Bank Burgenland behält Eigenständigkeit: Grazer Wechselseitige setzt auf Kontinuität

Ederer: "Kauf soll sich ab dem dritten Jahr rechnen" Anzahl der Mitarbeiter und Filialen bleibt bestehen<br>Unterlegene Ukrainer: "Verkauf an Wenigstbieter"

Den Zuschlag des Landes Burgenland für die Grazer Wechselseitige Versicherung (Grawe) beim Kauf der Bank Burgenland (BB) begründete Vorstandschef und Generaldirektor Othmar Ederer mit "dem Preis verbunden mit einer attraktiven Gewährleistung - wir sind für die Finanzmarktaufsicht eine einschätzbare Größe". Eine Synergie ergebe sich sicher im Versicherungsgeschäft, bisher bei der BB eher von geringer Bedeutung. Der Grawe-Chef meinte, der Deal werde sich für sein Unternehmen ab dem dritten Jahr rechnen.

Die Beurteilung des Käufers sei entscheidend, denn dies könne noch lange auf den Verkäufer rückwirken, meinte Ederer. Das Land Burgenland hafte ja für alle Obligationen, dies alles würde sich im Bereich von über zwei Mrd. Euro bewegen. Man bekomme mit der BB auch ein Instrument, um über den Bankschalter Versicherung verkaufen zu können, was bei der BB bisher eher den Mitbewerbern zu Gute gekommen sei. Allerdings habe das Versicherungsgeschäft bei der BB bisher eher einen kleinen Anteil ausgemacht, meinte Ederer.

Burgenländer stehen hinter Grazer Wechselseitige
Man hoffe, dass auch die Kunden der BB dem neuen Eigentümer positiv gegenüber stünden, denn nun könne man sich auf die Zukunft konzentrieren. Siegfried Grigg, Vize-Generaldirektor und stellvertretender Vorstandschef, meinte dazu, Burgenlands LH Hans Niessl habe ihm erzählt, "von zehn Bürgern, mit denen er in den vergangenen Wochen geredet habe, hätten sich elf für die Grawe als künftigen Partner ausgesprochen". Einen zusätzlichen Vorteil habe der Deal auch noch, sagte Grigg: "Ab sofort können sich die Mitarbeiter wieder auf die Kunden konzentrieren und müssen nicht immer mit den Klienten über die Zukunft des Unternehmens sprechen."

Die Grawe sei in der Lage, die Bank Burgenland ausreichend mit Eigenkapital zu versorgen, es könnte sich dabei vorerst um eine Kapitalerhöhung im Ausmaß von rund 40 Mio. Euro handeln. "Wir haben eine Bilanzsumme von 2,6 Mrd. Euro", so Ederer. Da lasse sich sowohl der Kaufpreis von 100,3 Mio. Euro als auch eine Kapitalaufstockung bewerkstelligen.

Verschmelzungsüberlegungen mit den anderen Bankenbeteiligungen wie der Kärntner Hypo Alpe-Adria hege man keine, wiewohl man aber Synergien nützen werde, etwa im Auslandsgeschäft.

Auch die Zahl der Mitarbeiter und der Filialen werde gleich bleiben. Konzentrieren soll sich die BB auf den Heimmarkt und Westungarn, ein Auftritt in der Oststeiermark ist nicht geplant: "Das Geschäftsgebiet ist im Großen und Ganzen abgesteckt", meinte der Generaldirektor.

Am Freitag Vormittag soll im Landhaus in Eisenstadt der Vertrag unterschrieben werden. Der Beschluss im Landtag ist für Donnerstag in einer Woche (16. März) geplant. Über die Vorgangsweise müsse man sich noch innerhalb der Präsidiale verständigen, so SPÖ-Klubobmann Christian Illedits am Montag Nachmittag. Da die Regierungsvorlage zum Bankverkauf zuerst im Landtag einlaufen muss, ist eine zweite Sitzung notwendig. Diese kann nach Beendigung der Landtagssitzung am 16. März, theoretisch aber auch an einem anderen Tag stattfinden.

Ukrainer kritisieren "Verkauf an Wenigstbieter"
Der Verkauf ist nach Ansicht des unterlegenen ukrainischen Konsortiums ein "Verkauf an den Wenigstbieter". Das EU-Land Österreich habe damit klar zu verstehen gegeben, dass ukrainische Investoren im Burgenland nicht willkommen seien, kritisierte die zum ukrainischen Mischkonzern Ukrpodshipnik gehörende österreichische SLAV AG.

Das Ergebnis des Privatisierungsverfahrens habe man zuerst nur über die Medien erfahren, heißt es in der Mitteilung. Ob dieser Imageschaden "im Lichte der Reziprozität" wirtschaftliche Auswirkungen für Österreich und seine Unternehmen in der Ukraine haben werde, werde die Zukunft zeigen.
(apa/red)