Fakten von

Bayern freuen sich über
Ancelotti-Verpflichtung

Münchner stachen "halb Europa" aus, wenn man Vorstandschef Rummenigge glaubt

Carlo Ancelotti © Bild: GERARD JULIEN/AFP/Getty Images

Bayern München hatte im Werben um Carlo Ancelotti als Nachfolger für Trainer Pep Guardiola große Konkurrenz. "Halb Europa wollte ihn ja haben", sagte Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge nach der Bekanntgabe des Coups. Dementsprechend groß ist in München die Freude über die Verpflichtung des Star-Trainers.

Der 56-jährige Italiener hatte Rummenigge zwar schon bei einem früheren Treffen signalisiert, "dass er sehr gerne einmal den FC Bayern trainieren würde", berichtete Rummenigge: "Trotzdem war es eine gewaltige Herausforderung und Anstrengung in den zurückliegenden Wochen und Tagen, Carlo zu binden", sagte der Vereinschef zur "Bild"-Zeitung. Ancelotti, der mit dem AC Milan und Real Madrid die Champions League gewann, hat beim Club von David Alaba einen Dreijahresvertrag bis zum 30. Juni 2019 unterschrieben.

Laut Sportvorstand Matthias Sammer hat es bei der Suche nach dem Nachfolger von Guardiola außer Ancelotti keinen Trainerkandidaten beiBayern gegeben. "Carlo Ancelotti ist unser absoluter Wunschkandidat gewesen. Kein anderer hat eine Rolle gespielt", sagte Sammer in der TV-Sendung Sky90: "Ancelottis grundsätzliche Qualität hat eine Rolle gespielt." Sammer ließ dabei durchblicken, dass der Club durch Guardiolas Entscheidung, den Verein im Sommer zu verlassen, nicht unvorbereitet getroffen wurde: "Vom Zeitablauf her ist es perfekt gelaufen." Auswirkungen auf die sportliche Leistung erwartet Sammer nicht.

Lobeshymnen von Ronaldo, Zlatan und Co.

Freuen dürfen sich vor allem die Münchner Spieler. Derartige Lobeshymnen aus dem Munde von Fußball-Weltstars eilen nämlich nicht einmal Pep Guardiola voraus. Glaubt man Cristiano Ronaldo, Zlatan Ibrahimovic oder dem deutschen Weltmeister Toni Kroos, können sich die Bayern-Profis um David Alaba außerordentlich auf ihren neuen Chef freuen.

"Ich wünschte, jeder Spieler hätte die Gelegenheit, mit ihm zu arbeiten, weil er ein fantastischer Typ ist, ein fantastischer Coach - ich vermisse ihn sehr, weil wir viele Titel zusammen gewonnen haben", lobte Real Madrids Weltfußballer Ronaldo seinen früheren Chef erst vor wenigen Tagen in einem ESPN-Interview. "Er ist wie ein großer Bär. Ein niedlicher Typ, was für eine einfühlsame Person", schwärmte Ronaldo fast schon liebevoll von "Carletto".

Dompteur der Diven

Ancelotti kann mit starken und auch eigenwilligen Persönlichkeiten umgehen. Auf dem Platz war er Dompteur von Fußball-Diven wie Ibrahimovic, Ronaldo oder Frank Lampard. Aber auch mit den mächtigen Führungsfiguren in seinen Clubs wie Silvio Berlusconi, Roman Abramowitsch oder Florentino Perez arrangierte sich der Italiener.

Selbst Ibrahimovic, für den Guardiola seit der gemeinsamen Barcelona-Zeit ein wahres Feindbild ist ("Diesen Philosophen brauchen wir hier nicht. Der Zwerg (Messi) und ich reichen"), lobte den Welttrainer schon. "Ancelotti war ein überragender Trainer. Er war old school, aber als Person war er toll", sagte der Schwede.

Den ehemaligen Bayern-Profi Kroos, der in der vergangenen Saison in Madrid unter Ancelotti spielte, begeisterte der Italiener ebenfalls. "Als er ging, waren alle traurig - auch die, die nicht gespielt haben und Grund gehabt hätten, ihn dafür zu kritisieren. Es fiel kein negatives Wort über ihn. Das ist außergewöhnlich", erzählte Weltmeister Kroos jüngst in einem "Zeit"-Interview.

Ancelotti lud seine Akkus nach seinem Abschied von den "Königlichen" im Sommer in Vancouver bei seiner zweiten Frau Mariann auf. Der Vater zweier erwachsener Kinder hat diese Auszeit gebraucht. Nach "La Decima" ließ er sich am Rücken operieren.

Lob auch vom Vorgänger

Ancelotti vereint vieles, was dem deutschen Rekordmeister gefallen dürfte. "Er ist ein super Mensch und ein super Trainer. Ich habe ein großes Verhältnis zu ihm", äußerte sich auch Guardiola bei seiner letzten Pressekonferenz in diesem Jahr positiv über seinen Nachfolger. Ancelotti wird nach Giovanni Trapattoni (FC Bayern), Nevio Scala (Borussia Dortmund) und Roberto di Matteo (Schalke 04) der vierte italienische Trainer in der deutschen Bundesliga sein.

Der sprachbegabte Weltbürger spricht vier Sprachen, Deutsch lernt er gerade. "Wenn Giovanni Trapattoni es geschafft hat, Deutsch zu lernen, dann kann ich es auch", sagte Ancelotti kürzlich.

Kommentare