BAWAG-Krise: Früherer Aufsrichtsrat Tumpel will von Verlusten nichts gewusst

Jetziger AK-Präsident bis 1997 Aufsichtsrat bei Bank "Fassungslos" über Entwicklung bei BAWAG und ÖGB

Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel hat am Mittwoch in der Wiener AK-Vollversammlung erneut betont, als Aufsichtsratsvorsitzender der BAWAG von deren Verlusten nichts gewusst zu haben. Es sei zwar richtig, dass der Aufsichtsrat im Jahr 1995 unter strengen Auflagen die Wiederaufnahme der Karibik-Geschäfte genehmigt habe. Bis zum Frühjahr 1997, als er AK-Präsident wurde, sei von den Turbulenzen jedoch nichts bekannt gewesen.

"Bis zu meinem Ausscheiden sind dem Aufsichtsrat und mir persönlich keine Verluste oder Probleme mit der Abwicklung der Geschäfte mitgeteilt worden", betonte Tumpel in seiner Rede. Er verwies auch darauf, dass seit 1996 auch Vertreter der Bayerischen Landesbank (BayernLB) im Aufsichtsrat vertreten gewesen seien. Wann gegen die Auflagen - Sicherstellungen, Begrenzung des Umfangs und Berichtspflicht - verstoßen worden sei, könne er nicht sagen.

Aus diesen Vorfällen sei eine Entwicklung entstanden, "der ich genauso fassungslos gegenüberstehe, wie alle, die es mit der Gewerkschaftsbewegung ernst nehmen", sagte Tumpel.

Trotzdem gab er sich zuversichtlich: "Die Gewerkschaftsbewegung als solche ist notwendig und wird weiterleben, wenn die Menschen an die Notwendigkeit und die Sinnhaftigkeit einer solchen Idee weiter glauben."

Zuvor hatte der AK-Präsident seine Rede der Situation am heimischen Arbeitsmarkt gewidmet. Sein Appell: "Fragen der Arbeitsmarktentwicklung dürfen nicht kurzfristig gesehen werden. Wien ist in die allgemeine Entwicklung eingebunden, und diese allgemeine Entwicklung gibt Anlass zur Sorge." Besorgt blickt Tumpel vor allem in Richtung Slowakei wegen der spätestens 2011 zu erwartenden Arbeitsmarktöffnung. Wien mit seiner Nähe zu Bratislava befinde sich dabei in einer Situation, die mit jener an der Grenze der USA zu Mexiko zu vergleichen sei.
(apa/red)