Beginn der türkischen Militäroffensive im
Irak? Erste Luftangriffe auf Dörfer geflogen

Fünf Ortschaften im Grenzgebiet wurden bombardiert Vier Soldaten wurden bei Gefecht mit PKK getötet

Beginn der türkischen Militäroffensive im
Irak? Erste Luftangriffe auf Dörfer geflogen

Vier türkische Soldaten sind im Grenzgebiet zum Irak bei einem neuen Gefecht mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK getötet worden. Acht weitere Soldaten wurden verletzt, meldete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi (AA). Über angebliche türkische Luftangriffe im Nordirak gab es dagegen widersprüchliche Informationen: Die nordirakische kurdische Regionalregierung dementierte Berichte aus kurdischen und türkischen Quellen, wonach die türkische Luftwaffe mehrere Angriffe auf Ziele im Nordirak geflogen sei und Dörfer beschossen habe.

Laut AA kam es zu den Gefechten in der Südosttürkei, als ein Suchtrupp der Armee auf dem Gabar-Gebirgszug in einen Schusswechsel verwickelt wurde, Auch Kämpfer der militanten PKK, die von der EU zur terroristischen Vereinigung erklärt wurde, seien bei den Zusammenstößen in den Gabar-Bergen in der Provinz Sirnak getötet worden, verlautete aus Sicherheitskreisen in Diyarbakir im Südosten der Türkei.

Türkei droht mit Militäroffensive
Die Türkei droht nach mehreren tödlichen Angriffen der von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuften PKK mit einer Militäroffensive gegen PKK-Lager im Nordirak. Entlang der Grenze hat sie mehrere zehntausend Soldaten in Stellung gebracht. Die USA sind gegen eine Offensive im Nordirak, wo sie große Interessen haben, aber trotz Drängens Ankaras nie gegen die in den dortigen Bergen verschanzte türkisch-kurdische PKK-Guerilla vorgegangen sind. Washington sagte inzwischen der Türkei besseren Zugang zu Geheimdiensterkenntnissen zu. Diese sollen Grundlage für Luftangriffe oder den Einsatz von Spezialeinheiten sein.

Vorwürfe an irakische Regierung
Die Regierung in Ankara hat der irakischen Regierung und auch den USA vorgeworfen, nicht genug gegen die PKK-Kämpfer zu unternehmen. Der Irak und die USA haben die Türkei ihrerseits vor einem Einmarsch gewarnt, da sie Auswirkungen auf die ohnehin angespannte Lage im Irak befürchten. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan habe zuvor erklärt, der Tag einer Militäraktion jenseits der Grenze rücke näher, sagte ein Abgeordneter. Die türkische Militärführung befürwortet einen Einmarsch im Norden des Irak, wo die dortigen Kurden nach ihrer Überzeugung der PKK Unterschlupf gewähren.

Ein Sprecher der kurdischen Regionalregierung sagte, türkische Kampfflugzeuge hätten am 12. November Leuchtkörper abgeschossen, als sie über ein kurdisches Dorf nahe der türkischen Grenze geflogen seien. Es habe aber weder Bomben noch Artilleriebeschuss gegeben. Ein Vertreter der kurdischen Sicherheitskräfte im Nordirak sowie ein PKK-Vertreter erklärten, ihnen sei nichts über einen Angriff bekannt.

Der Fernsehsender CNN Türk hatte gemeldet, Kampfhubschrauber des türkischen Militärs hätten Ortschaften im Nordirak bombardiert. Es habe keine Todesopfer gegeben, da sich zum Zeitpunkt des Angriffs keine Menschen dort aufgehalten hätten. Nach dem Fernsehbericht wurde auch eine leer stehende Polizeistation im Grenzgebiet aus der Luft angegriffen. In den betroffenen Gebieten sei die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) aktiv, hieß es in Arbil (Erbil). Die türkische Nachrichtenagentur Dogan berichtete ihrerseits unter Berufung auf irakische Kurden, Flugzeuge hätten einen von der PKK genutzten Außenposten an der Grenze angegriffen.

Angriffe der türkischen Luftwaffe auf Dörfer jenseits der Grenze hatte auch die irakische Nachrichtenagentur Aswat al-Irak gemeldet, wobei sie sich auf einen Angehörigen der Sicherheitskräfte in der Provinz Dohuk berief. Die beschossenen fünf Ortschaften lägen etwa acht bis zehn Kilometer von der türkischen Grenze unweit der irakischen Grenzstadt Zakho (Sacho). Zu möglichen Opfern machte der kurdische Beamte keine Angaben.

Die drei Nordprovinzen des Irak bilden das Autonomiegebiet der irakischen Kurden. Ihre Führung hatte in den vergangenen Wochen versucht, die Regierung in Ankara von ihren Angriffsplänen abzubringen. Sie hat ihrerseits verstärkt Peschmergas (irakisch-kurdische Kämpfer) im nordirakischen Grenzgebiet in postiert. Am 21. Oktober hatten PKK-Rebellen in einem Hinterhalt zwölf türkische Soldaten getötet und eine Welle der Empörung und Kriegsbereitschaft in der Türkei ausgelöst. Acht türkischen Soldaten, die vorübergehend von PKK-Rebellen entführt waren, stehen nun in der Türkei vor einem Militärgericht.

(apa/red)