Bawag-Prozess: Jeder kämpft für sich

Die Defizit-Banker Wolfgang Flöttl und Helmut Elsner beschuldigen sich jetzt gegenseitig.

Bawag-Prozess: Jeder kämpft für sich

Die gemeinsame Strategie der neun Angeklagten ist gescheitert. Jetzt läuft jeder um sein eigenes Leiberl und gibt den anderen die Schuld am Debakel.

Schon vor Beginn des Bawag-Prozesses gab es mehrere Meetings von beteiligten Anwälten. Das heikle Thema: die Strategie, mit der sie ihre Klienten vor Gericht vertreten wollten. Die Metapher lautete: „Wir sitzen alle in einem Boot. Da ist es entscheidend, dass wir auch gemeinsam rudern.“

Sehr viel ist davon in den ersten sechs Prozesstagen freilich nicht mehr übrig geblieben. Die Angeklagten haben heute nur noch gemeinsam, dass sie sich alle „nicht schuldig“ bekannt haben. Das war’s aber auch schon in Sachen Banker-Solidarität. Denn jetzt rudert jeder ausschließlich für sich allein.

Elsner als Steuermann. Den Steuermann im außer Takt geratenen Ruderboot muss der rekonvaleszente Ex-Bawag-Boss Helmut Elsner geben. Und er verhält sich dabei überraschend geschickt, ist exzellent vorbereitet und nahezu höflich. Seine Grundsatzstrategie lautet: Investment-Banker Wolfgang Flöttl habe ihn angelogen. Und im Übrigen sei er nach seinem Ausscheiden als Bawag-Boss nicht mehr zuständig gewesen.

Wolfgang Flöttl hält konsequent dagegen: Im Gegensatz zu Elsner, der sich krankheitsbedingt lange Zeit dem Zugriff der heimischen Justiz in Frankreich entzog, hat Flöttl eng mit der Justiz kooperiert. Flöttls Linie lautet: Jeder – und somit auch Elsner – habe gewusst, dass die Spekulationsgeschäfte hochriskant sind und mit einem Totalverlust enden können. Somit gelte: Pech gehabt, war eben ein schlechtes Geschäft.

Zwettlers Rundumschlag. Bemerkenswert scheint auch die Strategie von Elsners Nachfolger als Bawag-Chef, Johann Zwettler. Offensichtlich von der Hoffnung getrieben, weniger wichtig zu erscheinen, als er in Wahrheit war, sorgt er dafür, dass alle Rudermänner im Boot bleiben. Seine Linie: Alle waren dabei. Was vor allem seinen Exvorstandskollegen Christian Büttner trifft, der am 26. Oktober 1998 als einziges Vorstandsmitglied gegen die Fortsetzung der Geschäfte mit Flöttl stimmte. Folgerichtig setzt Büttner dies auch als sein Hauptargument ein. Einvernahmen und Aktenvermerke lassen jedoch darauf schließen, dass er detailliert informiert war.

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