Belgien von

Albert, der "Übergangskönig"

Er regierte schließlich doch 20 Jahre lang und einte ein tief gespaltenes Land

Die belgischen Royals © Bild: APA/EPA/Eric Lalmand

Eigentlich war er gar nicht für den Thron bestimmt - doch das Schicksal wollte es anders. Albert II. ist seit fast 20 Jahren König der Belgier. Der Monarch einte das tief gespaltene Land. Nun geht seine Zeit auf dem Thron dem Ende entgegen.

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Herzkrank, mit neuem Hüftgelenk und gebeutelt von zahlreichen Skandalen und Skandälchen der jüngsten Zeit: Belgiens König Albert II. (79) galt schon länger als amtsmüde. Gerüchte über seine Abdankung kursieren seit längerem in Belgien, nun wird der König den Thron zugunsten seines Sohnes Philippe aufgeben. Es ist das erste Mal in der Geschichte Belgiens, dass ein Regent ganz aus freien Stücken abdankt. Dabei hätte er am 9. August sein Thronjubiläum gefeiert: Vor 20 Jahren hatte Albert II. als sechster König der Belgier den Eid auf die Verfassung des Landes abgelegt.

König eines zerrissenen Landes

In der konstitutionellen Monarchie des 21. Jahrhunderts hat der "König der Belgier", wie er in den drei Amtssprachen Niederländisch, Französisch und Deutsch genannt wird, vor allem repräsentative Aufgaben. Als Symbolfigur kommt dem König in dem zerrissenen Land aber eine viel größere Aufgabe zu, nämlich die Spaltung zu verhindern. Belgien driftet durch den Streit zwischen Niederländisch sprechenden Flamen und französischsprachigen Wallonen auseinander.

Als eine von Alberts größten Leistungen gilt seine Rolle in der Staatskrise nach den Wahlen 2010. Der Monarch, der in Karikaturen der Zeitung "Le Soir" gerne im Bademantel dargestellt wird, spielte dabei eine entscheidende politische Rolle. Er war ein steter Vermittler und erteilte den Politikern Aufträge zur Krisenbewältigung. Es dauerte eineinhalb Jahren - so lange wie bis dahin in keinem anderen Land der Welt - dann war eine neue Regierung gefunden. Damit verschaffte sich König Albert viel Respekt.

Doch zuletzt mehrten sich Affären um die royale Familie. Anfang dieses Jahres geriet die greise Ex-Königin Fabiola (85) in die Schlagzeilen. Wegen der Gründung einer Familienstiftung zugunsten angeblich bedürftiger Neffen wurde ihr vorgeworfen, Steuergelder zweckentfremdet zu haben.

König zum DNA-Test zitiert

Als Konsequenz musste das Königshaus kürzer treten. Die Parteien beschlossen Abstriche bei den Unterhaltszahlungen von rund 14,3 Millionen Euro, die die Königsfamilie jährlich bekommt. Und dann verklagte auch noch Alberts angeblich uneheliche Tochter Delphine Boel (45) den König auf einen DNA-Test.

Anders als sein Bruder König Baudouin galt Albert immer als lockerer Typ. Flotte Motorräder, Autos und die Frauen hatten es ihm angetan, was ihm den Spitznamen "Prinz Leichtfuß" eintrug. Für den Thron bestimmt war Albert II. eigentlich nicht. Aber als sein kinderloser Bruder König Baudouin 1993 plötzlich an Herzversagen starb, musste er einspringen. Am Anfang hatte Albert es schwer, aus dem Schatten des beliebten Bruders zu treten, er galt als "Übergangskönig".

Ehekrise freimütig gestanden und gemeistert

Das Volk mag den lebensnahen Monarchen, gerade weil ihm nichts Menschliches fremd ist. Seine Ehekrise sprach Albert II. 1999 freimütig in seiner traditionellen Neujahrsrede an. Und er ermutigte alle Ehepaare, aus Fehlern zu lernen - so wie er es getan habe. Die Belgier werteten dies als stillschweigendes Eingeständnis der Affäre mit einer Adeligen. Aus dieser Liaison soll seine uneheliche Tochter Delphine stammen.

Der Monarch gilt als jovial und humorvoll. Auch Alberts Frau, die süditalienische Prinzessin Paola Ruffo di Calabria, wirkt stets lebenslustig. Sie geriet in den wilden 60er Jahren durch eine enge Beziehung zum Schlagersänger Salvatore Adamo ("Dolce Paola") in die Schlagzeilen. Inzwischen ist sie als Landesmutter aber anerkannt. Das Paar bekam drei Kinder: Philippe (1960), Astrid (1962) und Laurent (1963).

Kronprinz gilt als schüchtern

Kronprinz Philippe wird nun neuer König Belgiens werden. Wie bei seinem Vater gibt es Zweifel, ob der 53-Jährige ein würdiger Nachfolger sein kann. In der Öffentlichkeit erscheint Philippe oft steifer als sein Vater. In der Online-Ausgabe der Zeitung "Le Soir" hieß es, Philippe sei chronisch schüchtern und abhängig von seinen Beratern. Das Blatt "La Libre" schrieb hingegen, Philippe habe wohl an Selbstbewusstsein gewonnen. Der Prinz sei als Vater von vier Kindern ein liebevoller Familienmensch.

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