. Nach dem Todessturz Ulli Maiers vor 15 Jahren hat die FIS 600.000 Franken als Vergleich gezahlt.
Kasper: Das Gutachten im Fall Lanzinger bezieht sich auf die Operationsmethoden in Oslo. Dafür war die FIS nicht verantwortlich. Im Fall Maier hat man unserem Verband mitschuld an einem schlecht abgesicherten Zeitnehmungspfosten angelastet. Wissen Sie, die FIS-Funktionäre stehen schon oft mit einem Bein im Gefängnis. Zur absoluten Sicherheit müssten Abfahrtsrennen verboten werden, oder man schützt die gesamte Strecke von Start bis Ziel mit Netzen.

NEWS: Alpindirektor Pum droht: Wir starten bei keinem Rennen ohne Hubschrauber …
Kasper: Die Österreicher glauben fest an die fliegende Klinik. Das ist wieder ein unlösbares Problem in den Naturschutzgebieten der USA und Kanadas. Man ist nicht bereit, unseretwegen Gesetze zu ändern.

NEWS: Zum Abschluss eine Frage zum Dauerkonflikt der FIS mit dem ÖSV: Können Sie mit Peter Schröcksnadel nicht?
Kasper: Irrtum! Wir haben nur in Sachfragen unterschiedliche Auffassungen. Wir könnten zusammen Pferde stehlen, wären da nicht die Medien …

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