Beide Piloten krank: Erstes Gutachten zu tödlichem Flugunfall in Zell gibt Rätsel auf

Handlungsunfähigkeit durch "körperliche Defekte" Voice-Recorder soll Licht in Unfallhergang bringen

Beide Piloten krank: Erstes Gutachten zu tödlichem Flugunfall in Zell gibt Rätsel auf

Nach dem Flugzeugzusammenstoß in Zell am See, bei dem am 5. März acht Menschen ums Leben gekommen sind, wurde die Staatsanwaltschaft Salzburg über ein erstes Untersuchungsergebnis der Gerichtsmedizin informiert. Demnach litten die beiden Piloten an einem "körperlichen Defekt", der möglicherweise zu einer Handlungsunfähigkeit geführt habe, erläuterte Staatsanwältin Barbara Feichtinger.

Eine Beeinträchtigung durch Medikamenteneinnahme oder Alkohol sei aber nicht festgestellt worden, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Dieser "Defekt" sei medizinisch noch nicht nachweisbar. Es werde in dieser Hinsicht noch weiter ermittelt.

Auch ein erstes Gutachten des Gerichtssachverständigen Christian Ortner lag vor. Dieser geht davon aus, dass sich die beiden Piloten vor dem Crash aus den Augen verloren haben. Auf jeden Fall hätten sie voneinander gewusst.

Der Pilot des Lastenhubschraubers habe gegenüber der Betriebsleiterin des Flugplatzes Zell am See bestätigt, dass er das Leichtflugzeug sehe. Danach dürfte er das Fluggerät, das in Zell am See gestartet war, aus den Augen verloren haben, gemeldet habe dies der Helikopter-Pilot aber nicht mehr. Der Pilot des Flugzeuges wiederum dürfte nicht bemerkt haben, dass sich der Hubschrauber schon in der Nähe befinde.

Voice-Recorder soll neue Erkenntnisse liefern
Nach Paragraf 19 der Luftfahrtregel obliege dem "Luftfahrzeugführer", der sich oberhalb des anderen Fluggerätes befinde, eine besondere Sorgfaltspflicht. Und das sei in diesem Fall der Helikopterpilot gewesen, weil ja das Sportflugzeug nach dem Start noch im Steigflug war, so Feichtinger. Die Auswertung des Cockpit-Voice-Recorders aus dem Hubschrauber liegt noch nicht vor.

Ein Leichtflugzeug vom Typ Katana DV20 aus Osttirol und ein Lastenhubschrauber der Marke Super Puma der Schweizer Firma Helog waren am 5. März kurz vor 11.00 Uhr oberhalb der Schoberalm auf der Schmittenhöhe in einer Seehöhe von rund 1.200 Metern zusammengeprallt.

Der Pilot des Sportfliegers, ein Osttiroler, sowie alle sieben Insassen des Hubschraubers - fünf Schweizer, ein Deutscher und ein Franzose - wurden getötet. Der Hubschrauber war beim Zusammenstoß in Flammen aufgegangen, die Wrackteile wurden auf einem Areal von etwa 20 Hektar verstreut.

(apa/red)