BAWAG-Prozess: Flöttl-Gattin berichtet über gemeinsamen Urlaub mit Grasser und Meinl

Anne Eisenhower vertraut Mann weiter ihr Geld an Jahrtausendwende mit den Elsners in Karibik gefeiert

BAWAG-Prozess: Flöttl-Gattin berichtet über gemeinsamen Urlaub mit Grasser und Meinl

Am 30. Verhandlungstag im BAWAG-Prozess hat die Ehefrau des mitangeklagten Wolfgang Flöttl, Anne Eisenhower, als Zeugin ausgesagt. Über die Geschäfte ihres Mannes wisse sie nichts, sagte Barbara Anne Eisenhower bei ihrer Befragung im Wiener Landesgericht. Ihr Mann habe die ab 1999 mit ihrem Geld unternommenen Investitionen mit Gewinn abgeschlossen. Den Jahrtausendwechsel von 1999 auf 2000 habe sie mit ihrem Mann und dem Ehepaar Elsner in der Karibik gefeiert. "Das war für alle etwas Besonderes", schilderte die Flöttl-Gattin, heute, Donnerstag, vor Gericht.

Anne Eisenhower schilderte auch einen gemeinsamen Yacht-Urlaub im Sommer 2005 mit dem Bankier Julius Meinl, "ein enger Freund meines Mannes". Mit dabei auf der Yacht sei auch der damalige österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser mit seiner damaligen Verlobten und jetzigen Ehefrau Fiona gewesen. Über den Inhalt der Gespräche wisse sie nichts, aber viel sei wohl nicht gesprochen worden, denn die Männer hätten Sport betrieben. Grasser habe viel Zeit "mit seiner Verlobten ohne uns" verbracht.

Im Herbst 1998 hatte Flöttl bereits 639 Mio. Euro BAWAG-Gelder verloren und in Folge dessen der BAWAG den Großteil seines Vermögens überschrieben. Dies tat Flöttl laut eigenen Angaben nur, weil ihm Elsner mit einem Skandal gedroht habe. In Folge hatte Flöttl von der BAWAG wieder Hunderte Millionen erhalten, bis er Ende 2000 laut Anklageschrift insgesamt 1,44 Mrd. Euro BAWAG-Gelder verloren hatte. Neben der nun bekannt gewordenen gemeinsamen Silvesterfeier zur Jahrtausendwende in der Karibik verbrachte die Familie Elsner im Sommer 2000 einen Urlaub auf Flöttls Anwesen in der Karibik.

Finanzen von den ihren vollkommen getrennt
Die Finanzen ihres Gatten seien von den ihren vollkommen getrennt, betonte Eisenhower. Allerdings habe sie ihrem Mann von ihrem eigenen Geld ein Darlehen gegeben, das er investiert habe. "Vertrauen Sie ihm?" fragte die Richterin. "Ja, das tue ich", demonstrierte Eisenhower auch nach den Milliardenverlusten Flöttls mit BAWAG-Geldern ihre Zuversicht in das wirtschaftliche Talent ihres Mannes. Das Vermögen anderer Mitglieder der Familie Eisenhower sei nicht bei Flöttl angelegt, vermutlich jedoch Gelder von Freunden.

Im Oktober 1998 habe sie sehr wohl von den großen Verlusten ihres Mannes erfahren. Ihr Gatte habe ihr erklärt, er habe große Verluste erlitten und stünde unter Druck, einen wesentlichen Teil seines Vermögens herzugeben. "Er sagte mir, dass er keinen Unterhaltsbeitrag mehr zahlen könne", schilderte Eisenhower. Der Druck auf ihren Mann habe darin bestanden, dass Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner gedroht habe, seine Verluste öffentlich zu machen, damit seinen guten Ruf zu ruinieren und ihn aus dem Geschäft zu drängen.

