Befreiung Palästinas mit 'Feuer und Eisen':
Bin Laden sendet 2. Botschaft an Europa

Vatikan weist Kreuzzug-Vorwürfe vehement zurück Laut Experten nimmt Faszination für Bin Laden ab

Befreiung Palästinas mit 'Feuer und Eisen':
Bin Laden sendet 2. Botschaft an Europa

Osama bin Laden hat sich zum ersten Mal in diesem Jahr mit Audiobotschaften zu Wort gemeldet. In der ersten von zwei Botschaften drohte er Europa wegen der in dänischen Zeitungen veröffentlichten Mohammed-Karikaturen mit Vergeltung, in der zweiten rief er zu einem Heiligen Krieg für die Befreiung Palästinas mit "Feuer und Eisen" auf. Wann die Botschaften aufgenommen wurden, ging aus den Bändern nicht hervor.

Die Europäer müssten sich auf eine "Abrechnung" einstellen, erklärte der Al-Kaida-Führer in der von einer Website islamischer Extremisten veröffentlichten Erklärung. Die Karikaturen des Propheten Mohammed seien Teil eines "neuen Kreuzzugs" gegen den Islam, in dem der Papst eine besondere Rolle spiele, erklärte Bin Laden. In Anspielung an den neuerlichen Abdruck der Karikaturen im Februar sagte er: "Ihr habt es in eurem Unglauben übertrieben, indem ihr diese beleidigenden Zeichnungen veröffentlicht habt. Das ist das größte und gefährlichste Unglück, und das Urteil dafür wird entschlossener ausfallen."

"Die Antwort wird sein, was ihr seht und nicht, was ihr hört", fuhr der Al-Kaida-Führer in der fünfminütigen Audio-Erklärung mit englischen Untertiteln fort. Die USA halten diese Botschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit für echt. Zu diesem Schluss seien Experten der CIA gelangt, verlautete aus Geheimdienstkreisen in Washington. Demnach besteht kein Zweifel daran, dass Bin Laden noch am Leben ist.

"Feuer und Eisen"
Dann strahlte der arabische Fernsehsender Al-Jazeera Ausschnitte einer weiteren Tonbanderklärung aus, in der Bin Laden zu einem Heiligen Krieg für die Befreiung Palästinas aufruft. "Palästina kann nicht durch Verhandlungen und Dialog wiedererlangt werden, sondern mit Feuer und Eisen", sagte Bin Laden. Zugleich rief er zur Unterstützung des Aufstands im Irak auf. Alle Palästinenser, die nicht in "Land von Jerusalem" kämpfen könnten, sollten dazu in den Irak gehen, sagte der Terrorführer. Zugleich kritisierte er die Unterstützung arabischer Staaten für den Friedensprozess im Nahen Osten. Die gesamte, elfminütige Erklärung wurde auf der Website islamischer Extremisten veröffentlicht, auf der auch die erste Rede erschien.

Der Vatikan wies die Anschuldigungen Bin Ladens als "völlig gegenstandslos" zurück. Der Papst habe die Veröffentlichung der Karikaturen mehrfach kritisiert, erklärte Vatikansprecher Federico Lombardi in Rom. Das Oberhaupt der katholischen Kirche bemühte sich zuletzt um einen intensiveren Dialog mit dem Islam. Er hatte 2006 mit einer Rede in Regensburg wegen eines islamkritischen Zitats weltweit heftige Reaktionen bei Muslimen hervorgerufen.

Karikaturen als Auslöser
Mehrere dänische Zeitungen hatten am 13. Februar erneut eine umstrittene Karikatur Mohammeds mit einer Bombe im Turban abgedruckt. Sie reagierten damit auf die Aufdeckung von Mordplänen gegen den Zeichner. Die Veröffentlichung stieß wie schon im Jahr 2006 auf Proteste in der islamischen Welt.

Eine Sprecherin der slowenischen EU-Ratspräsidentschaft rief angesichts der jüngsten Drohungen des islamistischen Terroristen Osama bin Laden zu "gegenseitiger Toleranz und Respekt" und gegen Gewalt auf, wiech aber Fragen nach einer konkreten Terrorgefahr aus. Nach Angaben von EU-Diplomaten dürfte die jüngste Terrordrohung Bin Ladens aber auch beim bevorstehenden Treffen der EU-Außenminister im slowenischen Brdo Ende kommender Woche diskutiert werden. Offiziell auf der Tagesordnung steht nämlich auch eine Aussprache über den "Dialog der Kulturen".

Bin Laden-Faszination abnehmend
Die italienische Regierung nimmt die Drohungen Bin Ladens gegen den Papst ernst. Die italienische Exekutive ist in höchster Alarmbereitschaft. Vor Kurzem tagte das Anti-Terrorismus-Komitee des römischen Innenministeriums. Besprochen wurden Sicherheitsmaßnahmen zur Vorbeugung von Anschlägen.

Nach Meinung des Islam-Experten und Osama-Bin-Laden-Biographen Michael Pohly ist die "Faszination" für den Terrorpaten stark im Abnehmen. In einer Reaktion auf die jüngsten Droh-Botschaften, die dem Al-Kaida-Chef zugeschrieben werden meinte Pohly in einem Interview mit der ZiB 2, man müsse Bin Laden schon noch ernst nehmen, "aber nicht mehr so wie noch vor zwei, drei Jahren."

Leere Drohung?
Nach Ansicht eines führenden israelischen Anti-Terrorexperten ist in absehbarer Zukunft nicht mit größeren Anschlägen der Al-Kaida in Europa zu rechnen. Wie Eli Carmon vom Internationalen Anti-Terror-Institut ICT in Herzliya nach Angaben der israelischen Internetzeitung "Ynet" sagte, ist die Ankündigung einer "harten Vergeltung" wegen der Mohammed-Karikaturen nicht mehr als eine "leere Drohung". (apa/red)