"Befragungsmarathon" geht weiter: Elsner wurde von "Soko BAWAG" einvernommen

Thema: Großzügiges "Geschenk" an Ex-Konsum-Boss Gesundheitszustand des Ex-BAWAG-Chefs stabilisiert

"Befragungsmarathon" geht weiter: Elsner wurde von "Soko BAWAG" einvernommen

Helmut Elsner ist von Beamten der "Soko BAWAG" einvernommen worden. Die 21-köpfige Sonderkommission des Bundeskriminalamts war im Vorjahr gebildet worden, um in enger Absprache mit den zuständigen Staatsanwälten und der U-Richterin Licht ins Dunkel der BAWAG-Affäre und ihrer Begleiterscheinungen zu bringen. Gegenstand der Befragung: Das großzügige "Geldgeschenk", mit dem der Ex-BAWAG-Chef den ehemaligen Konsum-General Hermann Gerharter bedacht haben soll.

Gerharter - nach Verurteilungen wegen fahrlässiger und betrügerischer Krida offenbar in Finanznöten -, hatte im Jahr 2002 bei der BAWAG um ein Darlehen zur Bezahlung offener Gerichtsgebühren angesucht. Im März 2003 soll ihn Elsner in sein Büro bestellt und ihm 600.000 Euro in bar überreicht haben. Anschließend soll der Ex-BAWAG-Chef Gerharters Kredit als uneinbringlich ausgebucht haben, was ihm die Staatsanwaltschaft nun als Untreue auslegt.

Gerharter, den die Anklagebehörde als Beitragstäter ansieht, hat im laufenden Vorverfahren dazu schon vor etlichen Wochen ein Tatsachengeständnis abgelegt und die ausgeborgte bzw. geschenkt erhaltene Summe inklusive Zinsen seiner vormaligen Hausbank zurück bezahlt. Wie aus dem Grauen Haus zu hören ist, fehlt der Staatsanwaltschaft nur mehr die abschließende Schilderung Elsners zum inkriminierten Vorgang, um gegen Elsner und Gerharter Anklage erheben zu können. Dem Vernehmen nach soll die vermutlich bereits Anfang Juni vorliegende Anklageschrift in den BAWAG-Prozess eingebunden werden, der am 16. Juli startet.

BAWAG-Richterin Claudia Bandion-Ortner deutete allerdings an, dieses Faktum nicht mitverhandeln zu wollen. Sie will es formell ausscheiden und nach Abschluss des BAWAG-Prozesses in einem separaten Verfahren erörtern, um Zeitverzögerungen - Gerharter spielt im eigentlichen BAWAG-Komplex keine wie auch immer geartete Rolle - zu vermeiden.

Helmut Elsner hat die Befragung "gut überstanden", wie sein "Hausarzt" Helmut Schopper auf Anfrage der APA erklärte. Elsner sei zum Mittagessen schon wieder zurück in seiner Zelle gewesen, berichtete der Leiter der Krankenabteilung im Wiener Landesgerichtlichen Gefangenenhaus. Der 72-Jährige sei "gut beisammen" und werde auf jeden Fall wieder vor dem Banken-Ausschuss im Parlament erscheinen. Aus medizinischer Sicht sei er davor und danach weiteren Befragungen durch die "Soko BAWAG" und die U-Richterin gewachsen. "Sein Zustand ist weiter stabilisiert", erläuterte Schopper.

Offenbar dürfte inzwischen auch Elsner selbst eingesehen haben, dass nun die Zeit gekommen ist, den Behörden Rede und Antwort zu stehen. "Ich habe den Eindruck, der Damm ist gebrochen", bemerkte jedenfalls sein "Hausarzt". (apa/red)