Beigelegter Streit mit SPÖ spaltet die FSG:
Beck tritt wegen "Entmachtung" zurück!

Will "Schwächung" der Gewerkschaft nicht mittragen ÖGB-Bos Hundstorfer bezeichnet Konflikt als Ehekrise

Der Streit mit der SPÖ spaltet die sozialdemokratischen Gewerkschafter. SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer hat das Ringen mit den eigenen Gewerkschaftern für sich entschieden. Die FSG unterwarf sich in einer gemeinsamen Erklärung mit der Partei den Wünschen des Parteivorsitzenden, entsendet keine Spitzenfunktionäre mehr in den Nationalrat und wird die SPÖ im Wahlkampf "mit voller Kraft" unterstützen. FSG-Chef Wilhelm Beck hatte nach Beschluss des Papiers genug und legte sein Amt zurück, sein Nachfolger wird der Eisenbahner-Vorsitzende Wilhelm Haberzettl.

ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer hat den Konflikt zwischen SPÖ und Gewerkschaftsbund als eine Art Ehekrise bezeichnet, aber "die Arbeiterbewegung bleibt eine Gesamtheit". Im Moment sei "nur das Eheverhältnis ein bisserl belastet".

Eineinhalb Wochen hatte der Streit zwischen Partei und Gewerkschaft gedauert, angefangen mit der Gusenbauer-Forderung, dass sich ÖGB-Präsident und Vorsitzende der Teilgewerkschaften nicht mehr auf den Wahllisten der SPÖ aufhalten mögen. Die FSG wehrte sich dagegen, stellte namens Beck sogar einen Wahlkampf-Boykott in den Raum, Gusenbauer antwortete mit der Drohung, dass selbst in einer SPÖ-geführten Regierung der Sozialminister künftig nicht mehr aus der Gewerkschaft kommen müsse.

Über das Wochenende hatten sich die Gemüter dann offenbar doch bei den meisten abgekühlt. Ein Kompromiss-Papier wurde erarbeitet, das freilich nur eine Bestätigung der Gusenbauer-Wünsche darstellt. Beck und seinen Präsidiumskollegen, ÖGB-Vize Johann Driemer, sowie Beamten-Vertreter Richard Holzer reichte das nicht. Sie stimmten in dem Gremium Montag Abend gegen die Annahme, die übrigen acht Mitglieder dafür. Beck, der ohnehin nur interimistisch bis Jänner bestellt war, nahm daraufhin den Hut: Er sei nicht bereit, die Entmachtung der Sozialdemokratischen GewerkschafterInnen mitzutragen.

Designiert für den Vorsitz wurde nun Eisenbahner-Chef Haberzettl. Außer ihm wäre auch kaum noch jemand in Frage gekommen, muss ein interimistischer Vorsitzender doch aus dem Kreis der Stellvertreter kommen. Holzer fiel erstens weg, weil er den gleichen Kurs wie Beck eingeschlagen hatte, und zweitens, weil er Beamter ist. Tourismus-Chef Rudolf Kaske wiederum hat sich aus der Funktion von der Öffentlichkeit unbemerkt schon vor einigen Wochen zurückgezogen - und die Metaller-Frauenchefin Erika Nussgraber-Schnabl galt nicht als ambitioniert.

Ob Haberzettl im Jänner als ordentlicher Vorsitzender der FSG kandidiert, steht derzeit in den Sternen. Sein Umfeld erklärt dazu, der Eisenbahner-Chef habe keine entsprechenden Pläne. Schon früher hatte er betont, sich voll auf den Zusammenschluss seiner Gewerkschaft mit jener für Tourismus und jener für Handel-Transport-Verkehr konzentrieren zu wollen. Ein erstes Statement des künftigen FSG-Chefs soll es erst am Donnerstagnachmittag geben, nachdem er vom Vorstand der sozialdemokratischen Gewerkschafter mit der Aufgabe dann auch offiziell betraut worden ist.

Der Auslöser der ganzen Querelen, SPÖ-Chef Gusenbauer, übte sich nach dem Beck-Abtritt in Zurückhaltung. Dies sei eine persönliche Entscheidung, die zu respektieren sei. Und mit der Gewerkschaft seien jetzt alle Missverständnisse ausgeräumt. Dies bestätigte einige Stunden später eine gemeinsame Aussendung von SP-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures und FSG-Bundessekretärin Roswitha Bachner: "SPÖ und FSG werden ihre gesamten Kräfte wieder auf das gemeinsame Ziel, den politischen Kurswechsel im Land, konzentrieren."
(apa/red)