"Bagdad momentan Hauptanstrengung:
USA verlagern Truppen in Iraks Hauptstadt

Soldaten aus Rebellenhochburg Al-Anbar abgezogen Erneut 47 Leichen in Iraks Hauptstadt gefunden

Die US-Truppen im Irak haben wegen der zunehmenden Gewalt in der Hauptstadt Bagdad ihre Truppenstärke in der heftig umkämpften Provinz Al-Anbar reduziert. "Bagdad ist momentan unsere Hauptanstrengung", sagte der US-Generalleutnant Peter Chiarelli. Die Gewalt zwischen den Religionsgruppen in der irakischen Hauptstadt sei inzwischen eine größere Bedrohung als der Aufstand vor allem sunnitischer Rebellen gegen die ausländischen Truppen und die irakische Armee.

Die Kommandanten vor Ort hätten zur Verstärkung der Truppenpräsenz in Bagdad Soldaten aus Al-Anbar abgezogen, räumte Chiarelli ein. US-Präsident George W. Bush sagte, das Militär habe die Bekämpfung des Aufstands in der weitläufigen Wüstenregion dennoch nicht aufgegeben.

Al-Anbar umfasst rund ein Drittel der Fläche des Irak und gilt als Kerngebiet des Aufstands gegen die Besatzungstruppen. In der Provinz liegen die Rebellenhochburgen Ramadi, Falluja und Haditha. Chiarelli bestätigte Berichte über ein Papier des Militärs, in dem eine Aufstockung der 30.000 US-Soldaten in Al-Anbar um rund die Hälfte gefordert wurde. Ohne Verstärkung werde sich die Situation in der Provinz verschlimmern, hieß es laut Medienberichten in dem Papier.

Die jüngsten exekutionsartigen Morde in Bagdad bezeichnete Chiarelli als eine neue Form der Gewalt. Wenn diese nicht eingedämmt werde, könne sie zu einem Bürgerkrieg führen. Derzeit befinden sich rund 147.000 US-Soldaten im Irak.

Erneut 47 Leichen in Bagdad gefunden
Die irakische Polizei hat in Bagdad erneut zahlreiche Leichen von Menschen gefunden, die wohl Opfer religiös motivierter Gewalt wurden. Insgesamt seien 47 Leichen entdeckt worden, teilte die Polizei mit. Bei den meisten seien die Hände zusammengebunden gewesen. Einige wiesen Folterspuren auf. 26 Leichen seien im vorwiegend von Sunniten bewohnten Westen Bagdads gefunden worden, 21 Leichen im schiitisch dominierten Osten.

Bereits in den vergangenen Tagen waren in der irakischen Hauptstadt mindestens 130 Leichen gefunden worden, die auf ähnliche Weise getötet wurden. Für die Taten werden so genannte Todesschwadronen verantwortlich gemacht, die gezielt Anhänger der gegnerischen Religionsgruppe angreifen. Seit Wochen nimmt die Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten im Land zu und droht den Irak in einen Bürgerkrieg zu treiben.

Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) werden im Irak täglich 100 Menschen getötet. Die US-Armee hatte zuletzt eingeräumt, dass die Mordrate in Bagdad einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Die USA haben vor einem Monat mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften eine Offensive in Bagdad begonnen, um der Gewalt Herr zu werden.
(apa)