Baukonzern STRABAG geht an die Börse: Soll Erlös von 1,18 bis 1,35 Mio. Euro bringen

Bietet 28,2 Millionen Aktien zu je 42 bis 48 Euro Erlös für wird Russland- und Balkanexpansion genutzt

Der österreichisch-deutsche Baukonzern Strabag hat den Startschuss für seine Rückkehr an die Wiener Börse gegeben, von der sich das Unternehmen erst vor vier Jahren zurückgezogen hatte. Das Unternehmen verkauft jetzt bis zu 28,2 Millionen Aktien, davon bis zu 19 Millionen neue, und erhofft sich dadurch Erlöse von insgesamt bis zu 1,35 Mrd. Euro. Damit wäre die Transaktion das bisher größte IPO an der Wiener Börse. Nach dem kurzfristig abgesagten Börsegang im Mai d.J. waren bis fast zuletzt Zweifel an der Entschlossenheit der Strabag zum IPO geäußert worden.

Mit der Transaktion erhöht die Gesellschaft ihre Aktienanzahl auf bis zu 114 Mio. Stück. Neben einer Aufstockung um 16 Millionen sowie weiteren drei Millionen neuen Aktien im Rahmen einer möglichen Mehrzuteilungsoption ("Greenshoe") können Alteigentümer (Familie Haselsteiner und Raiffeisen/UNIQA) bis zu 9,2 Millionen Aktien verkaufen. Das Preisband für die angebotenen Aktien wird sich zwischen 42 und 48 Euro pro Anteilsschein bewegen. Damit würden bis zu 912 Mio. Euro in die Kassen des Unternehmens und bis zu 441 Mio. Euro in jene der Altaktionäre fließen, hieß es bei der Börsegang-Pressekonferenz der Strabag SE am Montag.

Zeichnungsbeginn der Aktie war der 8. Oktober, die endgültige Festsetzung des Ausgabepreises (Pricing) wird für 18. Oktober erwartet, am Folgetag soll die Erstnotiz erfolgen. Privatanleger, die mit 250 Aktien pro Zeichner bevorzugt bedient werden sollen, können bis zum 17. Oktober zeichnen, sofern die Kapitalerhöhung wegen hoher Nachfrage nicht vor der Zeit geschlossen wird. Nach Aussagen von mit dem Börsegang befassten Investmentbankern besteht unter professionellen Anlegern international Interesse an der Bauaktie. Der Börsegang soll etwa 2,5 Prozent des Emissionsvolumens kosten.

In den nächsten 14 Tagen werden auf Roadshows in europäischen Metropolen rund 200 Meetings abgehalten. Der Börsegang wird federführend von Deutscher Bank, Goldman Sachs und Raiffeisen Centrobank (RCB) betreuet. In den Retailvertrieb in Österreich wird auch die Erste Bank eingeschaltet. Strabag soll sofort knapp nach der Erstnotiz - voraussichtlich schon am 19. Oktober in den Wiener Leitindex ATX aufgenommen werden, kündigte Börse-Vorstand Heinrich Schaller an.

Verwendet werden sollen die Mittel vor allem für die große Wachstumshoffnung Russland. Dort will man sich langfristig bis zu verzehnfachen und damit um die 17.000 Mitarbeiter beschäftigten. Russland habe das Potenzial neben Deutschland und Österreich einer der drei größten Märkte des Unternehmens zu werden, so Haselsteiner. Die Frage sei dort, "nicht welchen Auftrag bekommen wir, sondern welchen nehmen wir an". Neben massiven Umsätzen, die man sich aus Bauaufträgen für Olympia 2014 in Sotschi erwartet, will man sich in dem Riesenland vor allem auf den Infrastrukturausbau konzentrieren, etwa bei den Autobahnen. Neben dem reinen Baugeschäft will die Strabag auch als Betreiber tätig werden, was "riesige Kapitalerfordernisse" zur Folge habe.

Daneben will man im Westeuropa vor allem im Straßenbau wachsen, lukrative Nischen sieht man etwa im Tunnelbau und im Baudienstleistungsbereich sowie eigene Rohstoffquellen wie etwa Kiesgruben oder Zementwerke aufstellen. Akquisitionen wollte Haselsteiner nicht ausschließen, "aber ich wüsste nicht, was zu haben ist". Die Liste der Kriterien, welche (größere) zur Strabag passen würden, sei jedenfalls lang. Bankschulden hat die Strabag nach dem Einstieg des russischen Milliardärs Oleg Deripaska laut Haselsteiner keine mehr.

Die Familie des Unternehmenschefs wird nach der Emission ein Viertel der Anteile minus drei Aktien halten, während Deripaska (Rasperia), Raiffeisen/UNIQA und Streubesitz auf jeweils 25 Prozent plus eine Aktie kommen werden. Der Umstand, dass seine Familie unter die Sperrminorität fallen wird, habe wegen des Syndikatsvertrags keinerlei reale Bedeutung, sagte Haselsteiner.

Seiner, Haselsteiners, Gruppe stehe das Recht auf die industrielle Führung der Unternehmens zu. Er selbst habe als Vorstandschef noch drei Jahre, danach "werden wir weitersehen, wenn es mir gutgeht". In fernerer Zukunft sei ein weiterer Rückzug der drei Kernaktionärsgruppen auf je 20 bzw. 17 Prozent nicht auszuschließen, hieß es. Die Abschichtung müsse aber immer symmetrisch passieren. "Es wird immer ein Triumvirat geben."

Zur Bewertung der Aktie - das genaue Pricing soll ja erst am 18. Oktober erfolgen - wollte Haselsteiner nicht direkt Stellung nehmen, ebenso wenig wie zu den Gewinnerwartungen für das heurige Jahr. Das Preisband von 42 und 48 Euro pro Anteilsschein entspreche - gemessen an den Analystenerwartungen - in etwa dem 20-fachen Gewinn (KGV) 2008. Risiken aus einer Korruptionsaffäre in Ostdeutschland (Chemnitz) bzw. aus dem, andauernden Streit mit dem Minderheitsaktionär des Stuttgarter Bauunternehmens Züblin, Eberhard Lenz, erwartet Haselsteiner keine. Weil der Preis der börsenotierten deutschen Tochter Strabag AG (Köln) derzeit "spekulativ überbewertet" sei, will das Unternehmen in der nächsten Zeit jedenfalls kein Übernahmeangebot machen.

(apa/red)