Baut sich Putin schon Nachfolger auf? Iwanow als Vizepremier neuer starker Mann

Verteidigungsminister will bei Wahlen '08 kandidieren Serdjukow soll neuer Verteidigungsminister werden

Ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl hat der russische Staatschef Wladimir Putin seinen engen Vertrauten, Verteidigungsminister Sergej Iwanow, überraschend zum ersten Stellvertreter des Regierungschefs befördert. Zum Nachfolger Iwanows ernannte Putin während einer vom Fernsehen übertragenen Kabinettssitzung den bisherigen Chef der Steuerbehörde, Anatoli Serdjukow. Die Ernennung Iwanows heizte die Spekulationen um Putins Nachfolge weiter an. Gleichzeitig ernannte Putin den früheren Rebellenchef Ramsan Kadyrow zum Übergangspräsidenten von Tschetschenien.

Putin kündigte ferner an, er werde "den Verantwortungsbereich von Sergej Iwanow erweitern". Der bisherige Verteidigungsminister wird demnach nicht nur für den Bereich der Militärindustrie zuständig sein, sondern auch für eine Reihe privatwirtschaftlicher Belange. Nach Auffassung von Experten war Iwanows bisheriges Amt für seine politische Karriere "eher ein Hindernis als ein Vorteil". Als Verteidigungsminister habe der 54-Jährige viele Probleme innerhalb der Armee nicht lösen können. Sein Wechsel verdeutlicht nach ihrer Auffassung, dass er bei der Präsidentschaftswahl in die engere Kandidatenwahl komme.

Iwanow hatte wie Putin früher für den russischen Geheimdienst KGB gearbeitet und gilt als treuer Gefolgsmann des Staatschefs. Als Auslandsagent des KGB war er unter anderem in Schweden, in Großbritannien und in Kenia eingesetzt. Der heute 54-Jährige kommt wie Putin aus St. Petersburg; er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Der Staatpräsident ernannte zudem den früheren Rebellenchef Kadyrow zum Übergangspräsidenten in der abtrünnigen Kaukasusrepublik Tschetschenien. Wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete, versetzte Putin den bisherigen Amtsinhaber Alu Alchanow auf dessen eigenen Wunsch als stellvertretenden Minister ins Justizressort.

Kadyrow ist derzeit Ministerpräsident der Kaukasusrepublik. Der 30-jährige Sohn des 2004 ermordeten tschetschenischen Präsidenten Ahmad Kadyrow gilt als starker Mann Tschetscheniens, der de facto schon zuletzt - mit Unterstützung des Kreml - die Geschicke der Kaukasusrepublik lenkte. Russische Medien spekulierten bereits seit Monaten über seine baldige Ernennung an die Spitze der russischen Unruherepublik.
(APA/red