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Barbara Karlich: "Das habe
ich vom Leben gelernt"

Menschen - Barbara Karlich: "Das habe
ich vom Leben gelernt" © Bild: Stefan F?rtbauer / picturedesk.com

Zum 50. Geburtstag von Barbara Karlich im Jänner: Die Rekord-Talkerin des ORF verrät, was sie so erfolgreich macht. Die Erkenntnis, dass Glück nur kurz dauert, gehört dazu.

Mehr als zufrieden kann Barbara Karlich ihrem 50. Geburtstag am 7. Jänner entgegenblicken. Ihre Sendung "Die Barbara Karlich Show" (werktags, ORF 2,16 Uhr) feiert im kommenden Jahr 20-jähriges Jubiläum und hat anhaltend respektable Quoten im Rücken (rund 210.000 Zuseher bei 21 Prozent Marktanteil). Mit diesem dauerhaften Erfolg steckt die Burgenländerin deutsche Talkkollegen von Hans Meiser bis Ilona Christen in die Tasche, die das Format Mitte der Neunzigerjahre prägten: Die längstdienende Talkerin im deutschsprachigen Raum ist Karlich. Mit dem Titel "Jeder verdient eine zweite Chance" startete die Newcomerin am 27. Oktober 1999 ihre Talkshow. Im April 2018 bilanzierte man bei Sendung Nummer 3.500 und rund 32.000 Talkgästen.

Ihren Beruf liebt sie noch immer von ganzem Herzen. Die Hingabe, das Sicheinlassen ist eines ihrer Erfolgsgeheimnisse. Karlich lacht und weint mit ihren Gästen, traut sich nachzuhaken und führt nie jemanden vor. Darüber hinaus gibt es einige philosophische Gedanken und Lehren aus ihrem Erfahrungsschatz, die sich als erfolgreiche Lebensmottos manifestiert haben. Sich an sie zu erinnern, hilft in schwierigen Phasen. News bat den TV-Star zum zweifachen Jubiläum, seine besten Lebenslehren zu teilen. Das Ergebnis zeigt, dass Karlich es gerne tut -es passt zu ihrer empathischen Art.

LEHRE NUMMER 1 "Ich will niemandem gefallen außer mir selbst"

Diese Einstellung wurde der Fernsehmoderatorin in die Wiege gelegt. Sie gibt zu: "Ich habe immer an mich geglaubt, wollte niemandem gefallen, nur mir selbst." Dass es wichtig ist, wie man über sich selbst urteilt und denkt, ergibt sich daraus. Karlich formuliert einen ihrer Lieblingsleitsprüche dazu gern auch auf Englisch: "What you think of yourself is more important than what you think others think of you! Herrlich!"

Diese Einstellung hat der Tochter eines Unternehmers und einer Bibliothekarin geholfen, nach einem Studium an der Universität in Wien (Publizistik, Psychologie, Theaterwissenschaften) und dem Hochschullehrgang für Öffentlichkeitsarbeit eine scheinbar ferne Karriere in den Medien zu verfolgen. Es waren ein Volontariat im Landesstudio Burgenland, Jobs in Werbeagenturen und schließlich die Morgenmoderation beim Privatsender 92,9, die den Weg zum ORF ebneten. Schon in der Anfangszeit des Privatradios 1998 beeindruckte in der täglichen Morgenshow "Barbarella und die Morgencrew" Karlichs gewitztes Selbstbewusstsein. Möglich, dass Intendantin Kathrin Zechner sie deshalb als Moderatorin der neuen Talkshow ein Jahr später zum ORF holte. Karlich konnte immer schon über sich lachen, wie sie sagt: "Über die eigenen Fehler lache ich selbst am lautesten. Wer lächelnd durch die Welt geht, kann nur gewinnen."

LEHRE NUMMER 2 "Mit deinen Gedanken erschaffst du deine Wirklichkeit"

So lautet der wichtigste Gedanke aus einer Gedankenkette, die sowohl dem Talmud als auch einem chinesischen Ursprung zugeschrieben wird und Karlich beim ersten Mal Hören begeistert hat:

Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte,
Achte auch auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn Sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.

"Ich habe das gehört, und mein Herz hat einen Sprung gemacht. Denn: Genau so ist es!", erzählt sie. Der Aphorismus erinnert sie daran, positiv zu denken. "Manchmal bleibt es beim Versuch, aber ich übe", erklärt sie. Denn dass unsere Gedanken unsere Wirklichkeit erschaffen, daran glaubt sie. "Alles, was man denkt, wird irgendwann wahr. Wie wir denken, so kommt es, so passiert es. Also versuche ich, positiv zu denken."

Wichtig dabei laut Karlich: "Mit der Vergangenheit soll man Frieden schließen, damit sie einem nicht die Gegenwart vermasselt!"

