Bekannte sprechen über Entführungsopfer:
"Kämpfer" mit großem Gerechtigkeitssinn

Großmutter Nussbaumers: "Ein harter Knochen" Bürgermeister: Gemeinde unterstützt die Familie

Bekannte sprechen über Entführungsopfer:
"Kämpfer" mit großem Gerechtigkeitssinn

Bert Nussbaumer hatte immer schon den Plan, ins Ausland - in ein Krisengebiet - zu gehen. Dies erzählte Roland Derflinger, Fußballkollege und langjähriger Bekannter des im Irak vermissten Oberösterreichers, der APA in Gmunden. "Er hat sich irgendwie dazu berufen gefühlt. Es hat ihn immer gereizt, so etwas auszuprobieren."

Im Ausland wollte er das beim Bundesheer Gelernte umsetzen und andere Kulturen kennen lernen, meinte Derflinger von den "Hobbykickern Reindlmühl". "So wie er mir bekannt ist, war er schon immer ein Mensch mit großem Gerechtigkeitssinn." Auf der anderen Seite sei er sicher auch ein Abenteurer. "Sonst macht man so etwas nicht."

Bereits im Juli sei Nussbaumer auf eigene Faust in den Irak gefahren, habe dort aber keinen Job bekommen, erinnert sich der Bekannte. Vor zwei Monaten klappte es dann schließlich und er erhielt die Stelle bei einer Sicherheitsfirma. Das Risiko sei ihm sehr wohl bewusst gewesen, betonte Derflinger. Viele Menschen hätten ihn darauf angesprochen.

Als sehr interessierten und aufgeweckten Schüler beschreibt den 25-Jährigen Ex-Soldaten sein ehemaliger Geschichtslehrer. "Ein Kämpfer - er hat immer das Letzte gegeben zum Beispiel bei sportlichen Wettkämpfen", sagte der Pädagoge der APA. "Für ihn war das die Welt."

"Es hat ihn einfach gereizt, Gefahren zu meistern", erinnert sich der Lehrer. Dabei verlangte Nussbaumer immer mehr von sich selbst und suchte neue Herausforderungen. "Das war ihm schon als Schüler ein großes Anliegen." Auch die Arbeit als Sicherheitsbeamter habe daher zu ihm gepasst.

Er sei sehr beliebt gewesen in der ganzen Klasse und im ganzen Ort. "Ein netter, offener Bursche", so der Pädagoge. "In der Gemeinschaft war Bert immer ein geselliger Mensch", erzählte Derflinger. Er sei aber auch nicht jemand, der "auf den Putz haut" oder andere übertrumpfen muss. "Es hat ihn eher wenig aus der Ruhe gebracht."

Hoffnung, dass Bert Nussbaumer noch lebt, gibt es in seinem Bekanntenkreis auf jeden Fall. "Nach der ersten Meldung hat es schon sehr schlecht ausgesehen", meinte Derflinger. Aber eigentlich sei noch keine der Meldungen bestätigt. Verärgert sei er vor allem über Medienberichte, die bereits wie ein Nachruf wirken. "So, als ob alles schon bare Münze wäre."

Großmutter: "Ein harter Knochen"
Die Großmutter Nussbaumers beschreibt ihn als "harten Knochen": "Er ist ein wenig ein Abenteurer", erzählte sie in einem Telefonat mit der APA. Sie habe ihren Enkel vor über einer Woche das letzte Mal gesehen. "Jetzt bangen alle um ihn", sagte die Frau. Sie sei schon bei ihrer Tochter gewesen, die sich auch große Sorgen mache.

Der Bürgermeister der betroffenen Gemeinde Altmünster (Bezirk Gmunden), Hannes Schobesberger (V), bezeichnete die Familie im ORF-Radio Oberösterreich als "sehr tapfer". Die Situation sei klarerweise sehr belastend. "Wir unterstützen, indem wir uns mit der Familie kurzschließen, dort den Kontakt wahren und ebenso versuchen, über die Behörden, über die verschiedenen Ministerien, die sehr gut arbeiten und in ständigem Kontakt mit der Familie sind, hier möglichst rasch zu Informationen zu kommen", sagte er. Man könne und sollte hoffen, dass sich alles zum Besten wende und es dann einen Grund zu feiern gebe.

(apa/red)