Bangen um Start von Nadal in Wimbledon: Federer Favorit und mit neuem Ansporn

Schweizer nach French-Open-Triumph wiedererstarkt Damen: Schafft Venus Williams den Titel-Hattrick?

Bangen um Start von Nadal in Wimbledon: Federer Favorit und mit neuem Ansporn © Bild: Reuters

Ein Finale wie vergangenes Jahr in Wimbledon zwischen Roger Federer und Rafael Nadal wird es an diesem Schauplatz nie wieder geben: Das denkwürdige Endspiel, das wegen Regenunterbrechungen erst in der Dämmerung beendet werden konnte und das Ende der fünfjährigen Regentschaft Federers brachte, ist noch jedem Tennisfan in Erinnerung.

Doch 2009 ist vieles anders: Erstens verfügt der Center Court über ein Dach, womit Regen und damit auch Dunkelheit kein Thema mehr sein werden, zweitens kommt Federer als frischgebackener French-Open-Sieger an die Church Road und drittens? Drittens steht hinter dem Antreten von Titelverteidiger Nadal ein sehr großes Fragezeichen. Der Weltranglisten-Erste scheiterte im Vormonat bei den French Open schon im Achtelfinale und scheint derzeit den Preis für seine körperbetonte Spielart bezahlen zu müssen: Seine immer wieder auftretenden Knieentzündungen lassen den Spanier diese derzeit kaum beugen, auch ein vorletzter Test im Hurlingham Club in London (4:6,3:6 gegen Lleyton Hewitt) ließ nichts Gutes verheißen.

"Rafa hat Schwierigkeiten, seine Knie zu beugen und es scheint, dass die verschiedenen Behandlungen nicht genug sind", meinte sein Coach und Onkel Toni Nadal. "Daran zu denken, dass er vielleicht in Wimbledon nicht spielen könnte, ist ganz schön beängstigend", meinte der sportliche Federer.

Schöpferische Pause
Auch Federer, der sich schon direkt nach Paris als Wimbledon-Topfavorit erachtete, hat seit Paris aufs Tennis verzichtet, allerdings freiwillig bzw. wegen Erschöpfung. Und wohl auch um durchzuatmen nach dem so lange ersehnten Triumph in der Seine-Stadt, der ihm zum kompletten Grand-Slam-Sieger machte. Schon in Wimbledon könnte er mit dem Major-Titel Nummer 15 ganz an Pete Sampras vorbeiziehen und alleiniger Rekordhalter werden. Und Federer strotzt auch vor Selbstvertrauen. "Ich fühle mich definitiv mehr als Mann jetzt als in den vergangenen Jahren, weil ich keine Angst vor Fünf-Satz-Spielen mehr habe. Ich kann mit dem Druck umgehen", so der frühere Weltranglisten-Erste, der schon nach Wimbledon wieder auf den Tennisthron zurückkehren könnte.

Auch wenn Legende Martina Navratilova ihm vor kurzem vorgeschlagen hat, er könnte "für den Rest seines Lebens Margaritas schlürfen gehen" - Federer scheint erfolgshungriger denn je. Fast schon wie eine Drohung klingen folgende Worte des Weltstars aus der Schweiz: "Bei allem Respekt für die anderen Spieler.. Ich denke, dass ich das Spiel, den mentalen Ansatz und die Erfahrung habe, in Wimbledon noch viele Male zu gewinnen."

Neben einem Nadal stehen freilich vor allem Andy Murray, der das Erbe von Tim Henman angetreten hat und endlich für den ersten Wimbledon-Titel eines Briten seit Fred Perry vor 73 Jahren (1936) sorgen soll, Novak Djokovic und - mit Abstrichen - Juan Martin del Potro im Blickpunkt. Gespannt sein darf man auch auf die Auftritte von Paris-Finalist Robin Söderling, natürlich auch von Andy Roddick oder einem Jo-Wilfried Tsonga, sein.

Bei den Damen steht und fällt vieles mit der Form der Schwestern Venus und Serena Williams: Venus hat 2007 und 2008 gewonnen und geht also auf den Hattrick los, Serena ist Vorjahresfinalistin. Allerdings könnte die Nummer 1, Dinara Safina, die sehnsüchtig auf ihren ersten Grand-Slam-Titel wartet, den Schwestern die Suppe versalzen. Paris-Triumphatorin Swetlana Kusnezowa muss man sicherlich auch mit auf die Rechnung nehmen.

(apa/red)