Befreiung größter Triumph für Regierung:
Präsident Uribe ging ein großes Risiko ein

Bei Tod der Geiseln wären Tage gezählt gewesen Aktion Zeichen für weitere Schwächung der FARC

Befreiung größter Triumph für Regierung:
Präsident Uribe ging ein großes Risiko ein © Bild: Reuters/Barriga

Seit seinem Amtsantritt im August 2002 bekämpft der konservative kolumbianische Präsident Alvaro Uribe die linken FARC-Rebellen bis aufs Messer. Knapp sechs Jahre später konnte er mit der Befreiung der Ex-Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt und 14 weiterer Geiseln, darunter auch drei US-Amerikaner, seinen größten Triumph über die marxistische Rebellengruppe "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (FARC) feiern. Nach Einschätzung politischer Beobachter in Bogotá ist der Erfolg ein weiteres Zeichen für die Schwächung der einst unschlagbar erscheinenden FARC.

Zuletzt waren die Rebellen offenbar nur noch vor dem immer stärker werdenden Militär auf der Flucht. Eine Tortur für die Geiseln, die durch das jahrelange Martyrium im Urwald oft psychisch und physisch völlig erschöpft waren. Auf der letzten Videobotschaft der Rebellen, die Ende vergangenen Jahres beschlagnahmt worden war, saß Betancourt völlig apathisch im Urwald. Die früher kampflustige Politikerin hatte offenbar jeden Lebenswillen verloren.

Nach dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez setzte sich zuletzt auch Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy für die Freilassung Betancourts ein, die auch einen französischen Pass besitzt.

Extrem hohes Risiko bei Befreiung
Uribe ging mit der gewaltsamen Befreiung ein extrem hohes Risiko ein. Wären die Geiseln dabei wie in vielen früheren Fällen zu Tode gekommen, wären seine Tage an der Spitze des Staates gezählt gewesen. Der selten lächelnde und asketisch lebende Uribe war ohnehin schon durch den Skandal um die mögliche Bestechung von Abgeordneten zu Gunsten seiner Wiederwahl 2006 unter Druck geraten.

Vergangene Woche hatte er sich sogar für eine Wiederholung der Wahl ausgesprochen. Ob die jetzt noch notwendig sein würde, war zunächst unklar. Klar war aber angesichts positiver Umfragewerte schon vor der Befreiung Betancourts, wer die Wahl gewinnen würde. (apa/red)