Schock-Diagnose von

Barbara Prammer: Mein Leben mit Krebs

Nationalratspräsidentin sagt im NEWS-Interview, wie sie mit der Diagnose umgeht

Barbara Prammer spricht über ihr Leben mit der Krankheit Krebs. © Bild: NEWS/Ricardo Herrgott

Vor acht Wochen, mitten im Wahlkampf, war Barbara Prammer plötzlich mit der Diagnose Krebs konfrontiert. Zwei Wochen nach dem Schock nahm sie öffentlich dazu Stellung, denn es war ihr sofort klar gewesen, dass nachgefragt würde: „Man kann nicht plötzlich mitten im Wahlkampf von der Bühne verschwinden – das geht nicht. Also habe ich mir gedacht: Dann halt gleich ganz.“ Letzte Woche leitete Prammer die konstituierende Nationalratssitzung und wurde wieder zur Präsidentin gewählt: von allen beobachtet, aber auch freundlich bestärkt. Wie sie mit der Diagnose lebt und warum sie nur an ihrer Arbeit gemessen werden will, sagt Barbara Prammer im großen NEWS-Interview.

NEWS: Frau Präsidentin, wie geht es Ihnen?
Prammer: Mir geht es gut. Aber natürlich ist alles anders als es vorher war. Anderes zu sagen, wäre die absolute Unwahrheit. Mein Leben hat sich stark verändert. Man lebt in einem anderen Rhythmus, hört mehr in sich hinein und nimmt auf sich selber plötzlich Rücksicht – was vorher nicht immer der Fall war.

NEWS: Hat sich Ihr Blick auf Ihr Leben verändert?
Prammer: Naja, schon, natürlich. Aber ich will mich nicht in den Mittelpunkt stellen. Ich bin nicht mehr und nicht weniger als eine von 50.000 Neuerkrankten im Jahr. Mir ist klar, dass nicht jede Krankheit gleich verläuft, dass es ganz unterschiedliche Behandlungsmethoden und Stadien gibt. Mir ist nur wichtig, dass man wirklich das Gefühl hat, man kann sich auf die Ärzte verlassen. Das haben mir viele Menschen geschrieben. Eigentlich hat sich niemand beschwert.

NEWS: Sondern?
Prammer: Was sie mir geschrieben haben: Krebs ist ein absolutes Tabuthema. Mir war nicht bewusst, wie groß das Tabu ist. Und wie groß die Unfähigkeit von Angehörigen, Freunden, am Arbeitsplatz ist, mit dieser Diagnose umzugehen. Viele Menschen wissen nicht, ob sie sich jemandem anvertrauen können oder nicht. Für die einen wäre eine Pensionierung notwendig, und dabei macht man ihnen das Leben schwer. Andere würden gerne weiterarbeiten, denen wird aber nahegelegt, in Pension zu gehen. Oder sie werden im Krankenstand gekündigt. Das war mir so nicht bewusst. Ich habe Kontakt mit der Krebshilfe und bin überzeugt, dass ich aus meiner Erfahrung Schlüsse ziehen muss. Ich kann es nicht einfach beim Beantworten von Mails oder Briefen belassen. Da hat man als öffentliche Person schon eine gewisse Verantwortung.

NEWS: Sie haben für den offenen Umgang mit der Krankheit enorm viel Anteilnahme bekommen. Gibt Ihnen das Kraft?
Prammer: Natürlich. Enorm. Das ist das Schwierigste, mit dem man umzugehen lernen muss: Man findet sich plötzlich in einer ganz anderen Situation wieder, und man wird plötzlich anders gesehen. Ich will kein Mitleid, und ich will nicht plötzlich anders bewertet werden. Ich habe mich entschieden weiterzuarbeiten. Und ich will nur aufgrund meiner Arbeit bewertet werden. Natürlich tut es gut, wenn man sieht, dass es den Menschen nicht egal ist, wie es einem geht. Aber es ist wichtig, das auseinanderzuhalten.

