BAWAG in der Karibik-Krise: Köpferollen in Vorstand und Aufsichtsrat wird befürchtet

Neue Beratungen in der Causa für Freitag angesetzt PLUS: ÖGB schlittert wegen BAWAG in Finanzkrise

Nach weiteren Krisensitzungen von Führungsorganen der Gewerkschaftsbank BAWAG und im ÖGB sind am Freitag früh in der Causa Karibik-Verluste Beratungen der BAWAG-Aufsichtsräte anberaumt. Welche Konsequenzen die Kontrollorgane ziehen werden, wird nach außen noch nicht erklärt. Es könnte aber zu einem Köpferollen im Aufsichtsrat kommen.

Die Aufsichtsräte bekommen es jetzt angeblich mit der Angst zu tun. Denn sie hätten der Wiederaufnahme der Karibik-Geschäfte nicht zustimmen dürfen, schreibt der "Kurier" in seiner Donnerstagausgabe. Nun gehe die Angst um, dass die Finanzmarktaufsicht (FMA) und die Staatsanwaltschaft eine Gesetzesverletzung entdecken. Es wird erwartet, dass einige Aufsichtsräte zurücktreten.

Auch die Bank-Vorstände Peter Nakowitz und Christian Büttner wackeln. Nach den jüngsten Spekulationen könnte es der Fall gewesen sein sein, dass die Gewerkschaftsbank bei ihrem herbstlichen Blitzkredit an Refco-Gründer Phillip Bennett einem alten Partner geholfen hat, weil dieser der BAWAG half, die schief gegangenen Investments in der Karibik bilanzschonend unterzubringen.

Aufräumen in Vorstand und Aufsichtsrat
Die ursprüngliche Strategie des ÖGB-Präsidiums, wonach mit dem Rücktritt von Ex-BAWAG-Chef Johannes Zwettler zu Jahresende 2005 die Causa Refco bereinigt sei, dürfte die laufende Kalenderwoche bzw. die kommende Woche nicht überdauern, schreibt indes der "Standard". "Der ÖGB wird in Vorstand und Aufsichtsrat aufräumen müssen", wird ein einflussreicher Gewerkschafter zitiert. ÖGB-Finanzchef Günter Weninger steht dem Aufsichtsrat vor. Unklar ist, wer im Aufsichtsrat von den karibischen Verlusten zwischen 1995 und 2000 informiert war.

Die neu aufgetauchten Verluste, die in den Bilanzen der vergangenen fünf Jahre verdaut worden sein sollen, sind wie berichtet auch ein Fall für den Wiener Staatsanwalt Ronald Schön, der sich schon um die Refco-Kredite kümmerte. Schön, der in ständigem Kontakt zur US-Börsenaufsicht SEC steht, vermutet "einen Zusammenhang zwischen den Geschäften", wie er erklärte.

Wie die Verluste in den Bilanzen möglicherweise verdaut worden sind, stellt die Zeitung vereinfacht so dar: Ein Geschäft geht schief, der Verlust wird nicht als solcher verbucht, sondern als nicht werthaltige Anleihe, Forderung oder Beteiligung oder Kombination aus all dem ausgewiesen. Das bleibt so, bis sich ein außerordentlicher Ertrag auftut: Dann wird im Gleichschritt dieser Ertrag verbucht und die nicht werthaltigen Aktiva werden abgewertet - sodass die ganze Transaktion nicht weiter auffällt. Außerordentliche Erträge gab es in der BAWAG jedenfalls immer wieder gegeben: nach dem Verkauf von max.mobil, der Mobiltel, der 10-prozentigen Refco-Beteiligung, der Beteiligung an der Investkredit. Und ihre Lotterien-Anteile hat die Gewerkschaftsbank durch Einbringung in eine Holding 2005 wie berichtet aufgewertet.

BAWAG verliert an Wert
Dass der ÖGB mit der Bedienung des Kredits, den er für den Rückkauf der BAWAG-Anteile aufgenommen hat, in Bedrängnis kommt, ist dem "Standard" zufolge unwahrscheinlich. Ursprünglich hatte der Verkäufer, die Bayerische Landesbank (BayernLB) den Kaufpreis gestundet, inzwischen wurde umgeschuldet. Die BAWAG-Anteile selbst dienen dem neuen Kreditgeber als Sicherheit - "aber die Bank wird von Tag zu Tag weniger wert, der Kreditgeber wird wohl bald nervös werden", wird ein Wiener Banker zitiert. (apa/red)