BAWAG-Boss Nowotny nimmt Stellung: Bei Kubaner-Kündigungen "Fehler passiert"!

Vorauseilender Gehorsam: "Kein Cerberus-Befehl" Jetzt soll Ausnahmegenehmigung angestrebt werden

BAWAG-Generaldirektor Ewald Nowotny hat die Kündigung von Konten kubanischer Staatsbürger in Österreich durch die Bank mit der "vorausblickenden Neuordnung der Geschäftsbeziehungen in einzelnen Bereichen" vor dem Verkauf an den US-Fonds Cerberus begründet. Es sei eine autonome Entscheidung des Vorstands gewesen. Der Bank-Chef räumte allerdings ein, dass diesbezüglich nicht alles optimal gelaufen sei. "Da sind leider einige Fehler passiert, ich möchte mich dafür entschuldigen", sagte Nowotny in Wien.

Die Bank garantiere, dass durch die Kündigungen niemand der rund 100 betroffenen Kubaner zu Schaden kommen werde. Man wolle bei der Überführung der Geschäftsbeziehungen an andere Banken mitwirken. "Niemand verliert seine Bankverbindung", beteuerte Nowotny. Die BAWAG werde sich mit dem künftigen Eigentümer Cerberus bei den US-Behörden um eine Ausnahmegenehmigung bemühen.

"Diese Bank wird natürlich nach österreichischem Recht geführt", betonte Nowotny. In einer zunehmend globalisierten Welt ergäbe sich aber immer ein "Zusammenspiel mehrerer Rechtsräume", analysierte er den umstrittenen Schritt als einen "Globalisierungseffekt". Der Vorstand habe derzeit keinen amerikanischen Eigentümer, daher keinen Befehl oder Einfluss aus den USA erhalten. Im Kaufvertrag finde sich eine derartige Verpflichtung nicht, so der Bank-General. Als Vorstand habe man aber die Verpflichtung, "vorausblickende Risikoüberlegungen" anzustellen.

Wenn die angestrebte Ausnahmegenehmigung vorliege, werde man die gekündigten Kubaner gerne wieder als Kunden aufnehmen. "Wir würden sie gerne bei einer Fiesta Cubana wieder empfangen", sagte Nowotny, fügte aber hinzu, dass er dies für etwas unrealistisch halte. Wäre er selber nicht BAWAG-Generaldirektor, hätte er vermutlich in einer ersten Reaktion auch protestiert, dann aber die Entscheidung im wirtschaftlichen Zusammenhang gesehen.

Neben den Geschäftsverbindungen mit kubanischen Staatsbürgern werden auch die BAWAG-Verbindungen mit Kunden aus dem Iran, Nordkorea und einigen afrikanischen Ländern gekappt. Dies betreffe jedoch nur Unternehmen, nicht wie im Fall Kubas auch Privatpersonen, erklärte Nowotny. (apa/red)