NEWS: Wollen Sie anderen Krebskranken Mut machen?
Prammer: Mut machen heißt, das einzufordern, was jemand braucht, um wieder gesund zu werden. Nicht alle können gesund werden: Dann geht es darum, bestmöglich zu leben.

NEWS: Sie scheinen Ihrer Arbeit so wie immer nachzugehen.
Prammer: Nein, tue ich nicht. Ich kann, und da bin ich ein bisserl bevorzugt, meine Therapie so legen, dass ich den Wochenplan nicht verändern muss. Ich nehme an, es wird Situationen geben, wo ich sagen muss: Das geht jetzt nicht. Jeder kann einmal krank sein, man muss sich die Latte nicht höher legen als notwendig.

NEWS: Ist Arbeit für Sie auch Therapie?
Prammer: Unbedingt. Das hat mir Professor Zielinski von Anfang an gesagt. Er hat mich offensichtlich vom ersten Augenblick an durchschaut.

NEWS: Können Sie nicht leiser treten?
Prammer: Ich will nicht. Es klingt eigenartig. Irgendwann, wenn man so lange in der Politik steht, wird die Politik das Leben. Es ist mein Leben.

Das ganze Interview finden Sie im aktuellen NEWS in Ihrem Zeitschriftenhandel oder als iPad-Version.

Kommentare

Ist das ihre einzige "Leistung"?
Als hochbezahlte Parlamentspräsidentin muss man ihr sagen, dass sie den längst fälligen Parlamentsumbau nicht geschafft hat.
Mitleid bekommt man geschenkt, Leistung und Anerkennung muss man sich erarbeiten.
Gute Besserung!!!

Aber es gibt hervorragende Ärzte, die auch bei Krebs ihr Bestes geben. Die stehen aber in keinen News Rankings !!... Warum wohl???.... Wie kommen die wohl zustande???......

Krebspatienten werden NICHt gleich gut behandelt. Natürlich nicht. V.a, im AKH NICHT! Als ehem.Betroffener weiß ich wovon ich spreche. Und auch hier im Ärzteranking von News, gibts keine Wahrheit!!!!! Ärzte erwähnt, die viele Fehler machten, mit ....Ausgang.
Und dr.Barbara Fellner ist erst in Ausbildung! Nicht. Kardiologin,keine Wissenschafterin, keine Publikationen, keine Ordi, nichs. Fellner!!

christian95 melden

Krebspatienten werden in Österreich gleich behandelt, manche gleicher; - viel gleicher sogar.

Frustriert melden

Als Betroffene kann ich Ihnen guten Gewissens widersprechen. Ich bin ein unbekanntes Würmerl, aber ich war zu jeder Zeit bei jedem/r Arzt/Ärztin sehr gut aufgehoben. Bei Krebs geht es nicht anders, da muss mit dem Patienten eine Arbeitsgemeinschaft gebildet werden. Und es ist sehr wohl möglich, auf das tägliche Leben und die Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen. Mein spezieller Dank gilt dem Hanusch KH

Cherie60 melden

...Wenn sie aber meint, sie sei nur bei den Therapieterminen ein BISSCHEN privilegiert, dann zeigt es mir leider, dass sie trotz der vielen Kontakte zu anderen Kranken, die sie nun angeblich hat, KEINE AHNUNG hat, wie es einem Krankenkassenpatient nach der Diagnose Krebs ergeht. Das fängt schon mit dem Operationstermin an, obwohl man uns weismachen will, dass es keine 2-Klassenmedizin gibt!

christian95 melden

100% richtig!
Etwa die Hälfte der Österreicher ist damit zufrieden und wählt weiterhin SPÖ+ÖVP. (2 Klassen Medizin, Rekordstaatsschulden, Rekordarbeitslosigkeit, höchste Steuerbelastung in der EU usw.)
Nur wer Veränderung wählt kann auch Veränderungen erwarten!

