BAWAG-Chef Nowotny: Bank-Käufer sollte spezielle Kontakte zum ÖGB beibehalten

Vor allem Betriebsratskredite laufen "sensationell" Generali-Chef kann sich eine Beteiligung vorstellen

Geht es nach BAWAG-Chef Ewald Nowotny, sollten bei einem Verkauf der Gewerkschaftsbank die "speziellen Kontakte" zum ÖGB erhalten bleiben. "Wenn ich Käufer der BAWAG P.S.K. wäre, würde ich versuchen, mit dem ÖGB ein Kooperationsabkommen zu schließen", so Nowotny. Denn vor allem die so genannten Betriebsratskredite über den Verein Österreichischer Sparverein würden "sensationell" laufen.

"Am liebsten wäre mir überhaupt gewesen, wenn der ÖGB mit fünf oder zehn Prozent beteiligt bleibt, aber das geht nun nicht. Aber diese speziellen Kontakte sollten erhalten bleiben", so Nowotny im Interview mit dem "Kurier". Wenn der Käufer das Geschäftsmodell der größten Sparbank des Landes weiterführt, würde er gerne weiter zur Verfügung stehen. "Mein Wunsch ist es, das neue Geschäftsmodell weiterzuführen", so Nowotny.

Von der finanziellen Seite sei die Sache bei der BAWAG nun im Griff, so Nowotny, die Abflüsse hätten im Wesentlichen aufgehört, sie hätten eher Einlagen betroffen, und es sei vor allem ein Wiener Phänomen gewesen. Bei der Zahl der Konten habe es einen Zuwachs gegeben, mittlerweile gebe es mehr als 1,3 Millionen Konten.

Kreditseite läuft "sensationell"
Auf der Kreditseite laufe es jetzt "sensationell" gut, in den ersten fünf Monaten gebe es ein Plus von sieben Prozent. Vom diesjährigen Neugeschäft entfielen etwa 15 Prozent auf den Betriebsratskredit. "Und wir haben dazu die PSK-Schiene bei weitem nicht ausgeschöpft, da gibt es ebenfalls ein enormes Potenzial, etwa beim Fonds- und Versicherungs-Verkauf", so Nowotny.

Generali Österreich-Chef Karl Stoss sagte, er könne sich im Rahmen eines Konsortiums eine Beteiligung an der BAWAG im Ausmaß von 3 bis 5 Prozent vorstellen. Man habe aber mit möglichen Bank-Konsortialpartnern noch keine Gespräche geführt, so Stoss. Einen "Teaser", der von der Investmentbank Morgan Stanley verschickt wird und wichtige Informationen zur BAWAG enthält, würde sich Stoss abholen. Interessant sei die BAWAG P.S.K. als Vertriebspartner.

Verkauf ins Ausland einfacher
Ein Ausländer als Käufer wäre laut Nowotny aber wahrscheinlich einfacher. Die Sparvereine, die so erfolgreich sind, würden auch nicht jeden Käufer akzeptieren. Eine Filetierung könne es jedenfalls nicht geben.

Hinsichtlich Finanzinvestoren stelle sich die Frage, ob diese Art von Investoren, die die BAWAG dann in ein paar Jahren an die Börse bringen würden, zugelassen werden. Der Finanzminister sei dagegen gewesen, so Nowotny.

Personalstruktur wird geändert
Einen deutlichen Personalabbau nach einem Verkauf befürchtet Nowotny offensichtlich nicht: "Wir verfolgen eine Expansionsstrategie, und dazu braucht man Leute. Wir ändern allerdings die Struktur des Personals, hin zum Kunden", sagte er im Interview.

Von den alten Vorstände wolle die BAWAG umfassenden Schadenersatz einfordern, zum Beispiel auch die Wertminderung, wenn jemand in einem Betriebsgebäude der BAWAG Miteigentümer ist. Der jüngst unter die Kritik der Finanzmarktaufsicht (FMA) geratene Vorstandsdirektor Herbert Legradi bleibe im Vorstand. Er sei - im Gegensatz zu den anderen - 2000 und davor nicht im Vorstand gewesen. (apa/red)