Bangladesch von

Überlebende geortet

Vier Opfer lebendig aus Trümmerhaufen geborgen. Schweres Gerät für Aufräumarbeiten.

Fabriksgebäude in Bangladesch eingestürzt © Bild: Reuters/Stringer

Fast 100 Stunden nach dem Einsturz eines achtstöckigen Gebäudes in Bangladesch haben Retter Medienberichten zufolge weitere Überlebende geborgen. Vier Menschen seien am Sonntag aus dem früheren vierten Stock des "Rana Plaza" geholt worden, berichtete der "Daily Star" in seiner Onlineausgabe. Einige weitere Überlebende wurden demnach geortet.

Die Bergungskräfte setzten bei ihrer Suche am Sonntag erstmals riesige Kräne ein, um die schweren Betonplatten anzuheben. "Es gibt an diesem Punkt keine andere Alternative mehr, als schweres Gerät zu verwenden", hatte Einsatzchef Syed Hassan Suhrawardy gesagt. Zugleich stieg die Zahl der Opfer weiter an. Helfer zogen bis zum Sonntag 362 Leichen aus dem Trümmerberg in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka.

Das eingestürzte Gebäude hatte mehrere Textilfabriken und Geschäfte beherbergt. Fast 2.500 Menschen wurden seit Mittwoch lebend geborgen. Ministerpräsidentin Sheikh Hasina versprach bei einem Besuch im Krankenhaus am Sonntag, die Regierung werde die Kosten für die Behandlung der Verletzten übernehmen.

Hausbesitzer festgenommen

Mittlerweile hat die Polizei den Besitzer des Häuserblocks festgenommen. Amtlichen Angaben zufolge wollte der Mann sich gerade nach Indien absetzen. Als einen der Hauptverdächtigen bei den Ermittlungen zur Katastrophe bezeichnete die Polizei einen spanischen Industriellen, nach dem gefahndet wird.

Der Besitzer des Rana-Plaza-Gebäudes, Sohel Rana, sei gefasst worden und werde vor Gericht gestellt, teilte der Vize-Innenminister Shamsul Haque Tuku mit. Der Chef der bangladeschischen Polizeieliteeinheit, Muklesur Rahman, ergänzte, der Unternehmer sei in Benapole an der indischen Grenze gefasst und im Hubschrauber zurück in die Hauptstadt Dhaka gebracht worden. Rana ist Mitglied der Regierungspartei in Bangladesch.

Firmen-Chefs inhaftiert

Bereits am Samstag wurden drei Chefs von in dem Gebäude ansässigen Textilfabriken unter dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung festgenommen. Es handelt sich nach Polizeiangaben um Bazlus Samad, Chef der Firmen New Wave Buttons und New Wave Style, Mahmudur Rahaman Tapash, einen leitenden Angestellten "einer der beiden Firmen", sowie Aminul Islam, Chef zweier anderer Fabriken. Zudem seien zwei Ingenieure in Gewahrsam, die das eingestürzte Gebäude abgenommen hätten.

Bei dem von den Behörden gesuchten spanischen Geschäftsmann David Mayor handelt es sich um den Teilhaber Islams. Mayor ist Generaldirektor von Phantom-Tac, einer Gemeinschaftsfirma aus der bangladeschischen Phantom Apparels und der spanischen Textile Audit Company. Die Firma nahm in dem Gebäude laut der Website von Phantom-Tac mehr als 2.000 Quadratmeter ein.

Tausende demonstrieren

Tausende Textilarbeiter in dem Land demonstrierten unterdessen für bessere Arbeitsbedingungen und die Festnahme der Verantwortlichen für die Katastrophe. Rund 4.000 Textilfabriken stellten deshalb ihre Produktion ein. Die Demonstranten blockierten Straßen, zerstörten Autos und beschädigten einige Unternehmen im Industrieviertel der Hauptstadt. Die Polizei setzte in und um Dhaka Tränengas und Gummigeschoße ein, um die Ansammlungen aufzulösen. Mindestens 20 Arbeiter wurden dabei verletzt.

Bangladeschs Verband der Textilproduzenten und -exporteure forderte von den Verantwortlichen der Textilfirmen, die in dem eingestürzten Gebäude produzierten, sich den Behörden zu stellen. Bangladesch ist einer der größten Kleidungsproduzenten der Welt. Die Industrie beschäftigt ihre Arbeiter dort zu Mini-Löhnen.

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