BAWAG-Verkauf geht in die nächste Runde: Mehrere Dutzend Interessenten im Geschäft?

Informationsmemorandum soll zugesandt werden Bis zu zehn Angebotssteller erhalten Datenzugang

Der Verkauf der angeschlagenen Gewerkschaftsbank BAWAG geht in die nächste Runde. Nun sollen die Interessenten für die BAWAG P.S.K. das umfangreiche Informationsmemorandum zugestellt bekommen. Laut mit dem Verkauf betrauten Personen gibt es mehrere Dutzend Interessenten aus dem In- und Ausland. Sie rechnen "mit einer erklecklichen Zahl an unverbindlichen Angeboten". Diese Angebote müssen demnach bis zur ersten Septemberwoche bei der Investmentbank Morgan Stanley eintreffen.

Der Verkaufsprozess war vor knapp einem Monat mit der Versendung von Erstinformationen an Interessenten eingeleitet worden. Das jetzt versandte Informationsmemorandum enthält laut den "Salzburger Nachrichten" nicht nur das von der Morgan Stanley erstellte Expose über die BAWAG, sondern auch eine vom Wirtschaftsprüfer Deloitte verfasste Darstellung der historischen Finanzen der BAWAG P.S.K. Darüber hinaus sei dem Informationspaket ein Rechtsgutachten der Londoner Rechtsanwaltskanzlei Allen & Overy angeschlossen, dass den Käufer Klarheit darüber verschaffen soll, ob ihnen trotz des von der Bank in den USA geschlossenen Vergleichs noch Prozessrisiken drohen, oder ob sie sich mit dem Kauf auf juristisch zumindest einigermaßen gesicherten Boden begeben, heißt es im Bericht.

Von jenen Anbietern, die ein unverbindliches Angebot legen, wird Morgan Stanley gemeinsamen mit dem Auftraggeber ÖGB sechs bis zehn Kandidaten auswählen, die dann für mehr als eine Woche Zugang zum Datenraum - sprich zu den detaillierten Unternehmenszahlen - erhalten und danach ein verbindliches Offert legen müssen. Die Auswahl erfolgt dabei nicht nur nach dem Preis. Der mögliche künftige Eigentümer der BAWAG muss auch eine wachstumsorientierte Strategie darlegen, und eine attraktive Zukunftsperspektive für Kunden und Mitarbeiter der Bank präsentieren, eine Filetierung wolle man vermeiden.

Konsortien sind - entsprechend dem Wunsch des Eigentümers und des Bank-Managements - als Bieter ausdrücklich zugelassen. Als nicht unwahrscheinliche Variante gilt ja, dass eine Bank gemeinsam mit einem Versicherer die BAWAG kaufen könnte. Dies biete sich auch an, so die "SN" weiter unter Berufung auf Finanzexperten.

Geht es nach dem ÖGB, sollen die Verkaufsverhandlungen noch vor Jahresende abgeschlossen werden. Dass sich das EU-Verfahren zur Genehmigung der Staatshaftung für die BAWAG verzögert, wie vor zwei Wochen bekannt wurde, sollte nach damaliger Reaktion der Bank keine Auswirkungen auf den Zeitplan haben, weil die Staatsbeihilfe mit dem Verkauf ohnehin wegfallen sollte.

(apa/red)