Bei Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs:
Alle Daten zu "Gardasil" und "Cervarix"

Könnte die Todesfälle um siebzig Prozent senken Impfung für alle Mädchen vor erstem Sex empfohlen

Bei Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs:
Alle Daten zu "Gardasil" und "Cervarix"

Mit der vor kurzem möglich gewordenen Impfung gegen Human Papilloma-Viren (HPV) steht die erste echte Anti-Krebs-Immunisierung zur Verfügung. Zwei führende Pharma-Konzerne - Sanofi-Pasteur-MSD und GlaxoSmithKline - haben dafür Vakzine entwickelt. In Österreich starben im Jahr 1977 exakt 311 Frauen an einem Zervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs). Im Jahr 2004 waren es 164 Todesfälle. Davon könnten per Impfung zumindest 70 Prozent verhindert werden.

"Gardasil" (Sanofi-Pasteur-MSD)
Die Vakzine ist in Europa für Mädchen bzw. Frauen im Alter zwischen neun und 26 Jahren zugelassen. Sie kam Ende 2006 auf den Markt.

Die Vakzine ist ein Impfstoff, der gegen die häufigsten Zervixkarzinome auslösenden HPV-Stämme 16 und 18 wirkt. Darüber hinaus schützt sie auch gegen HPV 6 und 11, die lästige Genitalwarzen verursachen. In wissenschaftlichen Studien zeigte sich bereits ein praktisch 100-prozentiger Schutz gegen Vorstufen und bösartige Veränderungen in Richtung Gebärmutterhalskrebs durch HPV 16 und HPV 18. Für die Volkswirtschaft in Sachen Gesundheitskosten durchaus relevant ist aber auch die Vorbeugung gegen Genitalwarzen. Auch Vulvakarzinome werden verhindert.

Der Impfstoff besteht aus Antigenen - L1-Proteinen von HPV -, die in gentechnisch veränderten Hefezellen produziert werden. Die Proteine werden zu Partikeln formuliert, die echten HP-Viren für das Immunsystem täuschen ähnlich sind (virus-like-particles). Als verstärkendes Adjuvans ist in dem Impfstoff eine Aluminiumverbindung enthalten.

Die Vakzine wird in drei Teilimpfungen (Tag 0, nach zwei und nach sechs Monaten) intramuskulär per Injektion verabreicht.

"Cervarix" (GlaxoSmithKline)
Dieser HPV-Impfstoff wurde im Sommer 2007 zugelassen und kommt jetzt auf den Markt. Die Registrierung betrifft die Anwendung bei Frauen bis zum Alter von 55 Jahren.

Diese Vakzine zielt ausschließlich auf die Verhinderung von Gebärmutterhalskrebs ab. Sie ist nur gegen HPV 16 und HPV 18 wirksam. Das sind jene Papilloma-Viren, die in Sachen Zervixkarzinom am gefährlichsten sind. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass es nach der Immunisierung von Frauen zu praktisch 100 Prozent zu einer Immunantwort und zum Schutz gegen Vorstadien bzw. Karzinome kommt.

Der Impfstoff besteht aus L1-Proteinen der beiden Virus-Stämme. Diese Proteine werden in gentechnisch veränderten Zell-Linien (ursprünglich aus Insektenzellen/Motten abgeleitet) produziert, in die man das dafür notwendige genetische Material mit Baculo-Viren hinein bringt. Die L1-Proteine werden durch einen Trick zu virus-ähnlichen Partikeln geformt.

Um die Immunantwort besonders stark und lang anhaltend zu machen, enthält die Vakzine mit AS04 ein neues Adjuvans. Es besteht aus einem künstlich hergestellten modifizierten Bestandteil der Hülle von Bakterien und Aluminiumhydroxid.

Auch diese HPV-Impfung wird in drei Teilen intramuskulär per Injektion verabreicht (Tag 0, nach einem und nach sechs Monaten).

Vorsorgeuntersuchung weiterhin notwendig
International wird die HPV-Impfung für möglichst jedes Mädchens im Alter zwischen neun und 13 Jahren vor den ersten Sexualkontakten empfohlen (drei Teilimpfungen binnen sechs Monaten).

Immunisiert man "nur" die jüngste Altersgruppe, wird sich der Effekt bei der Verhinderung von Gebärmutterhalskrebs erst in etlichen Jahren einstellen, weil es so lange dauert, bis sich eventuell ein Karzinom oder eine Vorstufe dazu bildet. Deshalb kann die Impfung auch für erwachsene Frauen sinnvoll sein.

Jedoch: Auch wenn die Impfungen ein Erfolg werden, auf die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung beim Gynäkologen sollte keine Frau vergessen. Es geht ja auch um die Brustkrebs-Vorsorge.
(apa/red)