LEHRE NUMMER 3 "Das Glück dauert höchstens sieben Wochen"

Diese Erkenntnis ist keine traurige, meint die Moderatorin. Sie soll vielmehr helfen, auch das kleine Glück zu schätzen. Denn egal, was man sich erträumt -sei es ein Auto, ein Haus, ein Partner -, es mache einen ohnehin nur sieben Wochen lang glücklich. "Dann sind wir wieder da, wo wir vorher waren. Deshalb suche ich das Glück jeden Tag in kleinen Dosen", beschreibt Karlich.

Und dann zitiert sie John Lennons Geschichte über das Glück. Als er fünf war, hatte ihm seine Mutter gesagt, das Wichtigste im Leben sei, glücklich zu sein. Als er in die Schule kam und aufschreiben sollte, was er werden wollte, schrieb er: "Glücklich." Sie sagten ihm, er hätte die Frage nicht richtig verstanden. Und er antwortete ihnen, dass sie das Leben nicht richtig verstanden hätten.

Karlich sucht die kleinen täglichen Glücksmomente in der Stille. "Ich meditiere viel und brauche meine Plätze, wo ich niemandem begegne außer Tieren, also im Wald zum Beispiel. Aus dieser Zufriedenheit hole ich mir meine Glücksmomente."

LEHRE NUMMER 4 "Man sollte etwas haben, für das es sich lohnt, morgens aufzustehen"

Die Talkerin bezeichnet diese Erkenntnis als absolutes Lebensmotto und Lebensziel. "Ikigai ist japanisch und bedeutet frei übersetzt ,wofür es sich zu leben lohnt' oder ,die Freude und das Lebensziel'. Ich will nie, nie, nie in Pension gehen", macht sie klar, dass es der Beruf ist, der sie derart erfüllt. Nicht falsch verstehen, erklärt sie: "Ich habe höchsten Respekt vor Menschen, die schwer körperlich arbeiten und sich diese Ruhe gönnen müssen. Aber auch sie sollten gebraucht werden, also für jemanden anderen wichtig sein." Einen Grund haben, morgens aufzustehen eben. Karlich selbst kann sich dabei vorstellen, bis zuletzt auf einer Bühne zu stehen. "Meine Arbeit ist anders anstrengend. Sie raubt einem Energie, aber sie ist körperschonender. Von daher ist es verständlich, wenn wir Künstler arbeiten, bis wir tot umfallen auf der Bühne des Lebens."

LEHRE NUMMER 5 "Der einzige Weg, die Liebe zu finden, ist, sie nicht zu suchen"

Über die Liebe sagte Barbara Karlich vor fünf Jahren in einem Interview, sie sei die stärkste Macht im Leben, ohne die sie nicht sein wolle. Zweimal ist sie ihr im Leben bereits derart intensiv begegnet, dass geheiratet wurde. Zwei Scheidungen folgten. Einmal kam die Liebe in ihrer reinsten, ewigen Form in Gestalt von Tochter Gloria, die zehn Jahre alt ist.

"Der Liebe zu begegnen, ohne sie zu suchen, ist der einzige Weg, sie zu finden", beschreibt die Moderatorin ihre Lebenslehre in Sachen Liebe und erklärt weiter: "Wie schön, wenn sie einem begegnet, die große Liebe, ein herrliches Gefühl. Und es ist dann richtig gut, wenn dabei niemand anderer auf der Strecke bleibt."

LEHRE NUMMER 6 "Locker bleiben!"

Man sieht es ihr an: Karlich ist niemand, der vorschnell die Flinte ins Korn wirft. Die Volksweisheit "Aufgeben tut man einen Brief" kommt einem in den Sinn, wenn sie optimistisch vom Leben erzählt. Derart begegnet sie auch Schwierigkeiten, Krisen, herausfordernden Situationen. "Lässig bleiben" lautet ihre Lebenslehre diesbezüglich. Denn: "Wenn Plan A nicht funktioniert hat, gibt es noch immer 25 weitere Buchstaben im Alphabet."

Sie habe gelernt, dass sich "irgendwie immer alles ausgeht", meint sie. Dass es besser sei, locker an Dinge heranzugehen. Und wenn sonst gar nichts hilft: "Loslassen, immer wieder loslassen In der Ruhe liegt die Kraft."

Und dann ist es wieder da, das Thema Liebe. Denn die Frau, die jeden Werktag nachmittags in Österreichs Wohnzimmern Stammgast ist, möchte noch einen besonderen Gedanken teilen. Einen Denkanstoß für das neue Jahr, in dem sie 50 Jahre alt wird und sich über ihre vorwiegend positive Lebensbilanz glücklich schätzen kann. "Zum Schluss vielleicht etwas für uns alle, die wir uns am Ende des Tages doch nach Frieden sehnen: Buddha war kein Buddhist, Jesus war kein Christ, Mohammed war kein Muslim. Sie alle lehrten den Weg der Liebe. Liebe war ihre Religion."

Der Beitrag ist ursprünglich in der Printausgabe von News (Nr. 51-52/2018) erschienen!