Auch über das von Flöttl unterzeichnete Geständnis nach den großen Verlusten im Jahr 2000 wurde Eisenhower von ihrem Gatten informiert. Er sei nicht sehr glücklich damit gewesen, Elsner habe ihm aber gesagt, es sei "nur für interne Zwecke". Das ihrem Mann verbliebene Vermögen sei ein Anteil an einem Appartement in New York und Bilder des Malers Franz Zadrazil, eines persönlichen Freundes. Eisenhower räumte ein, dass sie davon wisse, dass Flöttls Assistentin Julie Jones eine der zwei Liegenschaften auf den Bermudas gekauft habe. Über die Finanzen der Assistentin ihres Mannes wisse sie nichts.

Zu Telefonanruf Elsners im März 2006 befragt
Eisenhower wurde auch zu einem Telefonanruf Elsners im März 2006 befragt, den sie in der New Yorker Wohnung entgegengenommen hatte. Elsner habe sehr früh angerufen, etwa zwischen vier und fünf Uhr morgens. Am Abend habe ihr dann Wolfgang erzählt, dass Elsner ihn aufgefordert habe, er solle doch die Verantwortung für alles was passiert sei übernehmen, da er ja in New York lebe und nicht belangt werden könne. Elsner habe sich als "unter Belagerung" bezeichnet. Elsner sagte später dazu, er habe so früh angerufen, um Flöttl auch sicher zu erreichen. Dass ihr Mann jemals Selbstmordgedanken gehegt hätte, könne sie sich gar nicht vorstellen, sagte Eisenhower auf eine Frage. "Er ist ein Kämpfer". Elsner hatte vor Gericht geschildert, Flöttl habe ihm nach dem großen Verlust im Jahr 2000 von Gedanken an Selbstmord erzählt.

Befragung von Eva Albrecht
Die ebenfalls als Zeugin befragte frühere Mitarbeiterin in der BAWAG-Innenrevision, Eva Albrecht, sagte heute aus, als sie 1996 erstmals die wiederaufgenommenen Karibik-Geschäfte mit Wolfgang Flöttl zu prüfen hatte, hätte sie gedacht, das sei ein "Wahnsinn!". Es sei keine Bewertung des Risikopotenzials möglich gewesen, da keinen Unterlagen zu den gehaltenen derivativen Finanzprodukten vorgelegen seien. "Wir wussten nicht einmal, um welche Art von Werten es sich handelt." Nach der Rückführung der Geschäfte 1998 seien auch die Gelder zurück gekommen. Sie habe nicht nachgeforscht, woher sie kamen, hätte nicht gewusst, dass sie aus BAWAG-Stiftungen gekommen sind. Tatsächlich aber war das bei Flöttl angelegte Geld der BAWAG verloren.

Zum Abschluss des heutigen Verhandlungstags stand der vom Gericht bereits am 9. August als Sachverständige bestellte ehemalige Vorstand der Wiener Börse, Christian Imo, am Prüfstand. Imo soll ein Gutachten über das Handelsverhalten von Flöttl abgeben. Die Verteidiger von Flöttl erläuterten ihren gestrigen Antrag, Imo wegen Befangenheit als Sachverständigen abzulehnen. Das Gericht wird seine Entscheidung darüber erst am nächsten Verhandlungstag, dem 1. Oktober, verkünden. Sollte Imo als Sachverständiger abgelehnt werden, müsste das Gericht einen neuen Sachverständigen bestellen. Dies würde vermutlich den Prozess verzögern. Das Urteil würde dann wohl erst im Jänner und nicht - wie derzeit angepeilt - Anfang Dezember fallen.

Am 1. Oktober gehen die Zeugenbefragungen weiter. Befragt werden Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky (S) und das EZB-Direktoriumsmitglied Gertrude Tumpel-Gugerell, Frau des früheren BAWAG-Aufsichtsratspräsidenten und jetzigen Präsidenten der Arbeiterkammer Herbert Tumpel. Tumpel-Gugerell war vorher Vizegouverneurin der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB).

(apa/red)