Nordirland von

Weiter kein Frieden in Belfast

Auch in der fünften Nacht in Folge Eskalationen zwischen Demonstranten und Polizei

Unruhen in Belfast. © Bild: REUTERS/Cathal McNaughton

Auch in der fünften Nacht in Folge haben sich Polizei und Demonstranten in der nordirischen Hauptstadt Belfast gewaltsame Auseinandersetzungen geliefert. Die Polizei sei am Montagabend mit Ziegeln, Brandsätzen, Farbbomben und Feuerwerkskörpern attackiert worden, berichteten britische Medien. Sie setzte daraufhin Wasserwerfer und Gummigeschoße gegen die aufgebrachten Demonstranten ein.

Rund tausend Menschen protestierten zunächst friedlich vor dem Rathaus, während der Stadtrat erstmals wieder seit seinem umstrittenen Flaggen-Beschluss tagte. Zu den neuerlichen Ausschreitungen kam es, als rund 250 pro-britische Protestanten auf dem Rückweg vom Rathaus auf katholischen Republikaner stießen. Die Polizei versuchte, beide Gruppen auseinanderzuhalten. Auf die Beamten auf der Newtownards Road hagelte es Steine und Brandsätze.

Die pro-britischen Demonstranten hätten eine Barrikade errichtet und angezündet. Es habe vier Festnahmen gegeben. Gegen 22.00 Uhr Ortszeit sei wieder Ruhe eingekehrt, berichtete die Nachrichtenagentur PA.

Streit um britische Flagge

Die Proteste im zu Großbritannien gehörenden Nordteil der irischen Insel richten sich gegen eine Entscheidung des von pro-irischen Politikern dominierten Stadtrats von Belfast vom 3. Dezember, die britische Flagge nicht mehr jeden Tag auf öffentlichen Gebäuden wie dem Rathaus wehen zu lassen, sondern nur noch an wenigen Tagen im Jahr. Dagegen wehren sich pro-britische Protestanten, die eine Loslösung von Großbritannien befürchten und darin ein zu großes Zugeständnis an die nach einem vereinten Irland strebenden katholischen Republikaner sehen. Die ständige britische Flagge auf dem Rathaus ist eine 100 Jahre alten Tradition.

Kein Ansprechpartner, keine Forderungen

Beratungen von Politikern und Kirchenvertretern darüber, wie die Gewalt gestoppt werden könnte, waren bisher erfolglos. Robin Newton von der protestantischen Democratic Unionist Party (DUP) rief zu Besonnenheit auf. "Wir müssen einen Weg finden, um da herauszukommen, aber wie wir das machen, weiß ich nicht", sagte er und verwies darauf, dass von den Demonstranten keine klaren Forderungen erhoben würden. Michael Copeland von der ebenfalls protestantischen Ulster Unionist Party (UUP) sagte, es gebe unter den Demonstranten keinen Ansprechpartner.

Tägliche Ausschreitungen

Polizeichef Matt Baggott warf der paramilitärischen Ulster Volunteer Force vor, die Gewalt zu steuern. Bereits seit Donnerstag hatte es in den Nächten in Belfast Ausschreitungen mit teils mehreren hundert Demonstranten gegeben. Nach Angaben der Polizei wurden bisher mehr als 50 Beamte verletzt, zudem gab es 70 Festnahmen. Einige Beamte berichteten, sie seien von Demonstranten unter Beschuss genommen worden. Ein 38-jähriger Mann wurde darum wegen des Verdachts auf versuchten Mord festgenommen.

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