Frustriert melden

Liebe Cherie, haben Sie selbst schlechte Erfahrungen gemacht? Bei mir war es so, dass ich 4 Wochen nach dem ersten Verdacht bereits operiert wurde. Und wie ich weiter oben bereits erwähnte, bin ich absolut kein Mensch des öffentlichen Interesses. Ich bin eine ganz normale Bürgerin dieses Landes. Und auch ohne Zusatzversicherung. :-))

giuseppeverdi melden

Wenn das so ist liebe/r Frustriert, dann frage ich Sie aber, warum Ihr Nick "Frustriert" und nicht "vollzufrieden" lautet?

Cherie60 melden

zu Frustiert: Ja, ich habe selbst schlechte Erfahrungen gemacht. Wenn einem eine Ärztin in der für die Operation (Diagnose: extrem schnell wachsender Tumor) zuständigen Abteilung sagt, dass es nichts macht, wenn man monatelang darauf warten muss, weil es Jahre waren, in denen der Tumor gewachsen ist, kann man wohl so dazu sagen. Danke giuseppeverdi, Sie sprechen mir aus der Seele!

Frustriert melden

Das glaube ich jetzt aber nicht. Hier geht es nicht um irgendwelche Nicks, oder?? Ich habe vor etwa 2 jahren diesen Namen gewählt, weil es um politische Themen ging. Ich gehöre nicht zu den Personen, die hier 20 verschiedene Nicks anlegen. Also das waren jetzt glatte Themenverfehlungen!

Cherie60 melden

Aha, glatte Themenverfehlung, obwohl ich Ihnen auf Ihre Frage geantwortet habe (hätte ich mir sparen sollen). Aber Ihr Kommentar, in dem es gekränkt NUR um Ihren Nick geht, ist keine?!!! Die 2-Klassenmedizin ist Tatsache, auch wenn es mal vorkommt, dass ein Krankenkassenpatient auch schnell operiert wird. Ich wünsche Ihnen, dass Sie gesund bleiben und Ihren Glauben nicht verlieren!

Ich wünsche jedem Krebskranken von Herzen alles Gute und dass er trotz der teuflischen Krankheit möglichst wieder gesund werden kann bzw. den Rest seines Lebens wenigstens halbwegs menschlich verbringen kann - so natürlich auch Frau Prammer.

AdLa melden

Ich bewundere Sie über ihre Offenheit und Härte zu diesem Thema. Geben Sie nicht nach, und bleiben uns noch lange als beliebte Politikerin erhalten. Alles Gute ! Ein Bergmann.

christian95 melden

Jawohl, alles Gute!
So wie ihre Vorgänger hat sie, obwohl fürstlich bezahlt, den längst fälligen Parlamentsumbau nicht geschafft.

giuseppeverdi melden

Jawohl auch alles Gut! Aber wer bleibt und seinen Job weiter ausübt, muss auch Kritik vertragen. Und weitergebracht hat die Frau - siehe Parlamentsumbau - garnichts ausgenommen, dass sie als jene Präsidentin in die Geschichte des Parlament eingehen wird, die eine der parteiischten Präsidenten der Geschichte war - eine Erz-Rote halt!

Gerti Lehmann
Gerti Lehmann melden

Sehr reale Schilderung der Situation in der man als Krebskranker ist.Und leider hat man damit auch nicht so gute Anbindungen wie Frau Prammer,man braucht etwa nur in der NEWS zu schauen welcher Onkologe Kassenpatienten hat(ich hab keinen gefunden).
Als selbst chronisch Krebskranke wünsche ich ihr das Beste und eine Umwelt die klar ist und fragt wenn sie Antworten will.

Martina Michaela
Martina Michaela melden

Ein Leben mit Krebs ist scheisse, meine Familie ist auch betroffen, deswegen sollte man das nicht so gross in die Welt präsentieren. Trotzdem gute Besserung und alles Gute.

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