Beim Fliegen in der Luft Gefühle aufsaugen:
Skifliegen am Kulm nächste Herausforderung

Schlierenzauers Tournee-Enttäuschung hielt nur kurz Kofler nimmt die Herausforderung des Skifliegens an

Beim Fliegen in der Luft Gefühle aufsaugen:
Skifliegen am Kulm nächste Herausforderung © Bild: Reuters/Bader

Unmittelbar nach der Vierschanzen-Tournee werden die Karten auf der Skiflug-Schanze auf dem Kulm bei Bad Mitterndorf/Tauplitz neu gemischt. Tournee-Gesamtsieger Andreas Kofler, der das Skifliegen bisher als "zweischneidiges Schwert" erlebt hat, nimmt die Herausforderung der riesigen Naturschanze an, Gregor Schlierenzauer, einer der Enttäuschten des ersten Saison-Höhepunkts, möchte in seinem "Wohnzimmer", wo er im Vorjahr zwei Siege gefeiert und Schanzenrekord fixiert hat, auch die Entwicklung in Richtung Olympia vorantreiben.

Kofler hat am Mittwochabend mit seinen Kollegen im Teamhotel in St. Johann/Alpendorf gefeiert - nur Wolfgang Loitzl war schon heim zu seiner Familie gefahren - so richtig realisiert hatte er den Erfolg aber auch einen Tag später nach dem Hubschrauberflug zum Kulm noch nicht. "Aber es war ein Super-Gefühl, an das könnte man sich gewöhnen", sagte der Tiroler. Er freut sich auf das Skifliegen, obwohl er da noch keine Top-Resultate erreicht hat. "Ich habe jetzt ein lässiges Flugsystem und möchte schauen, was das auf der Flugschanze wert ist."

Skiflug-Weltmeister Schlierenzauer hat nach seinem erfolgreichen Flug-Debüt bei der WM in Oberstdorf 2008 sechs von acht Weltcup-Skifliegen gewonnen, in denen er angetreten ist. Gelingt am Kulm ein weiterer Erfolg, wäre er vor Matti Nykänen (FIN) und Adam Malysz (POL/je 6) alleiniger Rekordmann. Natürlich möchte der Tiroler, der am Donnerstag 20 Jahre jung wurde, vor heimischer Kulisse auf dem Podest ganz oben stehen. "Aber wichtig ist nicht nur, dass der Einser aufscheint, sondern dass ich einen Schritt Richtung Olympia mache", erklärte der Gewinner von 28 Weltcup-Bewerben.

Gefühle aufsaugen
Prädestiniert für das Skifliegen, möchte Schlierenzauer Emotionen erleben und diese auch bei den Fans auslösen. "Wenn man sehr gut in Form ist, kann man in der Luft Gefühle aufsaugen. Voriges Jahr hat es mir während des Flugs eine Gänsehaut aufgezogen, als ich die Stimmung miterlebt habe."

Die Enttäuschung von Bischofshofen hatte sich bei Schlierenzauer, der nach dem Sieg griff, aber aus den Top 3 fiel, bald gelegt. "Dieser Wettkampf war eine brutale Herausforderung, ich habe alles riskiert, aber es ist nicht alles aufgegangen", erklärte er.

Sein Kulm-Rekord von 215,5 Meter aus dem Vorjahr sollte nicht in Gefahr sein, Schlierenzauer möchte selbst nicht mehr in diesem Bereich landen müssen. "Ich hoffe auf die Jury, dass sie den Anlauf vorsichtig bemisst", erklärte der Stubaitaler. "Bis 210 Meter kann man den Sprung gut durchziehen und schön landen. Bei 215 Meter kann es auch danebengehen und das wäre gerade in dieser Saison nicht gut."

"Einer meiner emotionalsten Siege"
Auch Thomas Morgenstern hat gute Erinnerungen an den Kulm. "Ich habe hier bei der Skiflug-WM vor vier Jahren meine erste Einzel-Medaille geholt", sagte der Kärntner, der aus seinem Erfolg in Bischofshofen sehr viel positive Energie schöpfte. "Das war einer meiner emotionalsten Siege", betonte der Doppel-Olympiasieger von Turin. Der Serien-Gewinner der Saison 2007/08 will sich aber vor dem Kulm-Wochenende nicht auf Resultate festlegen. "Ich darf mich nicht verleiten lassen, an Ergebnisse zu denken, sondern muss an der Qualität der Sprünge arbeiten", erklärte Morgenstern. "In Bischofshofen ist der Sieg passiert, ich möchte es weiter passieren lassen."

Cheftrainer Alexander Pointner sieht auch im Spezialisten Martin Koch einen Sieganwärter. Der Kärntner wartet nach einem Dutzend Podestplätzen auf seinen ersten Weltcupsieg. "Das Selbstvertrauen ist wieder da, mal schauen, ob es an diesem Wochenende klappt", meinte der Kärntner. Wolfgang Loitzl, der Tourneesieger der vergangenen Saison, ist Lokalmatador, aber kein geborener Flieger. Der Mitterndorfer zählt sich selbst nicht zu den Favoriten. "Aber es kann auch beim Fliegen etwas Vernünftiges herausschauen. Es wäre eine schöne Sache, den siebenten Rang vom Vorjahr zu toppen."

(apa/red)