"BAWAG muss rasch verkauft werden": ÖGB und seine Bank brauchen dringend das Geld

Drucker-Gewerkschaftsboss hofft auf 3 Mrd. € Erlös ÖGB muss laut Bittner längerfristig kräftig sparen

"BAWAG muss rasch verkauft werden": ÖGB und seine Bank brauchen dringend das Geld

Für einen raschen Verkauf der BAWAG P.S.K. tritt der Chef der Druckergewerkschaft im ÖGB, Franz Bittner, ein. Dabei wäre aus seiner Sicht ein ausländischer Käufer zu bevorzugen, denn "das würde bedeuten, dass die Arbeitsplätze der BAWAG besser gesichert sind als durch einen inländischen", sagte Bittner gegenüber dem Ö1-Morgenjournal des ORF am Mittwoch.

Nach seiner Schätzung könne der Verkauf der Gewerkschaftsbank "zwischen zwei und drei Mrd. Euro" bringen. Auf jeden Fall müsse das Geschäft rasch über die Bühne gehen, denn "die BAWAG und der ÖGB brauchen dringend das Geld". Wer für ein Abwarten mit dem Verkauf eintrete, an dem sei wahrscheinlich die mediale Diskussion der vergangenen Wochen spurlos vorübergegangen, so Bittner.

In der BAWAG werden unterdessen, wie Generaldirektor Ewald Nowotny bestätigte, für die Due-Diligence-Prüfungen bereits die Datenräume eingerichtet.

"Es gibt viele Interessenten, die sich beim Verkaufsberater Morgan Stanley melden", berichtete Nowotny. Obwohl am Finanzplatz vor allem ausländische Kandidaten hoch gehandelt werden - darunter Großbanken wie Citibank, ING oder auch deutsche Postbank - werden von der Bank- und ÖGB-Spitze keinerlei Namen genannt. Ebenso ungenannt bleibt der Mindestverkaufspreis, zu dem der ÖGB seine Tochter BAWAG veräußern "muss", um pari auszusteigen. Dem Vernehmen nach dürfte nicht wirklich viel übrig bleiben.

Ein harter Brocken in den Verhandlungen mit den Refco-Gläubigern und -Aktionären war die von ihnen verlangte Mitsprache beim BAWAG-Verkauf, zumal ihnen ja jeder dritte Euro mehr zufließen soll, der über einen Kaufpreis von 1,8 Mrd. Euro hinaus geht.

"Es wird keine direkte Mitwirkung auf den Verkaufsprozess geben", sagte ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer. Sehr wohl aber sei ein Monitoring vereinbart worden, das sei mit der Investmentbank, die den BAWAG-Verkauf begleitet, so akkordiert. Hundstorfer bekräftigte, dass gemäß Auftrag im BAWAG-Sicherungsgesetz die Bank zu 100 Prozent verkauft werden muss.

Es wurde bestätigt, dass die direkte BAWAG-Mutter AVB (Anteilsverwaltung) beim Eigenkapital die gesetzlichen Limits unterschreitet. Eine fertige Bilanz der AVB liegt aber noch nicht vor. Wegen dieser negativen Zahlen - die in der Finanzgruppenbilanzierung auf die BAWAG P.S.K-Gruppe durchschlagen - ist die Eigenkapitalspritze von Banken und Versicherungen über 450 Mio. Euro dringend nötig. Denn "sonst bekommt man ein Problem mit der Finanzmarktaufsicht", wie heute eingeräumt wurde. Die BAWAG selber ist nach eigenen Angaben komfortabel kapitalisiert.

Die Anteilsverwaltung muss für 2005 den Ausfall der früher geflossenen BAWAG-Dividenden verkraften und hat Mühe, ihren eigenen Verpflichtungen nachzukommen. Die Vermögenslage des ÖGB wird zur Zeit von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) erhoben. Im Fall, dass Haftungen schlagend werden, hat der ÖGB "14 Jahre lang nachzuweisen, ob wir mitzahlen können oder nicht", erklärte Hundstorfer.

Nowotny sieht die Rolle der Bank im Zusammenhang mit dem US-Broker Refco weiterhin als "Opfer". Die Meinung der US-Staatsanwaltschaft, die der BAWAG vorgeworfen hatte bei den Bilanz-Manipulationen des zusammengebrochenen Broker-Hauses durch die Gewährung von Krediten mitgeholfen zu haben, sei die "Rechtsposition der US-Staatsanwaltschaft", die er nicht teile, so Nowotny.

(apa/red)