Bank Austria nicht mehr an der Börse:
Aktien-Börsenhandel ab sofort eingestellt

Anfechtungsklagen der Kleinaktionäre zurückgezogen Streit mit Aktionären um Abfindungshöhe geht weiter

Bank Austria nicht mehr an der Börse:
Aktien-Börsenhandel ab sofort eingestellt © Bild: APA/Jäger

Es war ein vergleichsweise leiser Abschied: Dienstag Abend ist die Aktie der zur UniCredit gehörenden Bank Austria an der Wiener Börse zum letzten Mal gehandelt worden. Sie beendete mit 142,60 Euro den Handel. Nun wurde der für den Aktienhandel in Wien längst nicht mehr relevante Titel von der Börse (Segment standard market auction) genommen - mit Wirkung vom 20. Mai 2008. Voraussetzung war, dass kritische Streubesitzaktionäre ihre Anfechtungen gegen die vorjährigen Squeeze-Out-Beschlüsse zurückzogen.

Nach der jetzigen amtlichen Eintragung des Squeeze Out - also der Abspaltung des auf dreieinhalb Prozent geschrumpften Streubesitzes - hat sofort das Delisting eingesetzt, das UniCredit mehr als ein Jahr lang vergeblich betrieben hatte. Nun sind die Dritt-Aktionäre hinausgedrängt.

Die Mailänder UniCredit bietet dem Streubesitz 129,40 Euro je Aktie. Die Bank Austria-Streubesitzaktionäre kündigten heute an, weiter für mehr Abfindung kämpfen zu wollen.

Knappes Statement
Nun gab die Bank Austria auch formell bekannt, "dass das Handelsgericht Wien den Beschluss der Hauptversammlung der Bank Austria Creditanstalt AG vom 3. Mai 2007 auf Ausschluss aller Inhaberaktien haltenden Minderheitsaktionäre im Firmenbuch eingetragen hat und damit "alle Verfahren gegen Beschlüsse dieser Hauptversammlung beendet sind." Die Börsenotierung werde daher ebenfalls beendet, so das knappe Statement.

Die Bank war lange Zeit eines der Schwergewichte der Wiener Börse. Seitdem UniCredit Konzernmutter ist und nur mehr rund dreieinhalb Prozent der Bank Austria-Aktien im Free Float waren - und dieser Streubesitz mit Hilfe aggressiver Fond zudem um höhere Abfindungen kämpfte - war nicht mehr viel Bewegung in der Aktie. Nicht betroffen vom Squeeze-out sind die Namensaktien von Betriebsratsfonds und AVZ-Stiftung.

Teil der UniCredit
Der Abschied von der Börse passiert wegen des Streits mit dem Streubesitz fast ein Jahr später als von UniCredit ursprünglich ins Auge gefasst. Und er erfolgt nur wenige Wochen nach dem endgültigen Aus für den Namens- und Markenbestandteil "Creditanstalt".

Es ist erst knapp fünf Jahre her, dass die Bank Austria - freilich noch unter ihrer alten Eigentümerin und nunmehrigen "Schwester" im UniCredit-Konzern, der bayerischen HVB, an der Wiener Börse wieder eingeführt worden war. Im Juli 2003 war es die größte Neuemission in Wien im ersten Halbjahr. Mit "Welcome back home" hatte der seinerzeitige Börsevorstand damals am 9. Juli 2003 die BA-CA nach zweieinhalb Jahren Marktabsenz an der Wiener Börse zurück begrüßt. Inzwischen ist die Bank Austria unmittelbarer Teil der UniCredit und die Italiener betrieben seit vorigem Jahr den Rausschmiss der Streubesitzaktionäre.

Streit um Abfindungshöhe geht weiter
Streubesitzaktionäre betonten, dass sie sich mit der Bank nur auf die vom Management gewünschte Firmenbucheintragung und den Börsenrückzug einigten. Der Streit über die Höhe der Abfindung werde hingegen vollinhaltlich weitergeführt, kündigte Alexander Proschofsky, Vertreter von Bank-Austria-Kleinaktionären heute an.

Die Bank Austria-Mutter, die italienische UniCredit, teilte heute mit, dass sie das Hinausdrängen der Minderheitsaktionäre insgesamt voraussichtlich 1,045 Mrd. Euro kosten wird. Sie erwartet eine Abschluss bis Ende Juli

"Das Verfahren zur Überprüfung des Barabfindungspreises wird von uns in den kommenden Wochen eingeleitet werden und mit aller Kraft geführt werden", so Proschofsky.

Abfindungswert "zu niedrig"
Laut Proschofsky wurde per 3. Mai 2007 auf Basis einer Unternehmensbewertung von Deloitte ein seiner Ansicht nach erheblich zu niedriger Wert der Bank Austria von 129,40 Euro (zuzüglich Zinsen) ermittelt. Die kritischen Kleinaktionäre hatten bereits bei der vorjährigen HV höhere Abfindungspreise verlangt. Der Fonds Polygon verlangte damals mindestens 170 Euro, die Proschofsky-Gruppe sah den realistischen Wert gar um die 200 Euro.

"Der Gewinn der Bank Austria lag alleine 2007 trotz Subprime-Krise um 25 Prozent über den im Deloitte-Gutachten verwendeten Zahlen. 2008 wird das Ergebnis noch deutlicher darüber liegen. Zudem wurden stille Reserven unserer Ansicht nach nicht ausreichend berücksichtigt (Stichwort: B&C-Holding) und viel zu hohe Zinssätze bei der Ermittlung des Unternehmenswerts verwendet. In Summe dürfte der faire Unternehmenswert daher sogar noch über unseren ursprünglichen Preiserwartungen liegen", so Proschofsky.
(apa/red)