Bayerns "Wohltäter" in der Sackgasse: Für Klinsmann wird es nun langsam ungemütlich

Bayerns Bosse nach Saison-Fehlstart noch milde 44-Jähriger stellt sich auf stürmischen Herbst ein

Bayerns "Wohltäter" in der Sackgasse: Für Klinsmann wird es nun langsam ungemütlich © Bild: Reuters

Sieben Spiele, neun Punkte, 13 Gegentore und Tabellenplatz elf: Jürgen Klinsmanns Zwischenbilanz könnte ernüchternder kaum sein. Seit 31 Jahren hat es beim erfolgsverwöhnten FC Bayern München so einen Negativstart in der deutschen Bundesliga nicht mehr gegeben. Beim Rekordmeister kriselt es, doch Klinsmann lächelt seine schwache Ausbeute einfach weg. "Das ist ein Prozess" beschwichtigte der Trainer.

Die Bayern-Bosse trotzen der Enttäuschung in seltener Einigkeit. Präsident Franz Beckenbauer mahnte in seiner "Bild"-Kolumne (Montag) zur Geduld, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sprach Klinsmann das "volle Vertrauen aus", und Manager Uli Hoeneß reagiert nur genervt: "Die Bilanz sage ich Ihnen am 30. Juni, da ist unser Geschäftsjahr zu Ende".

Nach dem schwachen Liga-Auftakt und den wenig glanzvollen Auftritten in der Champions League, in der die Bayern mit vier Punkten aber immerhin im Soll sind, ist für die Fans längst das Maß voll. "Ami go home", forderten sie Klinsmann unlängst zur Rückkehr in seine kalifornische Wahlheimat auf. Beckenbauer registriert, dass "der Mythos, dass am Ende doch (fast) immer die Bayern gewinnen, Pause macht" und stellt besorgt fest: "Die Liga spürt, dass wir im Moment verwundbar sind".

Zeichen stehen auf Sturm
Er spüre, dass ihm ein stürmischer Herbst bevorsteht, meinte Klinsmann. "Letztendlich muss der Trainer seinen Kopf hinhalten, wenn die Dinge nicht so umgesetzt werden, wie man sie den Spielern aufgibt." Die Spieler scheinen allerdings mit der Umsetzung von Klinsmanns Fußball-Einmaleins überfordert zu sein. Der 44-Jährige will den Bayern seine Visionen einimpfen, heraus kamen bisher bittere Lektionen für den Ex-Bundestrainer, der beim FC Bayern erstmals als Club-Coach tätig ist.

Klinsmann will in München seine Reformen mit aller Macht durchsetzen. Im Millionen Euro teuren Leistungszentrum, wo er seine Schützlinge mit Hilfe eines elfköpfigen Trainerstabs in Acht-Stunden-Tagen zu rundum gebildeten Menschen formen will, hat er so viel umgekrempelt, dass Rummenigge von einer "neuen Kultur in der Bundesliga" schwärmt. Auf dem Platz aber hinterließen Klinsmanns Absichten bisher viel Ratlosigkeit und einen konfusen Gesamteindruck.

Klinsmann baute im Trainingszentrum Buddhas auf und wieder ab, experimentierte erfolglos mit diversen Spielsystemen, rotierte ohne Rücksicht auf Namen und Positionen in die Krise und schuf mit der Demontage von Kapitän Mark van Bommel offenbar ohne Not einen Konfliktherd. Klinsmann, in München so kritisch wie kaum einer seiner Vorgänger beäugt, und der FC Bayern können die Länderspielpause für ausführliche Analysen nutzen.

(apa/red)