Bali-Attentäter nun als Märtyrer gefeiert:
Unruhe nach der Hinrichtung in Indonesien

Vor Hinrichtung Sicherheitsvorkehrungen verschärft Jemaah Islamiyah hat Verbindungen zur Al-Kaida

Bali-Attentäter nun als Märtyrer gefeiert:
Unruhe nach der Hinrichtung in Indonesien © Bild: Reuters

Nach der Hinrichtung der Bali-Attentäter haben Hunderte muslimische Extremisten auf der indonesischen Insel Java protestiert und die drei Männer als Märtyrer gefeiert. In der Moschee von Serang drängten sich rund tausend Menschen um den Leichnam des 38-jährigen Imam Samudra. Viele reckten die Fäuste und riefen "Allah ist groß".

Das Todesurteil gegen die drei war kurz nach Mitternacht vollstreckt worden. Samudra und seine Komplizen - der 48-jährige Mukhlas und der 46-jährigen Amrozi - wurden auf der schwer gesicherten Insel Nusakambangang von einem Exekutionskommando erschossen. Die Toten wurden anschließend per Hubschrauber in ihre Heimatorte gebracht.

Begräbnis als politischer Protest
In Tenggulun versammelten sich Hunderte Anhänger des umstrittenen Predigers Abu Bakar Bashir vor dem Friedhof, auf dem die Brüder Mukhlas und Amrozi bestattet werden sollten. Der Eingang war mit einem Banner mit der Aufschrift "Heißt die Märtyrer willkommen" geschmückt. Bashir sollte bei der Feier das Totengebet sprechen.

Australien verschärfte seine Reisehinweise für Indonesien und Außenminister Stephen Smith warnte im Fernsehen vor Racheakten. Ein Großteil der Opfer der Bali-Anschläge stammte aus dem Land. Insgesamt wurden dabei im Oktober 2002 in zwei Nachtclubs der Ferieninsel 202 Menschen getötet, darunter sechs deutsche Touristen. Die Attentäter hatten zu Protokoll gegeben, sie bereuten lediglich, dass auch Muslime unter den Opfern waren.

Ziel: Islamisches Kalifat
Die Attentäter gehörten der Gruppe Jemaah Islamiah an, deren erklärtes Ziel es war, Ausländer von Reisen nach Indonesien abzuschrecken und den Inselstaat zu einem islamischen Kalifat zu machen. Indonesien ist das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung. Zuletzt vereitelte die Polizei eigenen Angaben zufolge im Oktober ein Attentat, das sich gegen ein Öllager in Jakarta richten sollte.

Indonesiens Anti-Terror-Einheit hat Behördenangaben zufolge in den vergangenen Monaten bei einer Serie von Razzien mehrere Führungskräfte der Jemaah Islamiah festgenommen. Die Gruppe sei inzwischen zersplittert und genieße nur noch bei wenigen Indonesiern Unterstützung, sagten australische Experten. Dennoch warnten sie vor einer Hinrichtung der Attentäter. Der Vollzug des Todesurteils drohe den Extremisten wieder Auftrieb zu geben, sagten sie. Indonesien hatte bereits vor der Exekution die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Genugtuung bei Opfer
Australische Bali-Opfer äußerten Genugtuung über die Hinrichtung. "Sie mussten den ultimativen Preis für das bezahlen, was sie taten", sagte Peter Hughes, der den Anschlag mit schweren Verbrennungen überlebte. "Diese Männer haben einen Massenmord begangen."

Ministerpräsident Kevin Rudd sprach den Familien seine Solidarität aus. "Ihr Leben bleibt gezeichnet", sagte er. "Der Mord hat ihr Leben grundlegend verändert." Australien hat sich gegen die Todesstrafe für die Attentäter ausgesprochen. Eine Frau, deren 33-jähriger Bruder getötet wurde, sagte, die Hinrichtung ändere nichts an ihrer Trauer. "Sie bringen Scott nicht zurück und sie können nichts verändern, was geschehen ist."

Die Leichen der Brüder Amrozi und Mukhlas, alias Ali Ghufron, wurden nach Tenggulun in Ostjava gebracht, die Leiche von Imam Samudra nach Serang. Die Familien wollten sie noch am Sonntag beerdigen. Die Attentäter, Mitglieder der Terrororganisation Jemaah Islamiyah, hatten nie Reue für die Ermordung der 202 Menschen gezeigt. 

Die Angehörigen feierten die Attentäter als Märtyrer. Der radikale Prediger Abu Bakar Bashir besuchte die Familien am Sonntag und sagte nach Medienberichten: "Wir sind glücklich, weil sie als Helden gestorben sind."
(apa/red)