Belastung durch Stress am Arbeitsplatz: Immer mehr Krankenstände in Österreich!

Fast ein Drittel aufgrund psychischer Erkrankungen Stress zweithäufigstes Problem nach Rückenschmerzen

Die Belastung der Österreicher durch Stress am Arbeitsplatz steigt. Rund zwei Millionen Krankenstandstage pro Jahr werden durch seelische Beschwerden verursacht. In Europa entfallen bereits 31 Prozent der berufsbedingten Krankenstandstage auf psychische Erkrankungen, nur mehr 29 Prozent sind Folge körperlicher Beschwerden. "Zeit- und Leistungsdruck nehmen stark zu - die zu bewältigenden Aufgaben werden mehr, freundliche und wertschätzende Umgangsformen nehmen ab", sagt die Psychotherapeutin Rotraud Perner.

Auch bei den Arbeitsunfällen hat sich das Verhältnis umgekehrt: Nur noch 44 Prozent aller gemeldeten Arbeitsunfälle sind durch körperliche Belastungen verursacht. Bereits 63 Prozent der Arbeitsunfälle haben nach Angaben des von Perner geleiteten Instituts für Stressprophylaxe und Salutogenesse (ISS) psychische Belastungen als Ursache. In der EU ist Stress am Arbeitsplatz demnach das zweithäufigste arbeitsbedingte Gesundheitsproblem nach Rückenschmerzen.

"Diese Fakten spiegeln sich allerdings nicht ausreichend im öffentlichen Bewusstsein wider", kritisiert Perner. Die Hauptsorge der Österreicher mit psychischen Leiden bestehe darin, als "irr" oder "nicht belastbar" zu gelten. Vor Stress und seinen psychischen Folgen könne man sich aber schützen, betont Perner: "Ob eine psychische Erkrankung entsteht, hat auch viel mit der Fähigkeit zu tun, Probleme und Krisen konstruktiv zu bewältigen."

Ein erster Ansatz sei dabei die Selbsterforschung, sagt die Psychotherapeutin: "Betroffene müssen überhaupt erst merken, in welchem Verhaltensmuster sie stehen." Freiheit von krankmachender Ausbeutung anderer beginne, "wenn man seine Wünsche und Befürchtungen, Empfindungen und Bewertungen mitzuteilen weiß ohne andere als Energie-Spender zu missbrauchen oder sich selbst missbrauchen zu lassen", rät Perner. (apa/red)