Belgien von

Vom Kampfpiloten zum König

Kronprinz Philippe wird sich den Respekt seiner Untertanen erst erarbeiten müssen

  • Kronprinz Philippe von Belgien
    Bild 1 von 10 © Bild: APA/EPA/Olivier Hoslet

    Kronprinz Philippe von Belgien ist zum König aufgestiegen.

  • Albert und Philippe von Belgien
    Bild 2 von 10 © Bild: APA/EPA/Eric Lalmand

    Philippe folgte auf seinen Vater Albert, der seinen Rücktritt bekannt gegeben hat.

Der künftige König der Belgier, der 53 Jahre alte Prinz Philippe, wird sich auf dem Thron erst den Respekt erarbeiten müssen, den sein Vater genießt. Zwar hat Philippe die Rolle des enfant terrible seinem jüngeren Bruder Prinz Laurent überlassen. Doch ist er nicht so beliebt wie sein aus dem Amt scheidender Vater Albert II. Das könnte schon im kommenden Jahr eine schwere Hypothek sein, wenn die Monarchie im Wahlkampf neue politische Angriffe aus Flandern über sich ergehen lassen muss.

THEMEN:

Der vierfache Vater Philippe ist 1960 geboren, nur wenige Wochen, bevor Belgien die riesige Kongo-Kolonie in die Unabhängigkeit entließ, aus der das Land bis dahin viel von seinem Wohlstand gezogen hatte. Heute ist Brüssel vor allem als EU-Hauptstadt und damit Veranstaltungsort zahlreicher Gipfel der Staats- und Regierungschefs in den Nachrichten. Bei diesen wird Belgien zwar von Ministerpräsident Elio Di Rupo vertreten. Aber für die innere Einheit des Landes spielt der König symbolisch eine ebenso große Rolle.

Flamen vs. Frankophone

Vor allem muss er über dem traditionellen Streit zwischen flämischen und französischsprachigen Belgiern stehen und in Krisen vermitteln. Flamen und Frankophone bekriegen sich politisch immer wieder, etwa über Finanztransfers oder die Kompetenzen der Gliedstaaten. Es ist offen, wie gut Philippe diese Aufgabe meistern wird.

Bisher hat er seine Meriten vor allem beim Militär erworben, eine typische Laufbahn für einen Thronfolger. Philippe wurde als Kampfpilot ausgebildet, als Fallschirmspringer und Kommandosoldat. Besucht hat er auch zwei der besten Universitäten der Welt, die englische Hochschule in Oxford und Stanford in den USA. Trotzdem wirkte er in der Öffentlichkeit lange in sich gekehrt und unbehaglich.

Philippe hätte schon 1993 König werden können

Als 1993 sein Onkel König Baudouin starb, sahen einige schon damals Philippe auf dem Thron. Aber das politische Establishment findet ihn noch zu unreif. Stattdessen tritt sein Vater als Albert II. das Amt an. In dessen zwanzig Jahren Regentschaft bereitet sich Philippe weiter vor. Er gewinnt dem Anschein nach an Selbstbewusstsein, lässt sich einen Bart wachsen und führt zahlreiche Reisen von belgischen Wirtschaftsdelegationen in der Welt an.

Doch sein diplomatisches Geschick lässt noch immer zu wünschen übrig - so sehen es zumindest die Flamen, die insgesamt der Monarchie weniger zugetan sind. Ein Tabu scheint gebrochen, als Philippe die Neu-Flämische Allianz kritisiert, die für ein autonomes Flandern und damit das Ende des Königreiches eintritt. Damit breche er das Gebot der politischen Neutralität, wird ihm vorgeworfen. Gerade weil sein Vater Albert es vergleichsweise gut geschafft hat, die unterschiedlichen Parteien immer wieder an einen Tisch zu bringen, lastet auf ihm nun ein schweres Erbe.

Feuerprobe steht bald bevor

Die Feuerprobe könnte schon bald bevorstehen. Im kommenden Jahr wird in Belgien ein neues Parlament gewählt. Für den Wahlkampf wird mit einem Aufflammen der verbalen Angriffe aus Flandern auf Belgiens politisches System gerechnet. Dann stünde Philippe gewollt oder ungewollt immer mit in der Kritik. Der neue König muss ganze Arbeit leisten, wenn er einst eine Premiere feiern will. Mit Prinzessin Mathilde hat er vier Kinder, das Älteste ist die 2001 geborene Elisabeth - sie wäre der Thronfolge nach dereinst die erste Königin der Belgier.

Kommentare