Bank Burgenland wird steirisch: Kauf durch Grazer Wechselseitige Versicherung fixiert!

Preis: 100 Mio. € - Ukrainische Bieter ausgestochen LH Niessl: "Ausgezeichnete österreichische Lösung"

Bank Burgenland wird steirisch: Kauf durch Grazer Wechselseitige Versicherung fixiert!

Die Bank Burgenland wird am 30. Juni 2006 steirisch. Die Grazer Wechselseitige Versicherung (GraWe) werde an diesem Tag den gesamten Kaufpreis in der Höhe von 100,3 Mio. Euro bezahlen, sagte der burgenländische Finanzlandesrat Helmut Bieler. Die GraWe werde auch eine Kapitalaufstockung in der Bank Burgenland über 40 Mio. Euro durchführen, so Bieler.

Die Bank Burgenland wird innerhalb der GraWe als eigenständige Regionalbank geführt werden, erklärte GraWe-Generaldirektor Othmar Ederer. Im angrenzenden Westungarn soll das Geschäftsfeld ausgeweitet werden.

Das Interesse der GraWe an der Bank Burgenland begründete Ederer mit dem forcierten Engagement seines Hauses im Bankenbereich. "Sie ist uns als gute Ergänzung erschienen und das Due Dilligence hat das bestätigt", so Ederer. Beim Versicherungsgeschäft und den Wertpapieren schließlich will man Synergieeffekte nutzen. Die steirische GraWe ist im benachbarten Kärnten an der Hypo Alpe Adria Bank beteiligt und betreibt selbst auch die Capital Bank.

Für den burgenländischen Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Steindl fand "eine lange Geschichte einen positiven Abschluss. Der Bestbieter hat den Zuschlag erhalten." Auch der Privatisierungsberater HSBC habe die Steirer als Bestbieter gereiht.

Alle Kaufkriterien erfüllt
Alle sechs im September des Vorjahres geforderten Kriterien seien mit dieser Lösung erfüllt, so Steindl: Die Höhe des Kaufpreises und die Sicherheit der Kaufpreiszahlung, der Erhalt der Selbstständigkeit der Bank, die Weiterführung unter Vermeidung der Inanspruchnahme der Ausfallshaftung des Landes, Vornahme allenfalls notwendiger Kapitalerhöhungen, die Transaktionssicherheit und die zeitlichen Erfordernisse bei der Durchführung dieser Transaktion.

Die Bank Burgenland hat eine Bilanzsumme von rund 3,3 Mrd. Euro und beschäftigt mehr als 300 Mitarbeiter. Im Jahr 2000 musste das Kreditinstitut nach einem teuren Kreditskandal mit Landeshilfe vor der Pleite bewahrt werden.

LH Niessl zufrieden: "Ausgezeichnetes Ergebnis"
Landeshauptmann Hans Niessl sprach von einem "ausgezeichneten Ergebnis". Der Verkauf an die GraWe sei eine vernünftige Lösung, "weil es auch eine österreichische Lösung ist." Er hob vor allem die zugesagte Bestandsgarantie hervor.

Unterlegen ist im dem Bieterrennen um die größte Bank des Burgenlands ein ukrainisches Bieterkonsortium um den Mischkonzern Ukrpodshipnik und das Stahlunternehmen Ilyich. Noch am Samstag Abend hatten die Ukrainer nach eigenen Angaben ihr Kaufpreisangebot von zuvor 140 auf 155 Mio. Euro nachgebessert. Die Ukrainer wollen sich heute in einer Pressekonferenz äußern.

FPÖ hat "keine Freude", Grüne wollen Details
Er habe "keine Freude" mit der Entscheidung, kommentierte FPÖ-Landesgeschäftsführer Norbert Hofer die Bekanntgabe des Verkaufes: "Wir sind für den Verkauf an den Bestbieter, vor allem dann, wenn das Angebot des Bestbieters rund 55 Mio. Euro über dem Angebot der Grazer Wechselseitigen liegt." Damit sprach er auf das ausgeschlagene Offert der Ukrainer an.

Sie frage sich, "warum es drei Versuche hat geben müssen, damit das professionell abläuft, was dieses Mal anscheinend der Fall sein dürfte", sagte die grüne Klubobfrau Grete Krojer. "Man hat jetzt endlich die verhandeln lassen, die sich auskennen", was zeige, "dass die SPÖ aus ihren Fehlern offensichtlich gelernt hat."

Sich zum Verkauf selbst zu äußern, sei derzeit schwierig, man wolle sich die ausverhandelten Bedingungen noch im Detail anschauen: "Wir wollen jetzt von der Regierung diese Information aus erster Hand haben und das Gutachten der HSBC sehen." Aufs erste höre sich das Ergebnis an, "als wären es Bedingungen, die gut sind."

(apa/red)