BAWAG-Prozess geht heute in 103. Runde:
Schwiegersohn Kinsky sagt nun doch aus

Ob Kinsky von 2000 bis 2003 für Flöttl gearbeitet hat Endspurt im Fragenmarathon mit Gutachter Kleiner

Im BAWAG-Prozess könnte am 103. Verhandlungstag überraschend der Schwiegersohn von Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner, Karl Kinsky, befragt werden. Das Gericht wolle organisieren, dass Herr Kinsky noch heute Vormittag vorbeikomme, kündigte Richterin Claudia Bandion-Ortner an.

Geklärt werden soll, ob Elsners Schwiegersohn in den Jahren 2000 bis 2003 in London für Wolfgang Flöttl gearbeitet habe, wie dieser angibt, oder nicht.

Zu Beginn der Verhandlung hatte Flöttl Steuerabrechnungen des Gehalts von Elsners Schwiegersohn in London vorgelegt. "Das Gehalt ist von mir bezahlt worden", betonte Flöttl. Kinsky habe für eine Firma von David Prance gearbeitet, ein früherer Mitarbeiter Flöttls. Prance hatte auch den Verlust des BAWAG-Investments "Hapenny" bestätigt. Elsner bestritt wieder, dass er mit der Anstellung seines Schwiegersohns in London etwas zu tun gehabt habe. Flöttl und Kinsky hätten sich aber von gemeinsamen Urlauben gekannt. Flöttl wiederum erklärte erneut, die Anstellung sei auf Initiative Elsners zustande gekommen.

"Von Anfang an getürkt"
"Beantragen Sie Herrn Kinsky als Zeugen?" fragte Richterin Claudia Bandion-Ortner. "Wie Sie meinen, natürlich", so Elsner. Ihm scheine das Ganze "von Anfang an getürkt" zu sein, damit Flöttl etwas gegen ihn in der Hand habe. Karl Kinsky hatte erklärt, er wolle zu dem Ganzen keine Stellungnahme abgeben.

Eigentlicher Tagesordnungspunkt für heute, Mittwoch, ist der Endspurt im Fragenmarathon mit Gutachter Fritz Kleiner. Über die Zulassung von insgesamt über 1.200 Fragen (inklusive Untergliederungen) der Verteidigung von Elsner hat das Gericht schon entschieden. Nun muss Kleiner noch zahlreiche offen gebliebene Fragen zu seinem Gutachten beantworten, in dem er die frühere BAWAG-Führung stark belastet hatte. Am Donnerstag soll die Fragenbeantwortung beendet werden. Ab Mitte Juni wird in dem Prozess - der Mitte Juli 2007 begonnen hatte - ein Urteil erwartet. (apa/red)