Versicherungsrecht von

Beitragsfrei versichert

Dr. Maria In der Maur-Koenne © Bild: NEWS

Meine Mutter wurde vor Kurzem zum Pflegefall. Sie hat eine 24-Stunden-Pflegekraft. Da ich nur Teilzeit arbeite, kümmere ich mich zusätzlich sehr viel um sie. Jetzt hat mich eine Freundin darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich in einer ähnlichen Situation in der Pensionsversicherung selbst versichert hat und dafür keine Beiträge zahlen muss. Kann das stimmen? Welche Voraussetzungen gibt es?
Ilse F., Kärnten

Liebe Frau F.,
Ihre Freundin hat recht! § 18b Allgemeines Sozialversicherungsgesetz (ASVG) ermöglicht eine Selbstversicherung in der Pensionsversicherung für Zeiten der Pflege naher Angehöriger - und auf diesem Weg den Erwerb von Pensionsversicherungszeiten, deren Beiträge zur Gänze der Bund trägt.

Voraussetzung ist die Pflege eines nahen Angehörigen - wobei die Pflege Ihrer Mutter selbstverständlich darunter fällt - und dass Sie Ihren Wohnsitz im Inland haben. Darüber hinaus muss Ihre Mutter Anspruch auf Pflegegeld zumindest der Stufe 3 haben.

Sie müssen die Pflegeleistungen auch nicht alleine erbringen, jedoch kann nur eine Person je Pflegefall die Selbstversicherung in Anspruch nehmen. Auch die Inanspruchnahme einer 24-Stunden-Pflegekraft stellt kein Hindernis dar, wenn Sie besondere Gründe vorbringen können, die dennoch dafür sprechen, dass auch Ihre Arbeitskraft erheblich beansprucht ist.

Die Pflege muss in häuslicher Umgebung erbracht werden, also nicht in einem Pflegeheim. Ein gemeinsamer Haushalt mit Ihrer Mutter ist aber nicht Voraussetzung. Auch ein zeitweiser stationärer Pflegeaufenthalt Ihrer Mutter in einem Krankenhaus oder einem Rehabilitationszentrum wäre kein Hindernis.

Die Pflege Ihrer Mutter muss Ihre Arbeitskraft primär zeitlich erheblich in Anspruch nehmen. Ein durchschnittlicher Pflegeaufwand von mehr als 14 Stunden wöchentlich oder 60 Stunden monatlich stellt eine erhebliche Beanspruchung Ihrer Arbeitskraft dar, wobei nur tatsächlich notwendige Leistungen der Betreuung und Hilfe als Pflegeaufwand gelten.

Die Berechtigung zur Selbstversicherung kann auch zusätzlich zu einer Erwerbstätigkeit in Anspruch genommen werden. Eine bisherige Arbeitszeit muss nicht zwingend reduziert werden. Wenn Sie daher neben Ihrer Teilzeitbeschäftigung noch mindestens 14 Stunden wöchentlich für die Pflege Ihrer Mutter aufwenden (können), müssen Sie Ihre Arbeitszeit nicht reduzieren.

Die Selbstversicherung gebührt Ihnen nur auf ausdrücklichen Antrag und solange die Voraussetzungen erfüllt sind. Die Beiträge zur Selbstversicherung werden zur Gänze aus Mitteln des Bundes getragen, die Beitragsgrundlage beträgt im Jahr 2017 1.776,70 Euro.

Haben Sie eine Frage? Schreiben Sie mir bitte: siehabenrecht@news.at