Barroso im Gasstreit um Einigung bemüht:
Kiew & Moskau zu Gesprächen aufgefordert

Ukraine deutet Einlenken im Streit mit Gazprom an Kiew startete Initiative für Unterstützung durch EU

Barroso im Gasstreit um Einigung bemüht:
Kiew & Moskau zu Gesprächen aufgefordert © Bild: Reuters/Scagnetti

Im Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine hat EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso beide Länder aufgefordert, ihre Verlässlichkeit als Energie-Lieferanten der Europäischen Union unter Beweis zu stellen. Er hoffe, dass die Verhandlungen über eine Lösung des Vertragsstreits fortgesetzt würden, sagte Barroso. Es sei "sowohl im Interesse der Ukraine als auch Russlands", als verlässlicher Lieferanten der EU zu gelten.

Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin und seine ukrainische Kollegin Julia Timoschenko hätten ihm in Telefonaten versichert, dass es "keine Auswirkungen auf Gaslieferungen an die EU" geben werde, sagte Barroso gegenüber dem "Hamburger Abendblatt". Gleichwohl werde die Union die Lage besonders an den Eingangspunkten der Gaspipelines zur EU "sehr genau" beobachten.

Ukraine signalisiert Einlenken
Die Ukraine hofft indes auf eine Einigung auf neue Preise und Lieferverträge bis zum 7. Jänner. Diesen Termin nannten sowohl Präsident Viktor Juschtschenko in Kiew als auch ein Berater von Regierungschefin Julia Timoschenko, wie die Agentur Interfax meldete.

Nachdem der russische Gasmonopolist Gazprom die Gaslieferungen wegen fehlender Verträge in die Ukraine gestoppt hatte, signalisierte Juschtschenko Verhandlungsbereitschaft. Die Ukraine sei nunmehr bereit, bis zu 210 US-Dollar (151 Euro) je 1.000 Kubikmeter Gas zu zahlen. Russland verlangt allerdings bisher 250 Dollar.

Angeschlagenes Russland will mehr Geld kassieren
"Ich bin überzeugt, dass noch ein paar Tage vergehen werden, bis wir eine Einigung finden", sagte Juschtschenko. Russlands Preisvorschlag nannte er passend für den "europäischen Markt", aber nicht für die Ukraine. Zudem will das finanziell angeschlagene Land von Russland künftig mehr Geld für die Durchleitung von Gas nach Westeuropa kassieren.

Rund 80 Prozent des russischen Gases für Westeuropa werden über Pipelines in der Ukraine gepumpt. Die Ukraine will die Transitgebühr von 1,7 Dollar je 1.000 Kubikmeter Gas je 100 Kilometer auf mindestens 2 Dollar anheben.

Diplomatische Initiative der Ukraine
Am Neujahrstag hatte die Ukraine den Versuch gestartet, die EU auf ihre Seite zu ziehen. Eine Delegation werde zunächst Tschechien, das die EU-Ratspräsidentschaft innehat, und dann andere EU-Länder besuchen, sagte ein Sprecher des ukrainischen Außenministeriums. Dabei solle es um das Problem der russischen Gaslieferungen für Europa gehen. Laut dem russischen Energiekonzern Gazprom ist Westeuropa nicht von dem Lieferstopp für die Ukraine betroffen.

Die USA riefen indes beide Seiten in dem Konflikt dazu auf, die humanitären Implikationen der Versorgungsunterbrechung zu beachten. "Die verlässliche Energieversorgung der Ukraine und des übrigen Europas unter transparenten Marktbedingungen ist wesentlich für Stabilität und Verlässlichkeit auf den regionalen und globalen Energiemärkten", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Gordon Johndroe.

Die Ukraine hat nach Gazprom-Angaben ausstehenden Rechnungen plus Verzugsgebühren nicht bezahlt, die sich auf über 2,1 Milliarden Dollar belaufen sollen. Naftogaz hat hingegen erklärt, dass die ausstehenden Schulden von 1,5 Milliarden Dollar bezahlt worden seien.
(apa/red)