Bei Portugiesen brennt der Hut lichterloh:
Ronaldo am Pranger und Rücktritt von Deco

Ronaldo kritisierte nach Ausscheiden Coach Queiroz Spielmacher Deco war auf die Bank verbannt worden

Bei Portugiesen brennt der Hut lichterloh:
Ronaldo am Pranger und Rücktritt von Deco © Bild: Reuters/Herman

Die Lust auf das Rampenlicht war der launischen Diva gründlich vergangen. In aller Eile suchte Cristiano Ronaldo beim Abschied von der großen WM-Bühne das Weite. Wortlos bahnte er sich den Weg in die Kabine - vorbei an allen Mikrofonen. Nicht nur das 0:1 von Portugal im Achtelfinale gegen Spanien, sondern auch der Liebesentzug der Fans machten dem Weltfußballer des Jahres 2008 mächtig zu schaffen. Dass ihn ein Kameramann bis zum Spielfeldrand begleitete, um seine Leidensmiene einzufangen, empfand er als störend: Verärgert spuckte er auf den Rasen.

Erst beim Besteigen des Mannschaftsbusses rund eine Stunde später verschaffte er seinem Frust auch verbal Luft. Selbstkritik kam dem teuersten Fußball-Profi der Welt zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht über die Lippen. Die Schuld am WM-Aus gab er einzig und allein dem Trainer: "Warum wir ausgeschieden sind? Fragen Sie Carlos Queiroz!", klagte er im Vorbeigehen.

Die Hoffnung des Superstars von Real Madrid auf einen umjubelten Schlussakkord zum Ende einer für ihn bis dahin titellosen Saison erwies sich als Wunschdenken. Kurz vor dem Abpfiff der Partie musste er gar die Pfiffe vieler Fans ertragen. Der Spaß an der Sache war ihm da ohnehin längst vergangen: Kopfschüttelnd quittierte er fast jeden verlorenen Zweikampf und scheiterte beim Versuch, den Schiedsrichter mit "Schwalben" in die Irre zu führen.

Erst als der erste Ärger verraucht war, schlug Cristiano Ronaldo versöhnlichere Töne an. In einer von seinem Management noch in der Nacht verbreiteten Mitteilung relativierte er seine Kritik an der Arbeit von Queiroz: "Man soll keine Geister heraufbeschwören, wo keine sind. Ich fühle mich am Boden zerstört, total verzweifelt, frustriert und unvorstellbar traurig." Immerhin räumte er nun eine Mitschuld ein: "Ich übernehme als Kapitän auch meine Verantwortung."

Deco erklärt Rücktritt
Es passte ins Bild von fehlender Harmonie, dass auch der andere Star des Teams aus seinem Frust keinen Hehl machte. Nach 75 Länderspielen erklärte der auf die Bank verbannte Deco seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Zumindest zwischen den Zeilen konnte er sich Kritik an Queiroz nicht verkneifen. "Gutes Klima? Ja, unter den Spielern ja", kommentierte der Regisseur gereizt.

Die magere WM-Bilanz bestätigte alle Kritiker, die dem Sonderstatus von Cristiano Ronaldo in der portugiesischen Mannschaft schon länger wenig abgewinnen können. Zwar beendete der Angreifer beim 7:0 gegen Nordkorea im Gruppenspiel seine 16-monatige Torflaute im Team, blieb aber in jeder Partie - anders als in Madrid - weit unter seinen Möglichkeiten. Gleichwohl nahm ihn Queiroz in Schutz. Die Frage, ob es richtig gewesen sei, ausgerechnet Cristiano Ronaldo zum Kapitän zu ernennen, empfand der Nationalcoach als ungehörig. "Er ist unser Leader, unser Kapitän. Das ist eine Entscheidung des Trainers."

Der K.o. des WM-Vierten von 2006 verstärkte den öffentlichen Unmut. "Allein gegen die ganze Welt" kommentierte die Zeitung "Publico" am Mittwoch das mitunter wenig mannschaftsdienliche Auftreten des Alleinunterhalters. Doch zumindest Torhüter Eduardo ergriff Partei für den Kritisierten: "Diese Niederlage trifft uns sehr hart. Doch die Verantwortung tragen alle, nicht nur Ronaldo."

(APA/red)